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Trotz korrigierter GKV-Zahlen: Deutlicher Behandlungsrückgang im ersten Corona Lockdown

Die Zahlen des GKV-Heilmittel-Informationsportals für das erste Halbjahr 2020 sind im Januar 2021 nicht nur mit großer Verspätung, sondern auch noch falsch veröffentlicht worden. Inzwischen wurden die Angaben im März korrigiert und im April erneut veröffentlicht. Auch nach den Korrekturen sind die Daten erwartungsgemäß durch die Corona-Pandemie bestimmt, erfreulicherweise sind die Auswirkungen jedoch nicht ganz so stark wie ursprünglich berichtet.

Bundesweit lag der Rückgang der Behandlungseinheiten je 1.000 Versicherte zum Vergleichszeitraum des Vorjahres bei rund 8,1 Prozent. Das hängt mit dem damals unklaren Status der Heilmittelerbringer beim ersten Lockdown zusammen. Manche Ministerpräsidenten benötigten zwei bis drei Wochen, um zum einen zu begreifen, dass Heilmitteltherapie kein Wellnessangebot, sondern eine ernstzunehmende, medizinisch notwendige Behandlung ist. Und zum anderen, dass Therapeuten aufgrund ihrer Ausbildung durchaus in der Lage sind, Hygienevorgaben verantwortungsbewusst umzusetzen. Außerdem gab es einige Verbände, die zur Praxisschließung rieten. Ein Fehler, wie sich schnell herausgestellt hat.

Trotzdem sind die Behandlungsrückgänge in den ersten sechs Monaten 2020 nicht ganz so schlimm, wie im Februar berichtet. Im ersten Halbjahr sind die Vergütungen je Behandlungseinheit trotz der Korrekturen im Bundesschnitt deutlich gestiegen: Physiotherapie +11,3 Prozent, Ergotherapie +17,7 Prozent, Logopädie +20,7 Prozent und Podologie +9,9 Prozent. Das hat dazu geführt, dass trotz des wahrnehmbaren Behandlungsrückgangs der Umsatz halbwegs stabil geblieben ist.

Insgesamt haben die Heilmittelpraxen im ersten Halbjahr 2020 trotz der bundeseinheitlichen Preise nur noch 3,9 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahreszeitraum gemacht. Ohne Corona-Pandemie wären es fast 20 Prozent mehr gewesen. Das heißt, die Corona-Pandemie hat die Heilmittelpraxen in Deutschland allein im ersten Halbjahr 2020 etwa 700 Million Euro gekostet. Der Heilmittel-Rettungsschirm dürfte diese Summe zwar in etwa kompensiert haben, alle weiteren Umsatzeinbußen bzw. Kostensteigerungen tragen die Praxen jedoch seitdem selbst.

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