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Was kann ich tun, wenn MitarbeiterInnen sich weigern, miteinander zu arbeiten?

Die Frage

Was kann ich tun, wenn MitarbeiterInnen sich weigern, miteinander zu arbeiten?

Die Situation

Herr Rickert ist Chef einer therapeutischen Praxis. Er hat sich vor zehn Jahren selbständig gemacht und leitet heute ein Team aus 10 Personen. Frau Weiling ist schon lange dabei, Frau Reser kam vor zwei Jahren dazu. Die beiden Therapeutinnen geraten immer wieder aneinander. Herr Rickert hat mit beiden Einzelgespräche geführt und beide haben versprochen, dass die Streitereien aufhören. Trotzdem streiten sie immer wieder. Neulich eskalierte die Situation, so dass Frau Reser sich nun weigert, zeitgleich mit Frau Weiling zu arbeiten. Herr Rickert lehnt diese Forderung ab. Was kann er tun?

Was kann ich tun, wenn MitarbeiterInnen sich weigern, miteinander zu arbeiten?Der Mechanismus

Konflikte entstehen, wenn wir das Gefühl haben, dass jemand uns daran hindert, unsere Ziele zu erreichen. Wenn es sich um kleine Ziele handelt, schaffen wir es meist problemlos, Konflikte aufzulösen. Wenn Frau A das Ziel hat, in ihrer Pause eine Kaffeetasse aus dem Schrank zu holen, vor dem Frau B steht, bittet sie Frau B höflich, zur Seite zu treten, und holt sich ihre Tasse.

Wenn es aber um tieferliegende, für uns bedeutsamere Ziele geht, fühlen wir uns persönlich angegriffen. Wir haben das Gefühl, dass der andere böswillig gegen unsere Werte und Überzeugungen handelt. Wenn Frau A glaubt, dass Frau B absichtlich vor dem Schrank steht, um sie zu ärgern, dann wird sie (verbal) zum Angriff übergehen. Und Frau B wird wahrscheinlich zurückschlagen…

Haben wir das Gefühl, direkt angegriffen zu werden, reagieren wir – wie unsere fernen Vorfahren – nach einem von drei klassischen Mustern: 1. wir greifen auch an, 2. wir „stellen uns tot“ oder 3. wir laufen weg. Um dann wieder normal kommunizieren zu können, müssen wir zuerst verstehen, warum der andere gerade so und nicht anders gehandelt hat. Die meisten Konflikte entpuppen sich dann als Missverständnisse. Im Klärungsgespräch zeigt sich, dass Frau A gern zügig Kaffee trinken möchte und dass Frau B sich vor den Schrank stellt, weil sie von dort den Blick aus dem Fenster genießt. Schnell finden beide eine Lösung: Frau B holt einfach zwei Tassen aus dem Schrank, bevor sie sich dagegen lehnt.

Die Lösung

Wenn dieselben Personen immer wieder aneinandergeraten, möchte das meistens keine der beteiligten. Weder möchte Frau Reser von Frau Weiling angeschimpft werden, noch möchte sie selber Frau Weiling verletzen. Die Versprechen, die beide ihrem Chef geben, sind ernst gemeint: Sie wollen sich vertragen! Sie schaffen es nur nicht. In bestimmten Situationen fühlen sie sich von der anderen so sehr angegriffen, dass die normale Kommunikation ausgeschaltet und der Angriff/Totstellen/Flucht-Mechanismus eingeschaltet wird. Frau Resers Weigerung mit Frau Weiling zu arbeiten, ist eine ausgeprägte Fluchtreaktion.

Jetzt müssen alle Beteiligten an einen Tisch zu einem mediativen Klärungsgespräch. Beide Konfliktparteien müssen absolut fair und gleichberechtigt behandelt werden. Frau Reser und Frau Weiling brauchen Gelegenheit, sich auszusprechen, ohne dass eine die andere unterbrechen darf. Dafür zu sorgen, ist die Aufgabe des Chefs oder eines externen Mediators. Mit dessen Hilfe kann dann herausgearbeitet werden, warum sich beide so angegriffen gefühlt haben und wie solche Situationen in Zukunft rechtzeitig erkannt und geklärt werden können.

Kontakt:
Dr. Anke Handrock (Buchautorin, Trainerin und Praxiscoach)
Telefon: 030/36430590
www.handrock.de
 

Fotocredit: Dr. Anke Handrock

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