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Reihe: Methoden für die Mitarbeiterführung

Führungsmethode: Fragetechnik Kartenabfrage

Eine gute Führungskraft achtet darauf, die Meinung ihrer Mitarbeiter einzuholen. Wenn Sie Praxisthemen gemeinsam erarbeiten, diskutieren und Lösungen finden, holen Sie Ihr Team ins Boot. Damit zeigen Sie Wertschätzung und geben das Gefühl, dass jede Sichtweise zählt und jeder die Arbeit in der Praxis aktiv mitgestaltet. Mithilfe der Fragetechnik „Kartenabfrage“ gelingt es, das Team im Meeting oder Workshop zu fokussieren.
© matdesign24

Schnell und einfach können Sie mit dieser Methode beispielsweise Themen, Meinungen, Erwartungen, Ideen und Vorschläge, Probleme sowie Lösungsansätze sammeln und sichten. Diskussionen sind dabei eng auf den von der Gruppe gesetzten Rahmen begrenzt.

Mit dieser Methode

  • erarbeiten Sie im Team effizient Praxisthemen und finden gemeinsam Lösungen.
  • fokussieren Sie Ihre Mitarbeiter inhaltlich. Alle arbeiten gleichberechtigt am gewählten Thema. Hierarchische und fachliche Unterschiede werden ausgeglichen.
  • vermeiden Sie Diskussionen, erzielen schnell Konsens und widmen sich umfassend einer bestimmten Frage, einem Problem oder einem Schwerpunkt.

Benötigtes Material: Für Online-Meetings eignet sich ein Tool wie Miro. Ansonsten brauchen Sie Überschriftenstreifen, Karten oder große Post-ist, Pins, Stifte und eine glatte Fläche zum Posten wie eine Pinnwand oder ein Flipchart.

So läuft die Durchführung

Schritt 1 – Fragen bearbeiten

Ein Mitarbeiter übernimmt die Rolle des Moderators, stellt eine Frage, schreibt sie auf eine Karte und pinnt sie an die Posting-Fläche. Wichtig ist, dass die richtige Frage gestellt wird. Zum Beispiel:

  • Worüber müssen wir unbedingt sprechen?
  • Was hat geklappt, was hat nicht geklappt?
  • Welche Probleme verbindet ihr mit Thema xy?
  • Was sagen unsere Patienten zu dem Thema?
  • Was sollten wir heute tun, um unser Ziel zu erreichen?
  • Was fehlt in unserem Angebot?

Manchmal ist es schwer, ein Thema sachlich zu erfassen und auf den Punkt zu kommen. Dann hilft es, die Perspektive zu wechseln und die Frage anders zu formulieren – als sogenannte Zauberfrage, die etwa so lauten könnte:

  • Nehmen wir an, das Ziel wäre vollumfänglich erreicht. Was haben wir getan, um das zu schaffen?
  • Alles hat geklappt. Wir sind da, wo wir hinwollen. Wie sieht es hier aus? Wie fühlt es sich an? Was sagen Ärzte, Patienten, ihre Angehörigen und unser Umfeld dazu?

Danach haben die Teilnehmer Zeit, um Antworten auf Karten zu notieren. Dafür gelten vereinbarte Regeln für klare und kurze Botschaften: Jede Karte wird lesbar in Druckbuchstaben geschrieben, damit die Teamarbeit später dokumentiert werden kann. Jeder fasst sich kurz und notiert nur eine Idee oder ein Thema mit maximal sieben Wörtern pro Karte.

Je nach Gruppengröße schreibt jeder Teilnehmer zwei oder drei Karten. Das hängt davon ab, wie viele Antworten Sie aus Ihrem Team erhalten möchten.

Hinweis: Damit diese Methode erfolgreich ist, muss die Frage zielführend formuliert sein. Sie ist das A und O. Daher müssen Sie gut darüber nachdenken und notfalls sogar eine Pause einlegen, um mehr Zeit dafür zu haben.

Schritt 2 – Sichtung der Antworten

Im Anschluss sammelt der Moderator die Karten ein, oder die Teilnehmer pinnen ihre Antworten an die Posting-Fläche. Der Moderator liest jede Karte vor und klärt eventuelle Verständnisprobleme.

Tipp: Über den Inhalt der Karte wird nicht diskutiert. Außerdem besteht kein Zwang, sich zur Urheberschaft zu bekennen, wenn über eine bestimmte Karte gesprochen wird.

Wichtig: Jede Karte ist gleich wichtig, und die Mitarbeiter dürfen jede Karte ergänzen.

Schritt 3 – Clustern / Sortieren

Das Team sortiert nun die Karten:

  • Der Moderator liest eine Karte vor.
  • Der Moderator fragt, zu welcher Gruppe diese Karte passt.
  • Die Teilnehmer entscheiden, welche Karten thematisch zusammengehören.
  • Der Moderator sortiert die Karten entsprechend.

Tipp: Falls es keine Einigung über die Gruppenzugehörigkeit einer Karte gibt, wird in die Runde gefragt, wer die Karte geschrieben hat und ob derjenige entscheiden möchte. Alternativ kann die Karte dupliziert und in mehrere Kartengruppen gesetzt werden.

Sobald alle Karten sortiert sind, werden Überschriften zu den Kartengruppen gebildet:

  • Alle Karten einer Gruppe (eines Clusters) werden vorgelesen.
  • Der Moderator fragt: Welche Überschrift passt zu dieser Kartengruppe?

Tipp: Manchmal hilft dabei ein Blick auf die Ausgangsfrage. Denn die Überschrift soll eine sinnvolle Antwort auf diese Frage liefern.

  • Die Überschrift wird auf eine Karte geschrieben, oder eine bereits vorhandene Karte wird für die Überschrift genutzt.

Dieser Vorgang wird bei jeder Kartengruppe durchlaufen, bis alle Überschriften formuliert sind.

Fazit

Die Methode hat viele Vorteile: Alle Teammitglieder werden eingebunden, Vielredner und dominante Mitarbeiter werden ausgebremst, die Anonymität bleibt gewahrt, und Gespräch und Ablauf erzeugen Teamkonsens. Gleichzeitig ist die Methode eine gute Versachlichungsstrategie, bei der Inhalt wichtiger ist als Personen oder Hierarchien.

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