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„Also an mir kann es nicht liegen…“

Warum hat Willi Wichtig nur immer Probleme mit seinen Mitarbeitern?
Das Personalkarussell dreht sich. Die Mitarbeiter kommen und gehen. Und der Krankenstand erreicht Rekordwerte. Dabei gibt sich Praxischef Willi Wichtig wirklich alle Mühe, seine Angestellten in der Praxis zu behalten. Stets hat er ein Auge auf sie, schaut über die Schulter, schaltet sich mit Ratschlägen und Verbesserungsvorschlägen ein und schreckt nicht davor zurück, die Wahrheit zu sagen, selbst wenn es weh tut. Auch alle Entscheidungen trifft er alleine, um seine Mitarbeiter nicht zu belasten. Wie sich das für eine Führungskraft gehört!
„Also an mir kann es nicht liegen…“
© Koldunov

„In unserer Praxis ist alles in Ordnung. Wenn ich in Teammeetings nach Problemen frage, meldet sich niemand“, stellt Praxischef Willi Wichtig immer wieder erfreut fest. Komisch nur, dass sich erst zwei Mitarbeiter zur geplanten Firmenfeier angemeldet haben. Und auch wenn er den Pausenraum betritt, verstummen plötzlich die Gespräche. Naja, vielleicht sind alle ein wenig gestresst. Es sind mal wieder einige Kollegen krank. Und dann hat letzte Woche auch noch die neue Therapeutin nach nur drei Monaten schon wieder gekündigt.

Dabei hat Herr Wichtig doch alles getan, um die neue Mitarbeiterin gut in die Praxis einzuarbeiten. Er hat sich immer wieder jeden ihrer Arbeitsschritte von ihr erklären lassen und sie tatkräftig mit Ratschlägen unterstützt, wie sie das eine oder andere besser machen könnte.

Auch die Ideen der Neuen hat er sich immer wieder angehört und ihr dann ganz schnell klar gemacht, warum die Veränderungen und Neuerung, die sie vorschlägt, einfach nicht umsetzbar sind. Schließlich läuft in der Praxis alles so, wie es soll, und sich über Jahre bewährt hat. Wenn Veränderungen nötig wären, würde das ihm doch als Erstem auffallen. Schließlich ist er der Praxischef.

Nun gut, hin und wieder unterlaufen auch Willig Wichtig mal Fehler. Aber darüber geht er schnell hinweg. Denn möchte er die Aufmerksamkeit nicht unnötig darauf lenken, damit seine Mitarbeiter sich nicht am Ende noch ein Beispiel daran nehmen. Schnell unter den Teppich kehren und einfach weitermachen, ist da sein Motto.

Und wer nun denkt, Herr Wichtig vertraue seinen Mitarbeitern nicht, der irrt gewaltig. Schließlich hat er überhaupt keine Zweifel, dass sie den Laden am Laufen halten, wenn er nicht da ist. Freitags beispielsweise zeigt er sein Vertrauen, indem er sich bereits zum Mittag ins Wochenende verabschiedet. Auch gönnt er sich regelmäßig lange Wochenende oder auch mal einen freien Tag in der Wochenmitte. Er fährt im Winter zwei Wochen Ski, im Frühling verbringt er vierzehn Tage oder auch mal drei Wochen auf den kanarischen Inseln, gönnt sich im Sommer zur Erholung eine mehrwöchige Kreuzfahrt und geht im Herbst vierzehn Tage in Tirol wandern.

Außerdem ist Willi Wichtig auch offen für Neues. Regelmäßig stellt er Abläufe um und probiert neue Dinge aus. Solche Veränderungen überlegt er sich ganz alleine und behelligt seine Mitarbeiter in der Entstehungsphase nicht damit. Erst wenn es darum geht, die Arbeitsabläufe zu verändern, stellt er sie vor vollendete Tatsachen – ähm, informiert sie über die Veränderungen. Die Therapeuten kümmern sich um die Behandlung der Patienten, alles andere regelt der Chef, findet Herr Wichtig. Gut, da kann es mal sein, dass sein Plan von Montag am Dienstag über den Haufen geworfen wird und am Mittwoch wieder etwas anderes gilt. Aber das passiert eben auch der besten Führungskraft manchmal. Für seine Mitarbeiter scheint das schon in Ordnung zu sein, schließlich hat sich noch keiner beschwert.

Aber warum sich immer noch nicht mehr Kollegen für die Feier angemeldet haben? Willi Wichtig weiß es einfach nicht. Dabei hat er sich doch extra auf Ostermontag gelegt. Da ist Feiertag, die Praxis hat geschlossen und alle haben Zeit. Wirklich komisch!

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Simona
28.03.2022 22:40

Super, noch besser hätte man meinen Chef nicht beschreiben können.

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