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An die Arbeit

„Ich gehe oft mit einem guten Gefühl nach Hause, weil ich Zeit für die Patienten habe“

Charlotte Dumitrascu, Logopädin, berichtet von ihrer Arbeit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Vom Opernorchester ins Uniklinikum – das ist der berufliche Werdegang von der studierten Logopädin (M. Sc.) Charlotte Dumitrascu. Nach einem Musikstudium und einem Jahr als Praktikantin an der Staatsoper in Hamburg hat sie noch einmal einen Neuanfang gewagt. Sie machte eine Ausbildung zur Logopädin, studierte nebenbei Gesundheitswissenschaften. Es folgte ein Masterstudium und einige Jahre Arbeit in einer Praxis, bis sie schließlich als Logopädin in der Klinik und Poliklinik für Hör-, Stimm- und Sprachheilkunde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) anfing. Uns hat sie erzählt, warum sie sich für die Klinik entschieden hat und was die größten Unterschiede zwischen der Arbeit in einer Praxis und der Klinik sind.
"Ich gehe oft mit einem guten Gefühl nach Hause, weil ich Zeit für die Patienten habe"
© CharlotteDumitrascu

„Mit dem Musikstudium hat sich damals ein Traumfür mich erfüllt“, berichtet die Logopädin Charlotte
Dumitrascu. „Als ich dann ein einjähriges Praktikuman der Staatsoper in Hamburg absolviert habe, habe ich aber relativ schnell gemerkt, dass das nicht der Beruf ist, den ich machen möchte.“ Der Erfolgsdruck sei einfach enorm. Im Rahmen einer Berufsberatung sei sie dann auf den Beruf der Logopädie aufmerksam geworden und hat sich für eine Ausbildung entschieden. Zeitgleich hat sie ein Bachelor in Gesundheitswissenschaften absolviert.

Als „Springer“ irgendwie überall

Danach war sie etwa zwei Jahre als Logopädin in einer Praxis tätig. „Während der Zeit habe ich viele
Hausbesuche gemacht, teilweise den ganzen Tag“, berichtet Charlotte Dumitrascu. „Da habe ich mich oft ein bisschen einsam gefühlt.“ Zusätzlich hat die Logopädin Kinder einer Inklusionskita betreut. „Diese wollte dann eine Vorschule aufbauen, wofür ich mit ins Boot geholt wurde.“ Dort angestellt, hat sie Frühförderkonzepte entwickelt, war aber auch oft als „Springer“ im Einsatz und hat in der Krippe ausgeholfen – viele Tätigkeiten, die mit dem eigentlichen Therapieberuf nichts zu tun haben.

Nächster Step: Master

„Während der Arbeit in der Praxis haben sich immer wieder Fragen aufgetan, die ich mit meinem Wissen aus der Ausbildung und dem Bachelor-Studium nicht für mich lösen konnte“, so die Logopädin. „Ist Therapiekonzept wirklich wirksam? Warum therapiere ich so und nicht anders? Akademisierung und Forschung hängen eng miteinander zusammen und beides ist sehr wichtig, um die Therapie weiterzuentwickeln.“ Sie machte daraufhin einen staatlichen Forschungs-Master in Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie. „Danach habe ich mich dann das erste Mal am UKE beworben“, so die Logopädin. „Ich bekam eine Absage, weil mir schlichtweg die praktische Berufserfahrung in der Therapie fehlte.“ Sie sei dann wieder in eine Praxis gegangen und habe dort für weitere knapp zwei Jahren gearbeitet. Dann kam der Anruf vom UKE, dass eine Stelle frei geworden sei. Sie durchlief erneut das Bewerbungsverfahren und bekam die Stelle.

Freie Zeiteinteilung nicht immer von Vorteil

Dumitrascu kennt beide Facetten – die Arbeit in der Praxis und der Klinik. Aber was sind die größ-
ten Unterschiede? „In der Praxis hatte ich sehr viel Eigenverantwortung, habe selbst geplant, wie viele Patienten ich am Tag therapieren muss, um das Mindestsoll zu erfüllen“, so die Logopädin. Die freie Einteilung sei zum einen ein totaler Vorteil. Doch es gäbe auch Nachteile, etwa, dass sie in den Schulferien immer schauen musste, wie sie auf die Patientenzahlen kommt.
„In der Klinik hingegen werden die Patiententermine für mich geplant“, so die Logopädin. Und wenn Patienten nicht kommen, dann baue sie dadurch keine Minusstunden auf. Das entspanne sie ungemein.

Nur Diagnostik, keine Therapie

Noch ein Unterschied: Sie therapiert in der Klinik und Poliklinik für Hör-, Stimm- und Sprachheilkunde nicht, sondern macht ausschließlich Diagnostik. Jede der insgesamt vier Logopädinnen betreut Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern, sowohl Stimmstörungen, Schluckstörungen, Sprechstörungen und Störungen der kindlichen Sprachentwicklung. Zu Charlotte Dumitrascus Patienten gehören Menschen jeden Alters. Die Diagnostik erfolgt überwiegend vormittags. „Kommt beispielsweise ein Patient mit Schluckstörungen zu mir, mache ich als erstes eine ausführliche Anamnese und dann eine Diagnostik. Dann berichte ich den behandelnden Fachärzten für Phoniatrie und Pädaudiologie sowie für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, warum sich der Patient bei uns vorgestellt hat und was seine Beschwerden sind.

Gemeinsam machen wir dann die flexibel endoskopische Schluckuntersuchung, die FEES“, so die Logopädin. „Zusammen überlegen wir schließlich, was die für den Patienten bestmögliche Therapie bzw. Behandlung ist und was in dem Brief und den Empfehlungen an die niedergelassenen Ärzte und Therapeuten, den jeder Patient von uns bekommt, stehen muss.“ Die Briefe schreibt sie am jeweiligen Nachmittag.

Klinik? Immer wieder!

Generell tausche sie sich sehr intensiv mit den im Team arbeitenden Audiometristen, Psychologen und Ärzten aus, viele würden mit ihr auch Rücksprache bezüglich Therapien halten. „Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit macht die Arbeit am UKE aus“, so die Logopädin. Um immer auf dem neusten Stand zu
bleiben, bildet sie sich stetig fort. „Das wird in einer Uniklinik auch erwartet, ebenso wie der Einsatz in klinischer Forschung oder auch das Daten sammeln und auswerten für Studien und Fachpublikationen“, sagt Frau Dumitrascu. Auf die Frage, ob sie den Weg wieder so gehen würde, antwortet sie mit einem klaren Ja und ergänzt: „Ich fahre oft mit einem guten Gefühl nach Hause, weil ich Zeit für die Patienten habe und sie hier im interdisziplinären Team wirklich umfassend diagnostizieren und beraten kann.“

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