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An die Arbeit

Meine Patienten? Spitzensportler!

Claudia Zibell, Physiotherapeutin der U19- und U20-Frauenfußballnationalmannschaft
Als Physiotherapeutin mit Spitzensportlern zusammenarbeiten – das gehört zum Alltag von Claudia Ziebell. Sie ist leitende Physiotherapeutin der ATHERA. Am Neuen Wall in Hamburg. Auf der start_up-Onlinetagung Ende September 2021 hat sie uns Rede und Antwort gestanden: Wie ist sie in den Spitzensport gekommen? Wie sieht ein typischer Spieltag bei ihr aus? Würde sie den Schritt wieder gehen? Und wie finden junge Physiotherapeuten den Einstieg die Betreuung von Spitzensportlern?
Meine Patienten? Spitzensportler!
© Claudia Ziebell

Claudia Ziebell hat 1989 ihr Examen gemacht und ist seit 1997 im Spitzensport. Neben ihrer Tätigkeit als leitende Physiotherapeutin arbeitet sie auch als Sportphysiotherapeutin beim Deutschen Fußball-Bund e. V. (DFB) und betreut die U19- und U20-Frauenfußballnationalmannschaft. Sie reist mit zu den Spielen, ist vor Ort immer mit dabei.

Wie alles begann

Ursprünglich wollte Claudia Ziebell Sport studieren. „Leider wurde ich nach einer Knieverletzung relativ schlecht nachbehandelt, wodurch sich das dann erledigt hat“, erzählt die Therapeutin. Sie hat dann eine Physiotherapieausbildung gemacht, Fortbildungen absolviert und sich auf die Sportphysiotherapie spezialisiert.

„1997 bin ich nach Hamburg gezogen und habe in einer Praxis angefangen, die sehr viele Leistungssportler betreut“, berichtet die Physiotherapeutin. „Ich übernahm erst die Betreuung der St. Pauli-Fußballer, dann kam zusätzlich ein Hockeyclub hinzu.“ Mit denen ist sie dann auch an Wochenenden zu Spielen gefahren. Als sie 2003 ihren Sohn bekam, wollte sie nicht mehr so häufig am Wochenende unterwegs sein und wechselte zum DFB. Dort hat sie bis 2009 Sichtungslehrgänge für Nachwuchsspieler durchgeführt. Dann wurde sie gefragt, ob sie die U19- und U20-Frauen-fußballnationalmannschaft übernehmen möchte. Sie sagte direkt zu.

In der Weltgeschichte umherreisen: Check!

Die Liste an Ländern, die sie bereits bereist hat, ist lang. Erst kürzlich war sie in Russland zum Qualifikationsturnier für die Europameisterschaft. Aber auch Kanada und Papua-Neuguinea habe sie schon bereist. „Oft sind Länder dabei, in die man sonst nicht kommen würde.“ Das sei in allen Leistungssportbereichen der Fall und mache die Tätigkeit so spannend.

Reisen bedeutet aber auch, am Wochenende oder auch mal mehrere Wochen am Stück von zuhause weg zu sein. Wenn nicht gerade Corona ist, dann sei sie in einem Weltmeisterjahr 70 bis 100 Tage unterwegs, in einem Europameisterjahr 50 bis 70 Tage. „Dass der Arbeitgeber da mitspielt, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen“, so Zibell. „Ich arbeite 30 Stunden die Woche und baue für die Reisen Überstunden ab oder werde von meinem Arbeitgeber freigestellt.“ Und wie sieht es mit dem Geld aus? Der Tagessatz beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) liege bei 150 bis 165 Euro, es gebe aber auch viele Verbände, die etwas mehr Geld zahlen. Als Angestellter sei das eine gute Sache nebenbei.

Was ein Physio am Spieltag so macht

„An einem Spieltag geht es in der Regel so los, dass morgens eine Aktivierung ist für die Spielerinnen, also eine halbe Stunde Schnelligkeits- und Konzentrationsübungen mit dem Athletiktrainer“, berichtet Zibell. „Da sind wir auch mit dabei.“ Ungefähr dreieinhalb Stunden vor dem Spiel ist das Match-Meal, berichtet sie weiter. „Ein Physio fährt dann vorab mit zum Ort des Spiels, richtet die Kabine mit her. Der andere Physio reist mit der Mannschaft an.“

Dann folge das Warmmachen, das Spiel – und danach gehe die Arbeit erst so richtig los. „Jede Spielerin muss sich nach dem Spiel einmal bei uns vorstellen und wir fangen an zu behandeln“, so Zibell. „Das klassische Ausmassieren machen wir nicht mehr. Es gibt Eisbäder und wir nehmen Behandlungen vor.“ Sie arbeite eng mit dem Mannschaftsarzt und dem Trainerstab zusammen, Ärzte sprechen sie an, aber auch sie halte ganz gezielt Rücksprache. „Das kommt mir auch im Praxisalltag zugute, viele Therapeuten haben da ja doch Hemmungen“, weiß die Physiotherapeutin.

Wer es will, hat gute Chancen Niemand startet seine Karriere direkt mit der Betreuung von Spitzensportlern. „Wer aber wirklich in den Bereich möchte, der habe auch gute Chancen“, so Zibell. Wichtige Voraussetzungen seien, den Weg konsequent zu verfolgen, sich stetig fortzubilden und natürlich auch dazu bereit sein, an Wochenenden unterwegs zu sein oder auch längere Reisen am Stück zu absolvieren. „Es ist eine wirklich tolle Abwechslung zum Arbeitsalltag in der Praxis, ich würde alles genau so wieder machen!“

Tipps für deinen Einstieg in den Spitzensport

Sammle erste Erfahrungen:

  • Belege am besten schon während der Ausbildung Kursezum Taping und Flossing. Das gehört zum Alltag eines Sportphysiotherapeuten.
  • Wende dich an lokale Sportvereine und frag nach, ob du hospitieren darfst.
  • Informiere dich über passende Praktika, etwa bei Verbänden und/oder Olympiastützpunkten.
  • Wenn du merkst, das ist etwas für dich:
    Belege die Zertifikatslehrgänge „Manuelle Therapie“ und „Lymphdrainage“.
    Wende dich an Praxen, die Sportler betreuen, und frage nach, ob du mitlaufen darfst.
    Schaue dich nach Nebentätigkeiten auf 450-Euro Basis um – etwa bei regionalen Sportvereinen. Die Anzahl der Stunden ist oft Verhandlungssache. Verkaufe dich nicht unter Wert!
    Absolviere die Weiterbildung zum Sportphysiotherapeuten.
  • Wenn du international mit Spitzensportlern arbeiten möchtest:
    Erwerbe die DOSB-Lizenz (Voraussetzung: Sportphysiotherapeut). Um einen Platz zu ergattern, musst du einen Bewerbungsprozess durchlaufen.
    Mehr dazu findest Du hier.

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