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An die Arbeit

„Wichtig ist, etwas mit Mehrwert zu erschaffen“

Sara Hiebl, Ergotherapeutin, entwickelt eigene therapeutische Konzepte
„Ich bin stark!“ und „Du+Ich“ – so heißen die beiden therapeutischen Konzepte, die Sara Hiebl, Ergotherapeutin und Praxisinhaberin, zusammen mit Kolleginnen entwickelt hat. Beim „Ich bin stark!“ handelt es sich um ein ergotherapeutisches Gruppenkonzept, das Kinder in einem positiven und stabilen Selbstbild stärkt. „Du+Ich“ ist ein familienzentrierter ergotherapeutischer Leitfaden, um die Lernkompetenzen in Familien zu fördern. Wir haben mit Frau Hiebl darüber gesprochen, wie aus einer Idee ein fertiges Konzept wird und welche Rolle wissenschaftliches Arbeiten dabei spielt.
"Wichtig ist, etwas mit Mehrwert zu erschaffen"
© Sara Hiebl

Sara Hiebl hat 2008 ihre Ausbildung zur Ergotherapeutin abgeschlossen. 2010 hat sie ihre eigene Praxis in Gilching (Nähe von München) eröffnet. Aktuell beschäftigt sie dort zehn Ergotherapeutinnen und zwei Sekretärinnen. Neben Erwachsenen behandeln sie auch Kinder mit AD(H)S, Autismus, Lernschwierigkeiten und belasteten Familiensituationen. „2010 habe ich mit der Konzeptentwicklung angefangen. Die Notwendigkeit dazu entstand aus der Arbeit in der Praxis heraus.“ 2015 hat sie dann das erste Konzept veröffentlicht, „Ich bin stark!“, 2017 das zweite, „Du+Ich“. Beide Konzepte wenden Frau Hiebl und ihr Team selbst in der Praxis an, sie schult aber auch andere Ergotherapeuten darin.

„Vor vier Jahren habe ich zudem mit einem Kollegen eine Coaching-Weiterbildung in Gesundheitsberufen entwickelt“, ergänzt Frau Hiebl. „Über ein Jahr hinweg begleiten wir Therapeuten dabei, die Kompetenzen und Haltung zu erlernen, um moderne und nachhaltige Therapieprozesse professionell zu gestalten und zu begleiten.“

Ergotherapeutische Konzepte waren Mangelware

„Als ich die Praxis übernommen habe, wurden zwar Gruppentherapien angeboten, aber ohne Struktur. Es wurde sich aus vielen Konzepten bedient.“, so Sara Hiebl. „Viele Konzepte setzen zudem bei der Symptomatik an. Ich möchte jedoch an den Ursachen arbeiten.“ In der Arbeit mit den Kindern habe sie immer wieder gemerkt, dass das Betätigungsverhalten der Kinder ganz stark vom eigenen Selbstbild abhängt. Und so begann Frau Hiebl, auf dieser Basis ein ergotherapeutisches Gruppenkonzept zu entwickeln. „Eine Kollegin, die Ergotherapie studiert hat, hat mich dazu angehalten, das Konzept niederzuschreiben und mich maßgeblich in der Entwicklung unterstützt“, erzählt sie.

Kinder in ihrem Selbstbild stärken

Gemeinsam haben die beiden dann die Struktur für das Konzept „Ich bin stark!“ entwickelt – ein ergotherapeutisches Gruppenkonzept, das Kinderim Alter zwischen sechs und zwölf Jahren in einem positiven und stabilen Selbstbild stärkt. Das Konzept ist inhaltlich offen, hat aber einen klar strukturierten Rahmen. „In diesem Rahmen schaffen wir ein Handlungsfeld, in dem die Kinder ihre Kompetenzen positiv erleben können und dadurch Selbstwirksamkeit erfahren“, so die Therapeutin. „Durch gezielte Selbstreflexion und lösungsorientiertes Feedback entwickeln die Kinder ihre Ziele weiter und übertragen diese Fähigkeiten in den Alltag.“

Die Entwicklung des Konzepts habe fünf Jahre gedauert. Heute, gut sechs Jahre nach der Veröffentlichung, liegt Frau Hiebl in den letzten Zügen der Überarbeitung. Zusammen mit zwei Kolleginnen hat sie es an Vorschulkinder und Jugendliche angepasst.

Lernkompetenzen gezielt fördern

Auch das „Du+Ich“ ist aus der Praxis heraus und in Zusammenarbeit mit einer studierten Ergotherapeutin entstanden, einer ehemaligen Dozentin von Frau Hiebl. „Dabei handelt es sich um einen familienzentrierten, ergotherapeutischen Leitfaden zur Förderung der Lernkompetenzen“, berichtet sie. „Das Konzept beinhaltet vier Interventionsformen: Ein Elterncoaching, die handlungsorientierte Betätigungsbefähigung (Förderung von Fertigkeiten und Fähigkeiten), die Lernberatung, bei der Lern- und Lehrkompetenzen der Eltern gestärkt werden, und der Beziehungsarbeit mit Eltern und Kind zusammen.“ Auch dieses Konzept entstand in fünf Jahren Entwicklungszeit.

Kein Konzept ohne wissenschaftliche Begleitung

Beide Konzepte hat Frau Hiebl erst in ihrer eigenen Praxis, dann auch in anderen Praxen in Form von Pilotstudien erprobt. Sie war sehr froh, dabei studierte Kolleginnen (Bachelor und Master) an der Seite zu haben. „Durch diese Zusammenarbeit konnten wir von Beginn an den aktuellen Stand der Forschung in die Konzepte einarbeiten und sie wissenschaftlich begleiten“, berichtet die Ergotherapeutin. „Denn
wenn ich das Konzept in mein ergotherapeutisches Handeln integrieren möchte und auch will, dass es über die Krankenkassen abgerechnet werden kann, dann braucht es eine qualitativ hochwertige Forschung und
fundierte Grundlagen.“

Auch ohne Studium zum Erfolg

„Wer keinen Bachelor oder Master hat, kann beispielsweise an Hochschulen herantreten und die Idee vorstellen“, empfiehlt Frau Hiebl. „Dort gibt es viele Projekte, die Praxis und Wissenschaft zusammenbringen und die Entwicklung begleiten können.“ Auch Kongresse würden sich gut anbieten, um Kontakte mit Kollegen zu knüpfen, die im gleichen Fachgebiet unterwegs sind. Sehr geholfen habe ihr zudem die Mitgliedschaft im Berufsverband. Darüber sei sie immer an aktuelle Veröffentlichungen und Informationen gelangt, z.B. auch bezüglich der notwendigen Rahmenbedingungen zur Umsetzung. „Man muss das Rad nicht neu erfinden“, sagt Frau Hiebl. „Wichtig ist, etwas mit Mehrwert zu erschaffen.

Mehr:
www.ergotherapie-gilching.de
www.coaching-gesundheitsberufe.de

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