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Praxisorganisation in Corona-Zeiten: Teil 1 – Hygiene

So werden Sie den erhöhten Hygieneanforderungen gerecht
Inzwischen ist vermutlich jedem bewusst, dass es einen „normalen“ Alltag erst wieder geben kann, wenn ein Impfstoff oder ein Medikament gegen das Coronavirus vorhanden ist. Umso wichtiger ist es, sich so gut es geht mit der neuen Situation zu arrangieren und die Praxisorganisation an die neuen Anforderungen anzupassen. Von besonderer Bedeutung sind die gestiegenen Hygienemaßnahmen, die zum Schutz aller vor einer Ansteckung mit dem Virus konsequent umzusetzen sind. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese am besten in den Therapiealltag integrieren.
Praxisorganisation in Corona-Zeiten: Teil 1 - Hygiene
© iStock: Xsandra

Bisher vorliegende Erkenntnisse zur Epidemiologie zeigen, dass das Coronavirus insbesondere bei engem, ungeschütztem Körperkontakt via Tröpfcheninfektion übertragen wird. In der Heilmittelpraxis kommt hinzu, dass auch kontaminierte Oberflächen oder die Hände zu Überträgern der Viren werden können. Da sich Nähe und Körperkontakt in der Therapie nicht immer vermeiden lassen, ist es notwendig, besonders auf Hygieneregeln zu achten und diese noch lückenloser umzusetzen. So schützen sich Ihre Mitarbeiter, die Patienten und Sie sich selbst vor einer Ansteckung.

Basishygiene konsequent einhalten

  • Alle Therapeuten desinfizieren sich vor dem Betreten sowie vor dem Verlassen des Behandlungsraums die Hände. Wichtig dabei ist, dass Desinfektionsmittel ausreichend lange (entsprechend der Herstellerangaben) auf der Haut einwirken zu lassen.
  • Waschen Sie sich mehrmals täglich mindestens 30 Sekunden lang mit warmem Wasser und Seife die Hände – in jedem Fall vor Arbeitsbeginn, vor dem Essen, nach dem Toilettengang, bei stark verschmutzten Händen und am Arbeitsende. Achten Sie darauf, dass das Wasser nicht spritzt, da sich im entstehenden Aerosol befindliche Keime verbreiten können. Verwenden Sie zum Abtrocknen Einmalhandtücher.
  • Desinfizieren Sie nach der Therapie alle Geräte und Flächen, mit denen die Patienten direkten Kontakt hatten – von Bänken und Trainingsgeräten über Lichtschalter, Türklinken bis hin zu Bedienpanels. Verwenden Sie dafür nur Mittel mit dem Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“ (wirksam gegen behüllte Viren), dem erweiterten Wirkbereich „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ (mehr zu geeigneten Mitteln finden Sie im Kasten „Linktipps“).
  • Verwenden Sie anstelle von waschbaren Laken und Handtüchern Einmal-Produkte.
  • Lüften Sie nach jeder Behandlung fünf Minuten stoß, um die abgeatmete (und ggf. mit Viren kontaminierte) Luft gegen Frischluft auszutauschen.
  • Wer Erkältungssymptome hat, gehört nach Hause und nicht in die Praxis. Das gilt sowohl für Patienten als auch für Mitarbeiter. Setzen Sie diese Regelung konsequent und ohne Ausnahmen um.

Auffrischung der Hygieneschulung

Die aktuelle Situation kann es erforderlich machen, seine Mitarbeiter erneut für das Thema Hygiene zu sensibilisieren. Um hier nicht unnötig in Kontakt treten zu müssen, bieten sich Schulung via E-Learning, Webinar oder Videochat an.

Tragen von PSA

Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) soll zum einen die Therapeuten schützen. Zum anderen trägt sie aber auch dazu bei, dass sich Keime in Ihrer Praxis nicht so leicht verteilen oder auf andere Patienten übertragen werden.

  • Zur Standard-PSA eines Therapeuten gehört ein Mund-Nasen-Schutz, der immer dann getragen wird, wenn kein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann – so unter anderem die Empfehlung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Ein Mund-Nasen-Schutz dient vor allem dem Schutz anderer. Daher sollten ihn sowohl Patienten als auch Ihre Mitarbeiter tragen. Darüber hinaus weist die BGW darauf hin, „(…) dass bei allen therapeutischen Tätigkeiten im Kopf- bzw. Ausatembereich der Patienten aus präventiven Gründen die Verwendung einer höherwertigen Atemschutzmaske (FFP2 ohne Ausatemventil) dringend erforderlich ist.“
  • Gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, auch eine Schutzbrille zu tragen – etwa bei Atemtherapien und anderen gesichtsnahen Tätigkeiten.
  • Bei direktem Körperkontakt eignen sich Einmalschutzkittel oder Klinikkittel, die bei 90 Grad gewaschen werden.
  • Auch Handschuhe können ggf. zur benötigten Schutzausrichtung gehören.

Achtung: Sollten Sie an der Notfallversorgung von an Covid-19-Erkrankten beteiligt sein, gelten noch höhere Schutzstandards als im allgemeinen Praxisbetrieb. Generell ist bei der Behandlung abzuwägen, ob diese dringend notwendig ist, oder ob man sie aufschieben kann, bis der Patient auskuriert ist.

Hygienestandards in Mitarbeiterräumen

Die aktuell empfohlenen Hygienestandards gelten auch in Aufenthaltsräumen, Küchen, Toiletten und Umkleidekabinen, die nur von Mitarbeitern genutzt werden. Seien Sie also auch hier besonders gründlich bei der Reinigung und Desinfektion. Wer eine Geschirrspülmaschine in der Praxis hat, sollte diese bevorzugt einsetzen und bei mindestens 60 Grad laufen lassen. Gleiches gilt für Wäsche. Tipp: Ein konkreter Putzplan hilft bei der Einhaltung und Überprüfung der Maßnahmen.

Umgang mit Arbeitskleidung

Über die Arbeitskleidung können Bakterien und Viren verschleppt und mit nach Hause genommen werden. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die getragene Arbeitskleidung – und die Schuhe – vor Verlassen der Praxis zu wechseln und am besten auch direkt in der Praxis zu waschen. In der aktuellen Zeit ist Kleidung, die abgekocht werden kann (bspw. Klinik-Kassaks), zu bevorzugen. Ist das Waschen in der Praxis nicht möglich, muss dringend darauf geachtet werden, dass die Kleidung während des Transports nach Hause nicht mit anderen Flächen und Gegenständen in Kontakt kommt, um eine eventuelle Kontamination zu vermeiden.

Offene Wunden schützen

Selbst kleine Wunden können eine Eintrittspforte für Keime sein. Die ausgiebige Händehygiene fördert rissige Hände zusätzlich. Sollten Sie offene Hautstellen/Wunden haben, achten Sie besonders darauf, diese zu schützen – ggf. auch durch das Tragen von Einmalhandschuhen während der Behandlung. Manchmal reicht aber auch einfach das Abdecken mit einem Pflaster zusätzlich zur Händehygiene.

Hygieneregeln für Patienten kommunizieren

Damit die Patienten sich an Ihre Hygieneregeln halten können, ist es notwendig, Ihnen entsprechende Materialien zur Verfügung zu stellen.

  • Sorgen Sie dafür, dass immer Desinfektionsmittel im Eingangsbereich und auf den Patienten-WCs zur Verfügung steht.
  • Passen Sie die Frequenz der Kontrollintervalle entsprechend an und füllen Sie die Behälter bei Bedarf sofort nach.
  • Infotafeln und/oder -zettel im Eingangsbereich, die die neuen Hygienemaßnahmen bzw. das richtige Desinfizieren der Hände erklären, erleichtern den Patienten die Umsetzung zusätzlich.

Tipp: Wenn Sie wünschen, dass alle Patienten bei der Behandlung einen Mund-Nasen-Schutz tragen, ist es ratsam, einen kleinen Vorrat an Einweg-Masken für jene Patienten bereitzuhalten, die ihren Schutz vergessen haben bzw. für den Fall, dass dieser durchnässt oder heruntergefallen ist.

Hinweis: Passen Sie alle genannten Hinweise und Vorschläge an Ihre speziellen Gegebenheiten an. Aufgrund der aktuell rasanten Entwicklungen können bestimmte Maßnahmen in ein paar Tagen bis Wochen obsolet oder ggf. sogar verboten sein. Als Praxisinhaber liegt es in Ihrer Verantwortung, sich tagesaktuell auf dem Laufenden zu halten und entsprechende Entscheidungen zu treffen.

Weiterführende Links:

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