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Schienenbaukoffer

Robert Hesse legt großen Wert auf individuelle Therapiemöglichkeiten
Mein persönlicher Favorit ist das thermoplastische Schienenmaterial, da es die Grundlage für die Erstellung einer ergotherapeutischen Schiene ist. Für mich als Ergotherapeut in einer Praxis für Handtherapie darf mein Schienenbaukoffer also nicht fehlen.
Schienenbaukoffer
© Robert Hesse

Worum geht es?

Die Anpassung von Hilfsmitteln ist fester Bestandteil in der Ergotherapie. Dazu gehören auch ergotherapeutische Schienen.

Wie sieht das Therapiematerial aus?

Es besteht aus Kunststoff, der sich bei einer Erwärmung ab 50 Grad Celsius verformen lässt. Es gibt unzählige Variationen hinsichtlich der Farbe, Stärke und Perforationen. Manche sind klebrig, andere gehen nach wiederholter Erwärmung in den Ursprungszustand zurück.

Durch die äußerst vielfältigen Materialeigenschaften bin ich als Ergotherapeut stets herausgefordert, denn im Grunde kann ich mit einem Material alle denkbaren Schienen anfertigen. Doch gleichzeitig unterliegt die Materialauswahl dem eigenen handwerklichen Geschick und dem Beschwerdebild des Patienten. Standardisierte Behandlungskonzepte unterstützen mit guten Leitfäden, sie erleichtern die Anfertigung der Schiene und die nachfolgende Behandlung.

Die Arbeitsplatzgestaltung und -ausstattung spielen beim Erstellen von Schienen eine Rolle: Wasserbäder, Heißluftfön und Feuerzeug erwärmen das Material flächig oder punktuell. Diverse Scheren von klein bis groß, gerade oder gebogen, erleichtern den Zuschnitt. Sie bilden die Basis beim Schienenbau, da das thermoplastische Material einerseits erwärmt, andererseits auf Maß zugeschnitten werden muss. Den Abschluss bilden in der Regel Klettbänder. Sie dienen der Fixierung. Weitere Spielräume für dynamische Schienen werden durch Metallfedern, Gummibänder, Drähte oder Haken eröffnet.

Wie setzen Sie das Material in Ihrer Arbeit ein?

Diese Aufgabe ist eine große Verantwortung, da zum Beispiel Patienten mit komplexen Knochenbrüchen, Sehnenabrissen, Verbrennungen, neurologischen Beschwerden oder Verletzungen durch die Schienen versorgt werden. Hinzu kommen Indikationen wie Belastungssyndrome der Muskulatur, etwa Tendovaginitis und Epikondylitis. Die Eigenschaften des Materials lassen eine hochwertige Anpassung an ebenjene Beschwerdebilder in anatomischer und funktioneller Perfektion zu, was vorgefertigte Standardschienen nicht leisten können. Nach einer Operation werden in der Erstversorgung großzügige Gipsschalen und Verbände angelegt, die durch leichte thermoplastische Schienen abgelöst werden, um beispielsweise eine unnötige Immobilisation von Gelenken zu vermeiden.

Auch Griffverdickungen, Übungsschienen und andere Therapieutensilien können leicht angefertigt werden. Das verkürzt die Behandlungszeiten, und die Patienten können hoffentlich wieder uneingeschränkter am Alltag teilhaben.

Warum ist es Ihr persönlicher Favorit?

Meine persönliche Erfahrung hat gezeigt, dass ich primär durch das thermoplastische Material in der Lage bin, eine hohe Qualität der Versorgung zu gewährleisten. Außerdem kann ich individuelle Anpassungen vornehmen und spezifisch auf die Beschwerdebilder eingehen. Die „Schachtelorthopädie“ hat ihre Grenzen, und in Sachen Passgenauigkeit und Funktionalität besteht ein großer Vorteil in der individuellen Anpassung von ergotherapeutischen Schienen nach Maß. Denn Übungen und Bewegungen können damit ebenso forciert werden wie alltägliche Abläufe.

Robert Hesse | Ergotherapeut B. Sc., Königstein am Taunus

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