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Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband

Lebenseinschränkungen mit Hilfe meistern
Das Sehen spielt eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung der Umwelt. Etwa 85 Prozent der sinnlich wahrgenommenen Informationen werden visuell erfasst. In Deutschland sind rund 1,2 Millionen Menschen blind oder sehbehindert. Letztere verfügen selbst mit Brille oder Kontaktlinsen über nicht mehr als 30 Prozent des normalen Sehvermögens, blinde Menschen über maximal zwei Prozent. Sehbehinderungen und Blindheit treten vermehrt mit zunehmendem Alter auf, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. In Deutschland sind vor allem drei Augenkrankheiten die Ursache: die altersabhängige Makula-Degeneration (AMD), das Glaukom (Grüner Star) und die diabetische Retinopathie. Sehverlust oder ein eingeschränkter Sehsinn wirken sich nicht nur auf die Mobilität, die Kommunikation und den Zugang zu Informationen aus. Sie beeinträchtigen die alltägliche und gesellschaftliche Teilhabe, was in nahezu allen Lebensbereichen spürbar ist. Die Auswirkungen auf die Lebensqualität können gravierend sein. Betroffene sind oft weniger sozial integriert und haben einen niedrigeren sozioökonomischen Status. Depressionen sind keine Seltenheit.
Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband
© megaflopp

Im Mittelpunkt steht immer der Mensch

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) ist ein Zusammenschluss der Selbsthilfevereine des Blinden- und Sehbehindertenwesens in Deutschland. Sein Ursprung geht auf den 1912 gegründeten Reichsdeutschen Blindenverband zurück. Er unterstützt diejenigen, die von einem Sehverlust betroffen oder bedroht sind und setzt sich für Rehabilitation ein, damit blinde und sehbehinderte Menschen die Chance auf ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben haben. Dabei gibt es kaum einen Bereich, in dem der DBSV nicht aktiv daran arbeitet, die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern. Er mischt sich in politische Prozesse ein, arbeitet in Gremien mit und informiert die Öffentlichkeit.

Die Landesvereine des DBSV vertreten die Interessen der blinden und sehbehinderten Menschen auf Länderebene. Die Beratung und Betreuung erfolgen anhand der länderspezifischen Gesetze und Gegebenheiten.

 

Solidarität, Beratung, Interessenvertretung

Der DBSV beantwortet Fragen zu Augenkrankheiten und unterstützt Betroffene bei der Suche nach passenden Reha-Angeboten sowie geeigneten Hilfsmitteln für Beruf und Alltag. Interessierte finden auf der DBSV-Webseite per Postleitzahlensuche eine Beratungsstelle in ihrer Umgebung.

Der Verband informiert zu Ausbildungsmöglichkeiten und geeigneten Berufen, unter anderem mit dem lesenswerten Bericht eines blinden Physiotherapeuten. Hinweise und Erfahrungsberichte zum Thema Sport, etwa zu Blindenfußball, Klettern und Wandern, zeigen, dass ein aktives Leben auch ohne Sehvermögen möglich ist. Dasselbe gilt für Urlaubsreisen, die Tipps zum Reisen helfen dabei. Alltagstricks von Betroffenen erleichtern alltägliche Herausforderungen. Dazu gehören Kochrezepte, Tipps zu Wohnungsputz, Uhrzeitlesen, Telefonieren, Einkaufen und Zahlungen mit Bargeld. Die Tipps zur Computernutzung helfen beim Umgang mit Laptop, Tablet und Smartphone.

Der DBSV steht außerdem Angehörigen beratend zur Seite, so finden Eltern blinder Kinder in einer Übersicht regionale Ansprechpartner. Für Betroffene mit psychischen Problemen oder einer psychischen Erkrankung hat der Verband eine Liste mit Psychotherapeuten zusammengestellt, die Erfahrungen in der Beratung und Therapie von blinden und sehbehinderten Menschen haben. Außerdem unterstützt der DBSV in Rechtsangelegenheiten.

Und dann wären da noch…

Ein Corona-Ratgeber, das DBSV-Infotelefon unter 030 – 255 580 808 und jede Menge Publikationen: Broschüren stehen als barrierefreie PDF-Dateien zur Verfügung. Daneben gibt es Zeitschriften, Bücher, die „Tagesnachrichten für taubblinde Menschen“, einen Podcast und die frei zugängliche Online-Informationsplattform „DBSV-Inform“. An junge Leute richten sich der DBSV-Jugendclub und das Forum Offsight.

Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine

Mit der Ukraine-Nothilfe unterstützt der DBSV blinde und sehbehinderte Geflüchtete und ihre Familien mit Transport, Unterbringung, Verpflegung, Erstausstattung und Betreuung.

Woche des Sehens und Tag des weißen Stocks im Oktober

Seit 2002 macht die Woche des Sehens, eine bundesweite Kampagne, jährlich auf die Bedeutung eines guten Sehvermögens, die Ursachen vermeidbarer Blindheit und die Situation Betroffener aufmerksam. In Deutschland endet sie am 15. Oktober mit dem internationalen Tag des weißen Stocks. Dieser geht auf eine symbolische Geste zurück: Nach einer Resolution des Kongresses übergab der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Lyndon B. Johnson, am 15. Oktober 1964 weiße Langstöcke an blinde und sehbehinderte Menschen, um ihren Wunsch nach mehr Selbstständigkeit zu unterstützen.

Quelle: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV)

Tipps für den Umgang mit sehbehinderten oder blinden Patienten

  • Bieten Sie dem Patienten Ihre Hilfe an. Geleiten Sie ihn in Ihre Praxis, machen Sie ihn dabei zum Beispiel auf Stufen aufmerksam.
  • Belassen Sie Gegenstände und Möbel möglichst an ihren Plätzen. Wandernde Gegenstände sind Stolperfallen. Schieben Sie Hocker usw. an die Wand.
  • Vermeiden Sie Verletzungsgefahren: Lassen Sie Türen nicht halboffen und schließen Sie Schranktüren.
  • Stellen Sie keine Taschen, Pakete oder andere Hindernisse in den Weg, auch nicht für kurze Zeit.
  • Schreiben Sie wichtige Notizen, Telefonnummern und Termine mit einem dicken schwarzen Filzstift so groß, dass sie der Patient lesen kann.
  • Viele sehbehinderte Menschen sind blendempfindlich, Jalousien können helfen.
  • Unterstützen Sie selbstständige Aktivitäten, auch wenn manches länger dauert oder mühsam erscheint.
Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV)

Rungestraße 19

10179 Berlin

Telefon 030 285 387-0

www.dbsv.org

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