up|unternehmen praxis

Therapie-Sternstunde

Pilates – der Geist, der den Körper baut І Eine Therapie-Sternstunde von Martina Heuel І Physiotherapeutin
Meine Sternstunde fand auf Djerba unter blauem Himmel statt und hatte erstmal gar nichts mit Physiotherapie zu tun. Im Jahr 2000 hörte und las ich immer mehr über eine Methode, die ein Deutscher entwickelt hat: Pilates, benannt nach Joseph Hubertus Pilates aus Mönchengladbach. Ich kaufte mir ein erstes Pilates-Buch, um es einmal auszuprobieren. Und ich kann mich noch genau an eine Übung erinnern, die einfach und interessant aussah. Nur bekam ich sie leider überhaupt nicht hin, obwohl ich regelmäßig Sport trieb.
Therapie-Sternstunde
© Martina Heuel

Neugierig wollte ich mehr erfahren

Ich buchte eine Fitness-Reise, bei der Pilates auf dem Programm stand. Meine erste Pilates-Stunde war früh am Morgen auf einer Matte, die auf einem Betonboden unter freiem Himmel in praller Sonne lag. Nicht die besten Bedingungen, doch das spielte bereits nach fünf Minuten keine Rolle mehr. Denn das präzise Arbeiten nahm mich so gefangen, dass ich alles um mich herum vergaß. Die bewegte Meditation hinterließ eine innere Stärke, wie ich sie bis dahin nicht kannte. Meine Begeisterung war entfacht.

Präzises Arbeiten – die Domäne der Physiotherapie

Dieses Erlebnis, mich nach einer Stunde bereits so viel besser zu fühlen, motivierte mich, Pilates in meine Therapie zu integrieren.

Und das geht richtig gut, denn Präzision, Atmung, Zentrierung und die Artikulation der Gelenke sowie der Wirbelsäule sind Pilates-Prinzipien, die sich mit einer funktionellen Physiotherapie decken. Außerdem verbessert Pilates die Körperwahrnehmung. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn durch das Fühlen und gedankliche Begleiten jeder Übung fällt den Patienten das eigenständige Üben deutlich leichter – ein Gewinn für die Effizienz.

Seit vielen Jahren biete ich nun Pilates in der Therapie und als Kurs an. Und immer wieder freue ich mich über die begeisterten Aussagen meiner Teilnehmer, Pilates nicht mehr missen zu wollen.

„Dann mache ich einfach wieder öfter Pilates…“

Erst vor Kurzem hat mich die Behandlung einer jungen Patientin darin bestätigt, dass Pilates einen hohen Stellenwert in der Therapie hat. Diese Patientin hatte während der Geburt ihres Kindes einen massiven Prolaps lumbal mit radikulärer Symptomatik erlitten. Dauerschmerzen in allen Positionen erschwerten ihren Alltag. Die Behandlung laut Leitlinien empfiehlt zu 50 Prozent eine Operation. Da sie unbedingt ihr Kind stillen wollte, entschied sie sich für den konservativen Weg mit mir. Die Behandlung beinhaltete passive Methoden und Pilates im aktiven Bereich. Die Patientin war sehr gewissenhaft in der Ausführung ihres Trainings. Sie führte ihre Übungen jeden Tag durch, sodass sich erste dauerhafte Verbesserungen nach zwei Monaten einstellten. Nach sechs Monaten konnte sie ihren Alltag schmerzfrei verbringen, nach neun Monaten krabbelte sie mit ihrem Sohn auf dem Boden. Der größte Gewinn aus der Sicht der Patientin: Sie weiß nun, dass sie sich immer mit Pilates helfen kann. Ihr neues Körperbewusstsein gibt ihr die Gewissheit, sich in jeder Situation auf ihren Körper verlassen zu können. Und sollte es mal zwicken, „dann mache ich einfach wieder öfter Pilates“. Sie verabschiedete sich mit dem Satz: „Ich bin so froh, Sie und „Herrn Pilates“ kennen gelernt zu haben. Sie haben mir sehr geholfen, einen normalen Start mit meinem Sohn zu haben. Danke!“

0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all Kommentare
0
Wir würden gerne erfahren, was Sie meinen. Schreiben Sie einen Kommentar.x