Ausgabe up 03-2017 | Rubrik Politik

Modellversuch: Zufriedene Patienten in Brandenburg und Berlin

vom: 24.02.2017
Diagnose durch Chiropraktiker/Physiotherapeuten

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Bevor demnächst im Rahmen des HHVG bundesweit Modellversuche zur Blankoverordnung starten, können die Verantwortlichen auf ein bereits abgeschlossenes Projekt blicken.

In Brandenburg und Berlin haben der Verband für Physikalische Therapie (VPT) und die örtliche IKK BB zwischen 2011 und Juni 2016 ein Modellvorhaben zu Blankoverordnungen in der Physiotherapie durchgeführt. Die endgültige Auswertung beginnt nach Angaben des VPT im ersten Quartal 2017. Doch Zwischenergebnisse und bisherige Auswertungen zeigen bereits positive Ergebnisse.

Im Juli 2016 äußerte sich die Projektverantwortliche der IKK BB, Angelika Günsel, in einem Schreiben auf der Website des VPT: „Insgesamt kann man von einem positiven Effekt des Modellversuchs bezogen auf Patientenzufriedenheit und tendenziellen Befürwortung der ‚Blankoverordnung‘ aus Patientensicht ausgehen.“ Der Modellversuch habe außerdem „gezeigt, dass Physiotherapeuten sich die Befundung, Dokumentation und Heilmittelauswahl zutrauen und zudem bereit sind, trotz eines vorerst höheren Zeitaufwands aktiv bei der Weiterentwicklung ihres Berufs- und Tätigkeitsfeldes mitzuwirken.“

Zwischenstand: weniger Schmerzen, zufriedenere Patienten/h4>

Die Alice-Solomon Hochschule begleitet den Versuch wissenschaftlich und erhob einen Zwischenstand, über den Studienleiterin Prof. Jutta Räbiger im März 2016 im Mitgliedermagazin und auf der Website des VPT berichtete. Darin befragten die Studienleiter Patienten aus zwei Gruppen zu ihren Schmerzen und ihrer Zufriedenheit. Eine Gruppe war bei Therapeuten in Behandlung, die Blankoverordnungen erhielten. Die andere durchlief den herkömmlichen Weg einer vollen Verordnung durch den Arzt.

Das Ergebnis der Befragung war eindeutig: Die Blankoverordnungs-Gruppe schnitt in allen Punkten besser ab. Die Patienten gaben an, weniger Schmerzen zu haben, fühlten sich besser aufgeklärt, mehr in die Therapieplanung einbezogen, ernstgenommen und waren insgesamt wesentlich zufriedener mit ihrer Therapie. Die mit Blankorezept arbeitenden Therapeuten kombinierten außerdem mehr Therapierarten als die Kontrollgruppe, die sich streng an die Vorgaben des Heilmittelkatalogs halten musste.

IKK führt Befundsposition ein

Völlig offen sei, schreibt Räbiger, „wie die physiotherapeutischen Leistungen im Fall der Blankoverordnung angemessen zu vergüten wären“. Allerdings habe die IKK im Zuge des Modellversuchs als ersten Schritt eine Befundposition eingeführt. Das bedeutet, dass Therapeuten in Zukunft die Möglichkeit hätten, die Befunderhebung mit der IKK abzurechnen. Das wäre vor allem für einen späteren Direktzugang wichtig – damit Therapeuten nicht leer dastünden, wenn sie nach der Untersuchung feststellen, dass ein Patient gar keine Therapie benötigt.

Fragestellungen, vorläufig beantwortet

Der VPT zeigte im März 2016 auch die zentralen Fragestellungen des Modellprojekts auf – denen sich nun, mit Hilfe der Zwischenergebnisse, vorläufige Antworten anschließen:

  • Wenden Therapeuten bei Blankoverordnungen andere Therapien an? Ja, sie scheinen häufiger verschiedene Therapien zu mischen.
  • Weichen Häufigkeit und Dauer der Behandlungen ab? Dazu haben wir noch keine Angaben gefunden.
  • Ist der Behandlungserfolg größer, ist die Patientenzufriedenheit höher? Ja und ja.
  • Geht die Blankoverordnung mit einer wirtschaftlicheren Versorgung einher? Dazu liegen noch keine Zahlen vor. Doch IKK-Vertreterin Günsel weist in ihrem Schreiben darauf hin, dass die Therapiekosten in anderen Ländern durch einen Direktzugang tendenziell gesunken sind – und das Blankorezept sehen viele als Vorstufe des Direktzugangs.

Zwischenergebnisse des Modellvorhabens zur Balnkoverordnung in Brandenburg und Berlin

Zwischenergebnisse des Modellvorhabens zur Blankoverordnung in Brandenburg und Berlin.

Bildnachweis: Jutta Räbiger

Bildnachweis: iStock: KatarzynaBialasiewicz

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