Ausgabe up 03-2017 | Rubrik Politik

Physiotherapeuten können sich jetzt auch „weiterbilden“ lassen

vom: 24.02.2017

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Manchmal bewirken winzige Änderungen in Gesetzestexten große Veränderungen in der Welt. So hat sich in das Gesetzgebungsverfahren zum HHVG der Begriff „Weiterbildung“ eingeschlichen. Das könnte überraschende Folgen für alle Beteiligten haben.

In Zukunft sollen die Rahmenempfehlungen zwischen den Physiotherapeuten und Krankenkassen nicht mehr nur die Fortbildung regeln, sondern die „Fort- und Weiterbildung“. Damit kommt der Begriff „Weiterbildung“ in der Heilmittelbranche an, was interessante Perspektiven eröffnen könnte.
In der Gesetzesbegründung heißt es dazu: „Durch die Ergänzung wird bestimmt, dass die Einzelheit der erforderlichen Weiterbildung in den Verträgen zwischen den Krankenkassen mit den Leistungserbringern zu regeln sind. […] Hierdurch wird eine verbindliche bundesweite Anwendung der Vorgaben sichergestellt.“

Der Gesetzgeber differenziert bewusst zwischen Fort- und Weiterbildung mit „dem Ziel der Qualitätssicherung im Heilmittelbereich.“ Als „Weiterbildung“ sieht er die sogenannten „besonderen Maßnahmen“ der Physiotherapie an, also zum Beispiel die Ausbildung in Lymphdrainage und Manuellen Therapie. Alle Zertifikatsleistungen der Physiotherapeuten mutieren mit dieser Gesetzänderung nun offiziell zu Weiterbildungen.

Ärzte unterscheiden klar zwischen Fort- und Weiterbildung

Wer sich jetzt fragt, was eigentlich der Unterschied zwischen Fort- und Weiterbildung ist, der findet außerhalb des Gesundheitswesens dazu keine wirklich gute Unterscheidung. Im Gesundheitswesen sieht das ganz anders aus: Die Ärzte haben den Unterschied zwischen Fort- und Weiterbildung sehr sauber herausgearbeitet (siehe Boxen). Eine Fortbildung stellt lediglich die „kontinuierliche Verbesserung“ ihrer Arbeit sicher. Weiterbildung dienen dazu, sich neue Fähigkeiten anzueignen und anschließend auch formal eine Facharzt- oder Schwerpunktbezeichnung im Praxisschild führen zu dürfen.
Nun müssten also auch Physiotherapeuten ihr Zertifikat als ergänzende Bezeichnung auf dem Praxisschild führen dürfen – vorausgesetzt, ein Therapeut der Praxis verfügt über die entsprechende Weiterbildung.

Ärzte zahlen nur Fortbildungen selbst

Ein Blick auf die ärztliche Weiterbildungsordnung zeigt, dass sich Fort- und Weiterbildung auch in Sachen Finanzierung unterscheiden. Während die Fortbildung von jedem Arzt „selbstbestimmt“ und selbstfinanziert wird, findet eine ärztliche Weiterbildung „in angemessen vergüteter hauptberuflicher Ausübung der ärztlichen Tätigkeit“ statt. So bilden sich Ärzte zum Beispiel zum Facharzt für Orthopädie weiter, während sie an einer orthopädischen Klinik arbeiten.

Das müsste sich auch auf die Physiotherapie übertragen lassen. Könnten sie zukünftig ihre Weiterbildung während der laufenden Berufstätigkeit erarbeiten, wäre es nur angebracht, dass das Gesundheitssystem dafür aufkommt. Das eröffnet vollkommen neue Perspektiven auf die Vergütungsverhandlungen mit den Krankenkassen – erfordert aber auch ein völlig neues Weiterbildungs-System, in dem Physiotherapeuten zum Beispiel direkt nach ihrer Ausbildung in Praxisstationen Zertifikate erwerben. Es wäre nur folgerichtig, wenn dann zum Beispiel Therapiepraxen mit Manualtherapeuten Auszubildende in Manueller Therapie weiterbilden und sich die Kosten dafür von der Kasse zurückholen könnten.

Bildnachweis: iStock: cottidie

Symbolbild Weiterbildung
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