Ausgabe up 05-2017 | Rubrik Politik

Therapeutenkammer-Initiativen vernetzen sich: bundesweites Treffen in Hannover

vom: 13.04.2017

Am 1. April 2017 fand in Hannover das erste bundesweite Treffen der Arbeitsgemeinschaft (AG) Therapeutenkammer statt. 50 interessierte Therapeuten aus elf Bundesländern nahmen daran teil. Die Therapeuten konnten sich auf dem Treffen austauschen und sich darüber informieren, wie sie eine Initiative in ihrem eigenen Bundesland anstoßen können.

Berufsrechtliche Kammern gründen sich auf Landesebene. So lautet die Regel. Dementsprechend wichtig ist es für die Verkammerung, dass Initiativen in vielen Bundesländern aktiv werden – und dass sie sich auf Treffen wie dem am 1. April in Hannover vernetzen.

„Als wir in Hannover fragten, wer etwas zur Kammer weiß, meldeten sich nur drei von 50“, berichtet Lita Herzig, die die bundesweite Vernetzung der Kammerinitiativen koordiniert. „Wir haben das Treffen also auch als Informationsveranstaltung genutzt.“ Herzig ist Physiotherapeutin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Fulda.

Die Veranstaltung eröffnete Marlies Pantaleo, die das Treffen initiiert hat. Sie las ein Grußwort der Bundestagsabgeordneten Ute Bertram (CDU). Daraufhin sprach Monika Skibicki, Präsidentin der neu gegründeten Pflegekammer Niedersachsen. Beide befürworten die Gründung von Therapeutenkammern. Danach berichtete Swanhild Priestley, die die Kammerinitiative in Schleswig-Holstein leitet, von ihrer Infotour: Die Physiotherapeutin hatte in 14 Städten in ihrem Bundesland über die Kammergründung aufgeklärt (wir berichteten in up 01-2017). Sie referierte zudem über Kammern und deren Bedeutung im Gesundheitssystem und regte Diskussionen zu den Unterschieden zwischen Kammern und Berufsverbänden an.

Therapeuten lernen, andere zu überzeugen

Am Nachmittag sprachen die Therapeuten in Workshops unter anderem darüber, wie sie in ihren Bundesländern selbst Stammtische und Informationsveranstaltungen organisieren können. In den meisten Ländern gibt es noch keine entsprechenden Initiativen. „Viele konnten sich mit Leuten aus ihrem Bundesland zusammensetzen und haben schon einmal Gesichter im Kopf. Das hilft oft sehr dabei, später zu telefonieren und sich zu organisieren“, so Herzig.

Von Referentenschulungen und Fördervereinen

Die Therapeuten entwickelten vor Ort auch bereits erste Konzepte, wünschten sich aber, noch mehr darüber zu lernen, wie sie an andere Therapeuten herantreten. Deswegen bietet unter anderem Swanhild Priestley nun Referentenschulungen an. „Es geht dabei einerseits um die Vertiefung und Vermittlung des eigenen Basiswissen, um den Umgang mit kritischen Fragen, aber auch um Dinge wie: Kontaktiert die Menschen mit Flyern und persönlich, E-Mails bringen oft keine Rückmeldung ein“, erklärt Herzig, die selbst Kurse in Hamburg organisieren möchte.

Ein weiterer Workshop behandelte die Gründung von Fördervereinen. Nur ein solcher Verein kann in seinem jeweiligen Bundesland an die Landespolitik herantreten und um die Einrichtung einer Kammer bitten. Eine Gesetzesänderung würde dann die Therapeutenkammer im Bundesland möglich machen. Daraufhin könnte der Förderverein beginnen, die Kammer aufzubauen.

Regionale Initiativen vernetzen

Die Teilnehmer tauschten sich ebenfalls darüber aus, wie sie die Initiativen in ganz Deutschland koordinieren können. Zu diesem Zweck sollen von nun an zweimal jährlich bundesweite Treffen stattfinden.  „Es hilft und motiviert, sich zwischendurch persönlich zu sehen. Wir bekommen dadurch auch einen Überblick: Wie weit sind die anderen, wer braucht noch Hilfe?“, so Herzig. Die Teilnehmer des Treffens beschlossen außerdem, einen Verein mit dem Namen „Bundestherapeutenkammer“ zu gründen, der als Dachorganisation dienen soll.

Berufsverbände müssen mit ins Boot

Besonders kontrovers diskutiert wurde das Thema Berufsverbände. „Viele sind von ihren Verbänden enttäuscht. Es gab einige Teilnehmer, die gar nicht mit den Verbänden reden möchten“, berichtet Herzig. „Aber natürlich müssen wir die Verbände einbinden und gut mit ihnen zusammenarbeiten.“ Herzig mahnt die Therapeuten auch zu mehr Engagement an: „Viele beschweren sich über die Verbände, bringen sich aber selbst nicht ein. Jeder kann versuchen, Verbandsarbeit mitzugestalten oder die Branche zumindest mit einem Mitgliedsbeitrag unterstützen.“

Einen solchen Tatendrang vermisste Herzig auf dem Treffen allerdings nicht. Die Stimmung dort sei bereits sehr gut und geschäftig gewesen. „Am Ende wollten viele sich gar nicht mehr trennen, es gab so viel zu besprechen“, sagt sie.


Initiative zur Therapeutenkammer: Was bisher geschah

  • Juni 2015: Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Therapeutenkammer gründet sich auf der ersten Open-Space-Ideenkonferenz für Therapieberufe in Neumünster, Schleswig-Holstein.
  • Dezember 2015: therapeutenkammer.de geht online. Die Website informiert darüber, was eine Kammer macht und wie sie entsteht und soll helfen, die Initiativen der Bundesländer zu vernetzen.
  • Juli 2016: Marlis Pantaleo aus Niedersachsen nimmt Kontakt zur Initiative auf, zum ersten Mal treffen sich AG-Mitglieder aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg.
  • Oktober 2016 bis Februar 2017: Die AG Therapeutenkammer Schleswig-Holstein veranstaltet unter der Leitung von Swanhild Priestley Informationsabende zum Thema Therapeutenkammer in 14 Städten.
  • Januar und Februar 2017: Die Initiative Therapeutenkammer startet eine deutschlandweite Flyer- und Plakataktion. Das Infomaterial geht an Mitglieder der AGs heraus, aber auch an Ansprechpartner aus unterschiedlichen Bundesländern, die sie dort verteilen
  • April 2017: In Hannover findet das erste bundesweite Treffen auf Initiative von Marlis Pantaleo statt.
  • Ausblick: Das nächste bundesweite Kammertreffen ist für den 9. September 2017 geplant. Bis dahin werden sich die Therapeuten in Referentenschulungen weiterbilden, sich in den Bundesländern vernetzen und eigene Arbeitsgemeinschaften gründen.
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