Ausgabe up 07-2016 | Rubrik Politik

Gefährliche Blankoverordnung? Ärztetag argumentiert weit ab von allen Fakten

vom: 01.06.2017

Ein Kommentar von Ralf Buchner

Natürlich hat der Ärztetag das Recht, vor den Gefahren des Direktzugangs und der Blankoverordnung zu warnen. Allerdings ist es nicht zu viel verlangt, solche Warnungen angemessen mit Belegen zu begründen. Das klappt bei der Entschließung des Ärztetages überhaupt nicht.

Wer die Behauptung aufstellt, die „Übertragung der Entscheidung über Methode und Häufigkeit/Frequenz von Heilmittelanwendungen“ sei „kontraproduktiv“ und „potenziell gefährlich“, der muss dafür belegbare Argumente vorbringen. Das fehlt bei diesem Beschluss – vielleicht auch deswegen, weil es für diese potentielle Gefährdung überhaupt keine Belege gibt?

In der Realität beraten Therapeuten die Ärzte zu Verordnungen

Jeden Tag wird in tausenden von Arztpraxen eine Heilmitteltherapie nicht oder nicht mehr verordnet, weil „das Budget nicht reicht“. Jeden Tag dokumentieren Ärzte durch ungültige Verordnungen, dass sie sich mit den Details der Heilmittel-Richtlinien nicht auskennen. Ist das gemeint, wenn es im Beschlusse des Ärztetags heißt, dass die Indikation zur Heilmitteltherapie auf „ärztlichen Wissen zu Diagnosen und Verlauf“ beruhen würden?

Gleichzeitig rufen jeden Tag Ärzte in Heilmittel-Praxen an, um zu fragen, was sie denn sinnvollerweise diesem oder jenen Patienten verordnen sollen. Gefährden diese Ärzte ihre Patienten, weil sie dem Fachwissen und der Erfahrung der Therapeuten vertrauen?

Der Entschluss des Ärztetags folgt dem Vorbild des Wortes des Jahres 2016, „postfaktisch“: Wer „gefühlte Wahrheiten“ ausspricht, braucht sie nachher nicht mit Fakten zu belegen.

Gefahrensymbol, Warnung, Giftig
Themen: Thema Berufspolitik, Thema Politik
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  • Lieber Herr Buchner,
    danke für die realistische Stellungnahme, die Aussage vom Ärztetag klingt nämlich wie eine rein emotionale Revierverteidigung.
    Liebe Grüße
    Fritz Lang

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