Ausgabe up 12-2017 | Rubrik Politik

Kräftemessen mit den Kassen: Besser an einem Strang ziehen

vom: 28.11.2017

Erste Erfolge bei der GKV-Honorarentwicklung sind zu sehen, aber die Preislandschaft ist immer noch unübersichtlich und uneinheitlich. Die Verbände haben es in den Verhandlungen nicht leicht – was an strukturellen Problemen in der Branche liegt. Ein Kommentar.

Die Verhandlungen mit den Krankenkassen sind nicht leicht. Sie haben nach wie vor etwas von David gegen Goliath. Die GKVen sind teilweise riesige Konzerne, die aus den Töpfen der Kassenbeiträge schöpfen, viel Personal haben, auf zahlreiche Daten zugreifen können und über ganz Deutschland hinweg gut vernetzt sind, sei es im GKV-Spitzenverband, in ihren Bundesverbänden oder weil sie ohnehin bundesweit aufgestellt ist. Diese Kassen haben das Ziel, die Kosten niedrig zu halten, und so bleiben zum Beispiel ungerechte Preisunterschiede wie die zwischen Ost und West bestehen.

Die Verbände der Therapeuten auf der anderen Seite haben eher begrenzte Mittel. Nur rund ein Drittel der Heilmittelerbringer ist in ihnen organisiert. Dadurch fehlen den Verbänden wegen der relativ wenigen Beitragszahler nicht nur finanzielle Mittel, sie haben auch nicht auf alle Therapeuten Zugriff. Es gibt kein Therapeuten-Register, es ist praktisch unmöglich, all jene zu erreichen, zu befragen und zu beteiligen, die nicht in den Verbänden Mitglied sind. Das liegt also nicht etwa am fehlenden Willen der Verbände, sondern daran, dass den Verbänden schlichtweg die Kontaktdaten fehlen.

Dazu kommt die Konkurrenzsituation zwischen den Verbänden: Anstatt zum Wohl der Branche konsequent zusammenzuarbeiten, gibt es leider immer mal wieder Rangeleien und persönliche Animositäten, die trotz aller Beteuerung der Verbandsvorstände zu unterschiedlichen Zielsetzungen und Verhandlungsstrategien führen.

Es fehlt die öffentlich-rechtliche Selbstverwaltung

Dahinter steckt ein strukturelles Problem: Es fehlt eine Selbstverwaltungsstruktur, die es erlaubt und die einen gewissen Druck erzeugen kann, sich gemeinsam abzustimmen und zielgerichtet zu arbeiten. Es fehlt ein verbindlicher Rahmen für die eigenverantwortliche Organisation der Therapeuten, nennen wir das der Einfachheit halber „Therapeutenkammer“. Könnten/müssten sich die Verbände innerhalb der öffentlich-rechtlichen Struktur einer Kammer abstimmen und organisieren, könnten sie deutlich einfacher bundesweite Verhandlungen vorbereiten und zum Erfolg führen. Diese Kammer hätte über die Pflichtmitgliedschaft aller Therapeuten mehr Ressourcen, könnte Urabstimmungen über Verhandlungsziele organisieren etc.
Bis es endlich eine solche Selbstverwaltung gibt, können Therapeuten nur eins tun: Genau darauf achten, welche Interessen die verschiedenen Verbände verfolgen, und dort Mitglied werden, wo die Interessen der gesamten Branche wichtiger sind als Eigeninteressen.


Hier gelangen Sie zu allen Artikeln unseres Schwerpunktthemas:

Teil 1: 9 Monate verhandeln mit dem HHVG

Teil 2: Verhandeln mit klaren Zielen und gemeinsamen Strategien + 10 Gründe, warum die GKV-Honorare um mindestens 73,5 Prozent steigen müssen

Teil 3: Kommentar: Kräftemessen mit den Kassen: Besser an einem Strang ziehen

Teil 4: Interview mit BKK NordWest: „Verbandslose Therapeuten müssen sich für eine Preisliste entscheiden“


Bildnachweis: iStock, Maxiphoto

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