Ausgabe up 12-2017 | Rubrik Politik

Tarifvertrag für die Uniklinik: Gibt es bald Geld für Therapie-Azubis?

vom: 27.11.2017

Auszubildende an der Universitätsklinik in Essen haben zusammen mit der Gewerkschaft ver.di bundesweite Tarifverhandlungen angestoßen. Bald könnten betrieblich-schulische Azubis an einigen Unikliniken eine Vergütung erhalten – das betrifft unter anderem Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und Diätassistenten.

Für Nina Rüter war nach dem Abitur eines klar: Sie wollte Physiotherapeutin werden! Schnell stellte sich aber heraus, dass die Ausbildung teuer werden könnte. „Meine Eltern wollten mich finanziell unterstützen, aber es war nicht klar, wie gut das klappen würde“, erzählt sie. Nach einigem Bangen wurde Nina Rüter am Universitätsklinikum Essen angenommen, einer staatlichen Ausbildungsstätte, in der die Ausbildung kostenlos ist. In den drei Jahren verdient sie allerdings auch nichts.

Tarifverhandlungen für Uniklinik-Azubis

Das könnte sich bald ändern. Am Universitätsklinikum in Essen gibt es eine starke Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV), die eng mit der Gewerkschaft ver.di zusammenarbeitet. In einer Feedbackrunde mit der JAV-Vertreterin berichteten die Auszubildenden, dass sie keine Vergütung für ihre Ausbildung erhalten. Die JAV ging daraufhin auf ver.di zu – und die Gewerkschaft brachte das Thema im Jahr 2015 in die Tarifverhandlungen für die Länder ein. 2017 gab es dann Verhandlungen auf Bundesebene, zwischen der Arbeitgeber-Tarifgemeinschaft TDL und ver.di. Das Besondere war, dass zwei betroffene Azubis am Verhandlungstisch über Ihren Alltag in der Ausbildung berichten durften, darunter auch Nina Rüter.

„Das Thema war zu komplex, um schon in den neuen Tarifvertrag aufgenommen zu werden – aber die Politik hielt es für so wichtig, dass die Vergütung der betrieblich-schulischen Azubis eigene Verhandlungen erhielt“, erklärt Nina Rüter. Die Verhandlungen begannen im April, daraufhin folgte ein Treffen mit dem Bundesgesundheitsministerium und eine zweite Verhandlungsrunde im November. Ziel ist, dass die Azubis der Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Orthoptisten, MTAs und Diätassistenten in den Tarifvertrag für Auszubildende der Länder hineinkommen.

Ministerium und ver.di setzen sich für die Vergütung ein

„Das Bundesgesundheitsministerium unterstützt unser Vorhaben, was für uns ein großer Vorteil ist“, so Nina Rüter. Auch die Gewerkschaft ver.di lege sich ins Zeug. „Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske sitzt persönlich mit uns am Verhandlungstisch“, so Rüter. „Das hat natürlich Signalwirkung.“ TDL und ver.di seien sich mittlerweile einig, dass es eine Vergütung für die betrieblich-schulischen Azubis geben soll.

Wann die nächste Verhandlungsrunde folgt, steht bislang nicht fest. Auch, wie hoch die Vergütung ausfallen wird und ob Nina Rüter und die anderen Azubis, die nächstes Jahr schon Examen machen, selbst noch etwas von den Verhandlungen haben werden, lässt sich noch nicht sagen. „Es liegt jetzt auch an all den anderen Azubis an den Unikliniken“, sagt Rüter. „Je mehr von ihnen sich in ver.di organisieren, je mehr hinter uns stehen, desto eher werden wir unsere Ziele erreichen.“


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