Ausgabe up 1-2018 | Rubrik Politik

Korruption – unter Berliner Therapeuten an der Tagesordnung?

vom: 14.12.2017

Eine Ergotherapeutin berichtet uns von korrupten Absprachen und bezahlten Überweisungen zwischen Berliner Ärzten und Therapeuten. Wir fragen die Therapeuten: Passiert das auch in Ihrer Region?

Eine Therapeutin, die gerne anonym bleiben möchte, hatte ihre Praxis neu eröffnet und machte Akquise bei Ärzten. Sie war irritiert, als einige der Ärzte aggressiv auf sie reagierten. Ein Orthopäde habe gesagt: „Wenn Sie auch so eine sind wie die anderen, dann möchte ich nicht, dass Sie meinen Behandlungsraum betreten!“ Der Arzt berichtete dann, dass Ergo- und Physiotherapeuten ihm wiederholt Geld dafür geboten hätten, dass er Verordnungen ausstelle und Patienten direkt in ihre Praxen schicke. Der Orthopäde wollte damit nichts zu tun haben. Viele seiner Kolleginnen und Kollegen hätten ihm allerdings gesagt, er könne damit doch nebenbei gut Geld verdienen.

Ähnlich sei es der Ergotherapeutin mit einer Kinderärztin ergangen, mit der sie eigentlich nur über einen Patienten und dessen Therapie sprechen wollte. Die Ärztin war das ganze Gespräch über sichtlich genervt. Als die Therapeutin am Ende fragte, was los sei, schrie die Ärztin sie fast an, bezeichnete den Beruf der Ergotherapeuten generell als sinnlos. Sie berichtete von Praxen, die ihr eine „Vergütungspauschale“ angeboten hatten.

Manche Ärzte erwarten offenbar Geld für Überweisungen

Die Therapeutin machte auch bereits Erfahrungen mit Ärzten, die sich an den Geldflüssen nicht störten: Für einen Unfallchirurgen, in dessen Praxis sie arbeitete, sei es ganz normal gewesen, sich für Überweisungen bezahlen zu lassen. „Der Arzt hat nie direkt darüber gesprochen, aber als ich mich später selbstständig gemacht habe, merkte ich, was da früher in der alten Praxis alles gelaufen ist“, so die Therapeutin. Neben diversen Schummeleien bei der Abrechnung seien korrupte Absprachen mit Therapeuten an der Tagesordnung gewesen.

Ein weiterer Arzt habe ihr gegenüber gesagt „Ich arbeite mit einer Praxis zusammen“. Den Patienten gegenüber hieß es aber: „Wenn Sie nicht in genau diese Praxis gehen, wird auch kein Rezept ausgestellt“. All diese Verhaltensweisen sind korrupt – und strafrechtlich relevant, auch wenn die Ergotherapeutin berichtet, sie konnte bislang keine belastbaren Beweise sammeln.

Haben auch Sie Erfahrungen mit Korruptions-Fällen gemacht?
Uns interessiert, ob die beschriebenen Fälle ein Berliner Problem sind oder ein gesamtdeutsches, und ob auch andere Berliner Therapeuten vergleichbare Erfahrungen gemacht haben. Deswegen möchten wir Sie als Therapeuten fragen: Sind Ihnen in Ihrer Region auch schon einmal solche Fälle untergekommen? Haben Ärzte schon einmal Geld von Ihnen verlangt, bevor sie Verordnungen ausstellen? Wissen Sie von Kollegen, die Ärzten solche Geschäfte anbieten? Haben Sie vielleicht sogar selbst einmal für Überweisungen gezahlt?

Schreiben Sie uns Ihre Geschichten, die wir natürlich gerne anonym behandeln, an ed.re1518992470nhcub1518992470@noit1518992470kader1518992470

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  • Leider gibt es überall schwarze Schafe.

    Ich habe aber eher erlebt, wenn Ärzte in eine bestimmte Praxis schicken, dass sie dies tun, weil sie von der Qualität der Behandlung überzeugt sind und keine finanziellen Aspekte dahinter stecken.

  • Ich arbeite seit vielen Jahren mit vielen Ärzten zusammen. Nie habe ich etwas in der Art erlebt. Auf Grund der langen Wartelisten in Berlin haben es die Praxen doch auch gar nicht nötig, Gelder zu zahlen.

  • Oh ja, auch im Logopädie-Bereich offenbar üblich. Ebenfalls ein Kinderarzt, der nur Verordnungen ausstellte, wenn eine, bzw. sogar eine weitere Logo-Praxis aufgesucht wurde. Eine andere Kinderärztin verweigerte jegliche Kontakte mit der Begründung bereits mit einer Praxis zusammenzuarbeiten. Das ist in Essen so.

  • Berlin ist bekanntlich sehr groß und wer weiß was in so manchem Kiez passiert. Ich für meinen Teil habe solche Machenschaften noch nie erlebt und dies sogar ohne in einem Verband zu sein. Es sieht doch eher so aus, dass durch den akuten Therapeutenmangel die Klienten mit ihren Verordnungen vor der Tür schon Schlange stehen. Die Verordnungen kommen von jeglichen Ärzten und Kiezen und ganz ohne “Schmiergeld”. Ich sitze in Hohenschönhausen und habe sogar Klientel aus Charlottenburg, was nicht gerade um die Ecke ist

  • Sorry, aber solche Fälle kenne ich nicht.
    und, wir “Akademsichen Sprachtherapeuten” (dbs-ev.de) haben einen Top-Verband, bei dem wir uns immer Unterstützung holen können.

  • Als ich in einer Apotheke fragte ob ich meine Visitenkarten auslegen dürfte wurde mir das strikt untersagt mit dem Hinweis, dass es dann Ärger geben würde mit dem Arzt über ihnen, da er nur mit einer bestimmten Praxis zusammen arbeitet. Das war in Speyer.

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