Ausgabe up 06-2017 | Rubrik Praxisführung

up|Umfrage: Wie hältst du es mit Fahrzeugen für den Hausbesuch?

vom: 16.05.2017

Hausbesuche können zu einem heiklen Thema für Praxen werden, wenn wichtige Fragen nicht geklärt sind, etwa zum Versicherungsschutz und zu den Fahrkosten. Häufig kommt es auch zu Diskussionen mit Mitarbeitern, die dafür nicht ihr privates Fahrzeug nutzen wollen. Deshalb haben wir uns diesmal umgehört mit der Frage: Wie hältst du es mit Fahrzeugen für den Hausbesuch?

Vorgehen 1: Wir haben ein Praxisauto, das kann jeder für seine Hausbesuche nutzen.

Auf Stress mit meinen Angestellten habe ich keine Lust. Aus diesem Grund haben wir ein Hausbesuchs-Auto, das jeder für seine Termine nutzen kann. So muss ich mich nicht mit Fahrkostenabrechnungen abmühen und meine Mitarbeiter sind auf jeden Fall versichert.

  • Vorteil

    Ein Praxisauto hat den großen Vorteil, dass jeder weiß, was zu tun ist und es keine rechtlichen Ungereimtheiten gibt. Der Versicherungsschutz ist klar geregelt. Auch bei der Abrechnung von gefahrenen Kilometern gibt es keine Probleme. Zudem können Praxen die Therapiemittel für die Hausbesuche gleich im Auto lagern. So müssen die Mitarbeiter das Material nicht ständig hin und her schleppen – und können es vor allem nicht vergessen.

  • Nachteil

    Wenn es nur ein Auto für alle Therapeuten gibt, müssen Hausbesuche immer so geplant werden, dass sie nicht parallel laufen. Schlecht getaktete Termine bergen Konfliktpotenzial. Bei Überschneidungen muss einer der Therapeuten sein privates Fahrzeug nehmen oder im schlimmsten Fall den Hausbesuch absagen.

Vorgehen 2: Bei uns macht nur einer die Hausbesuche und für den gibt es einen Firmenwagen.

Wir leisten uns einen speziellen „Hausbesuchs-Therapeuten“. Dieser Kollege übernimmt alle in der Praxis anfallenden Hausbesuche. Er bekommt auch unseren einzigen Firmenwagen.

  • Vorteil

    Mit dieser Lösung kommt es nicht zu Termin- und Koordinationsschwierigkeiten, weil Zeiten aus Versehen doppelt belegt wurden. Es gibt keinen Streit, wer wann das Auto nutzen kann. Auch der Versicherungsschutz ist ganz klar geregelt.

  • Nachteil

    Vielleicht würden auch andere Mitarbeiter gern Hausbesuche übernehmen. Diese Regelung schließt sie davon aber kategorisch aus. Und was passiert, wenn der Hausbesuchs-Therapeut einmal krank ist oder Urlaub hat? Wie kommt eine eventuelle Vertretung dann zum Patienten? Oder finden zu diesen Zeiten gar keine Hausbesuche statt?

Vorgehen 3: Hausbesuche rechnen sich für uns sowieso nicht – das bieten wir gar nicht erst an.

Hausbesuche verursachen nur Kosten. Ich muss tanken, Versicherungen und Steuern bezahlen und dann auch noch ein Auto instand halten. Und das alles für rund 11,50 Euro… Nicht mit mir! Hausbesuche nehmen wir gar nicht erst an.

  • Vorteil

    Wer gar keine Hausbesuche anbietet, muss sich auch nicht mit den Formalitäten beschäftigen, die damit verbunden sind. Über Fahrten zum Patienten müssen Praxisinhaber sich dann natürlich auch keine Gedanken machen.

  • Nachteil

    Es wird vermutlich immer wieder Patienten geben, bei denen Sie auf Missmut und Unverständnis stoßen, wenn Sie ihnen die Behandlung zu Hause verweigern. Für diese Fälle sollten Praxen eine einheitliche Sprachregelung finden, damit Mitarbeiter nicht in unangenehme Situationen geraten.

Vorgehen 4: Fahrten zu Hausbesuchen machen wir mit einem Praxisfahrrad.

Wir gehen mit gutem Beispiel voran und nutzen für unsere Hausbesuche ein Praxisfahrrad. Das Gefährt hat einen kleinen Anhänger, in den die Therapiematerialien passen. Unsere radelnden Mitarbeiter schonen so die Umwelt und tun sogar noch etwas für ihre Gesundheit.

  • Vorteil

    In der Stadt ist man mit dem Fahrrad sowieso häufig schneller als mit dem Auto. Günstiger ist das Zweirad zudem allemal. Außerdem bewegen sich die Therapeuten gleich noch an der frischen Luft. Eine bessere betriebliche Gesundheitsvorsorge gibt es kaum.

  • Nachteil

    Bei schlechtem Wetter ist ein Fahrrad nicht gerade das Fortbewegungsmittel der Wahl. Gerade im Winter könnten sich manche Hausbesuche so als recht beschwerlich erweisen. In solchen Fällen ist es problematisch, wenn kein alternatives Fortbewegungsmittel zur Verfügung steht.

Vorgehen 5: Hausbesuche machen meine Mitarbeiter mit ihren privaten Fahrzeugen.

Hausbesuche kommen bei uns sowieso nicht so häufig vor. Dafür extra einen PKW für die Praxis anzuschaffen, lohnt sich nicht. Bei uns fährt deswegen jeder so zum Hausbesuch, wie es für ihn am besten passt.

  • Vorteil

    Oft können die Mitarbeiter ihre Hausbesuche geschickt an den Randzeiten ihres Arbeitstages planen. Liegt die Wohnung des Patienten auf dem Nachhauseweg, können sie dann sogar den eigenen Heimweg verkürzen oder mal zehn Minuten früher Feierabend haben. Außerdem entstehen der Praxis keine laufenden Kosten für das Vorhalten eines Praxis-Autos.

  • Nachteil

    Es muss klare Regeln geben, wie der Praxisinhaber die zurückgelegten Kilometer erstattet. Ansonsten führt dieses Vorgehen schnell zu Frust bei den Mitarbeitern. Auch der Versicherungsschutz ist hier nicht immer klar geregelt. Klären sie für Ihre Mitarbeiter eindeutig, wie diese während beruflicher Fahrten mit dem privaten PKW versichert sind, bevor es zu einem Unfall kommt.

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  • Hallo,
    ich bin Inhaberin einer Podologie-Praxis. In unserer Branche gibt es so viel Nachfrage nach Hausbesuchen das wir leider nicht alle abdecken können. Wir sind allerdings verpflichtet Hausbesuche durchzuführen. Lt.Rahmenverträgen muss jeder Praxisinhaber ( außer bei Urlaub und Krankheit) 8h tägl./Woche in seiner Praxis anwesend sein. Trotzdem sollen und müssen Hausbesuche durchgeführt werden. Ich frage Sie….wann soll man das denn machen? Wir handhaben es mittlerweile so, das wir einen kompletten Tag Hausbesuche fahren. Ich würde sehr gern jemanden einstellen der nur HB fährt. Leider fehlen dazu die notwendigen Mittel. Hausbesuche werden teilweise zwar noch mit extra HB -Vergütung zur jeweiligen Behandlung abgerechnet, allerdings nicht wenn man Seniorenheime betreut. Da gibt es einen Betrag für alle Patienten. Dadurch fahren viele neuzugelassene Kollegen kaum HB , was ich persöhnlich sehr schade finde. Irgend etwas müßte sich dahingehend schleunigst ändern. Auch sind in unserer Branche die Bedingungen für einen HB sher sehr schlecht. Es muß auf strengste Hygiene geachtet werden, pro Patient brauch man dadurch mind. 1h. Auch kommt es darauf an wie der Patient noch mitarbeiten kann. Teilweise muss man sich über die Pflegebetten beugen, was für den Rücken nicht sehr angenehm ist. Kurz und gut: Es wird einfach absolut zu wenig bezahlt für eine qualifizierte Therapie. Dadurch will kein Podologe nur allein Hausbesuche fahren. Mit Firmenwagen, gutes Gehalt etc. würde ich noch draufzahlen…. das ist der Grund warum in unserer Branche die Hausbesuche rückläufig sind bzw. keiner mehr gern HB durchführt. Meine Praxis betreut 3 Altenheime und 7 Patienten die noch zu Hause wohnen. Wir sind zu Zweit. Hausbesuche überwiegend Samstags damit es sich überhaupt rechnet. Da wir, wie jeder Therapeut, ein Helfersyndrom haben, kann ich auch diese Altenheime nicht einfach aufgeben. Mitlerweile betreuen wir die seit 10 Jahren. Nach dem Motto ¨ Es wird schon irgendwie gehen¨. Wenn unsere Politik nicht schleunigst umdenkt gibt es für all die alten Menschen und/oder nie Menschen mit Behinderungen( welcher Art auch immer)keinen Therapeuten mehr der nach Hause kommt. Wir sind auch Wirtschaftsunternehmen , aber wenn sich etwas nicht lohnt muß man sich leider davon trennen…
    Freundliche Grüße sendet
    Cornelia Becker

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