Ausgabe up 07-2017 | Rubrik Praxisführung

up|Umfrage: Wie hältst du es mit Klatsch am Arbeitsplatz?

vom: 20.06.2017

Den Drang, uns über andere Menschen auszutauschen, haben wir wohl fast alle. Aber wie gehen Chefs in einem professionellen Kontext mit dem Thema Tratschen um?

„Hast du schon gehört, Frau Müller und Susanne reden nicht mehr miteinander.“ „Und wusstest du schon, dass Marita Ihren Sohn beim Rauchen erwischt hat?“ „Oh Mann, gleich kommt wieder der alte Herr Schneider, der wird mir wieder das Ohr abkauen und während der gesamten Therapie nicht aufhören zu reden.“ Wir haben Praxisinhaber in Deutschland gefragt: Wie hältst du es mit Klatsch am Arbeitsplatz?

Vorgehen 1: Klatsch und Tratsch gehört dazu, da mische ich mich als Chef nicht ein.

Getratsche ist eben ein Teil des menschlichen Miteinanders. Ich sehe gar keinen Grund, hier eingreifen zu müssen. Das ist definitiv nicht meine Aufgabe. Kann es ja auch gar nicht sein. Ich kann doch meinen Mitarbeitern nicht verbieten, sich zu unterhalten.

  • Vorteil

    Tratsch ist eine Form des Stressabbaus. In der Arbeit am Menschen ergeben sich immer mal wieder schwierige Situationen. Darüber zu quatschen hilft, den Druck abzulassen und schnell wieder einsatzbereit für den nächsten Patienten zu sein. Außerdem lenkt es von langweiligen Routineaufgaben ab. Wenn Sie Klatsch dulden, sich aber selbst klar von solchen Themen distanzieren und nicht mittratschen, laufen Sie auch nicht Gefahr, in den „Strudel-des-Bösen“ mit hineingezogen zu werden und selbst im Affekt zum Beispiel schlecht über bestimmte Mitarbeiter zu sprechen.

  • Nachteil

    Hören Sie als Chef generell bei solchen Gesprächen weg, kann es sein, dass sie übersehen, wenn aus dem alltäglichen Klatsch plötzlich Mobbing wird. Das wiederum wirkt sich natürlich äußerst negativ auf ihr Betriebsklima aus. Im schlimmsten Fall verlieren Sie aus diesem Grund sogar eine wichtige Arbeitskraft. Zudem kommt es auch nicht gut an, wenn Patienten mitbekommen, dass über Kollegen oder gar andere Pateinten schlecht geredet wird. Das kann einen herben Imageschaden nach sich ziehen.

Vorgehen 2: Ich sehe hier kein Problem, jeder tratscht doch gern mal, da nehme ich mich nicht aus.

Da ich selbst auch gern mal tratsche, kann ich es wohl schlecht meinen Mitarbeitern verbieten. Außerdem tut es wahnsinnig gut, wenn man mal gemeinsam Luft ablassen kann. Da würde ich mir ja ins eigene Fleisch schneiden.

  • Vorteil

    Klatsch und Tratsch tragen zu einem „Wir-Gefühl“ bei. Wer sich als Praxisinhaber aktiv beteiligt, wird enger mit der Gruppe verbunden. Das kann sich auch positiv auf die Zusammenarbeit auswirken. Außerdem können Sie in solchen Gesprächen auch Wertvorstellungen transportieren, indem Sie sich zum Beispiel über Unpünktlichkeit beschweren.

  • Nachteil

    Wenn ich mich als Chef am Klatsch der Mitarbeiter beteilige, bin ich nicht mehr unparteiisch und begebe mich auf eine Stufe mit ihnen. Das erschwert es, bei Bedarf wieder in die Rolle des Chefs zu finden. Womöglich wird eine Praxisinhaberin so durch eine ungeschickte Äußerung gar erpressbar oder verhält sich einem Mitarbeiter gegenüber ungerecht. Zudem ist die Grenze zwischen Tratsch und Mobbing schmal. In einer Führungsposition und umso mehr der Rolle der Geschäftsführerin schickt sich so ein Verhalten nicht. Hier ist also wirkliches Fingerspitzengefühl gefragt: Im richtigen Moment sollten vor allem Chefs lieber den Mund halten.

Vorgehen 3: Klatsch vergiftet das Arbeitsklima, so etwas dulde ich in meiner Praxis nicht.

Bei diesem Thema gibt es hier eine einzige, unmissverständliche Regel: Klatsch und Tratsch gehören an den Kaffeetisch und nicht in eine Therapiepraxis. Solch ein Verhalten verbitte ich mir von meinen Mitarbeitern.

  • Vorteil

    Bei einem klaren Verbot wissen alle, woran sie sind. So fällt es Mitarbeitern mehr oder weniger leicht, diese Regel auch zu befolgen.

  • Nachteil

    Zunächst einmal können Chefs nicht alle Gespräche ihrer Mitarbeiter kontrollieren. Es ist dementsprechend auch kaum vorstellbar, dass sich alle Mitarbeiter an ein hundertprozentiges „Klatsch-und-Tratsch-Verbot“ halten. Außerdem unterbinden Sie mit einem solchen Verbot auch die positiven Effekte, die Klatsch auf das Miteinander haben kann.

Vorgehen 4: Klatsch an sich ist okay, wirkt sich das aber auf die Arbeit aus, schreite ich ein.

Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ein Mitarbeiter mal kurz Luft ablassen muss oder sich über ein hitziges Thema austauschen möchte. Allerdings kommt es, wie bei allem, auf das richtige Maß an. Wird für mich eine rote Linie überschritten, dann greife ich ein. Ich möchte schließlich nicht, dass solche Gespräche auf Kosten anderer Mitarbeiter gehen. Da habe ich als Arbeitgeber einfach eine Fürsorgepflicht.

  • Vorteil

    Mit diesem Vorgehen lassen Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung und lassen sie von den positiven Effekten solcher Gespräche profitieren. Gleichzeitig befinden sie sich in einem geschützten Rahmen: Falls der Tratsch gegen eine Person ausartet, behält die Chefin sich vor, lenkend einzugreifen.

  • Nachteil

    Wenn man generell Tratsch duldet, wird es schwierig, eine Grenze zu ziehen. Wo hört der „gesunde Klatsch“ auf und wo fängt schädliches Lästern an? Dieser Grat ist sehr schmal und wird von jedem unterschiedlich wahrgenommen. Dementsprechend schwer ist es, eine klare Regelung an die Mitarbeiter zu kommunizieren, wann tratschen erlaubt ist und wann nicht.

Vorgehen 5: Tratschen ja, aber nur hinter verschlossenen Türen.

Ich kann meinen Mitarbeitern das Tatschen nicht völlig verbieten. Diese Vorstellung ist utopisch. Aber ich kann dafür sorgen, dass es in einem gewissen Rahmen stattfindet. Deshalb wird bei uns über persönliche Dinge nur im Aufenthaltsraum gesprochen. Sobald Patienten anwesend sind, sind solche Gespräche tabu – das würde sonst einfach unprofessionell wirken.

  • Vorteil

    Mit diesem Vorgehen können Chefs die professionelle Außenwirkung ihrer Praxis schützen, den Mitarbeitern aber den Freiraum für private Gespräche gewähren. Klare Regeln können leichter eingehalten werden. Das macht es für Sie auch leichter, sie durchzusetzen.

  • Nachteil

    Manchmal reden wir einfach schneller als wir denken. Wahrscheinlich kennen Sie das auch von sich selbst. Das kann in einem unbedachten Moment auch schon mal an der Rezeption passieren. Für solche Fälle müssen Sie gewappnet sein. Es muss Ihnen klar sein, wie Sie als Chef dann reagieren. Denn eins ist sicher: Wenn Sie nicht eingreifen, werden aus solchen Ausnahmen schnell schlechte Angewohnheiten.

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