Ausgabe up 10-2017 | Rubrik Recht / Steuern / Finanzen

Fachliche Leitung: Wann müssen Praxen sie gesondert anmelden?

vom: 19.09.2017

Unter bestimmten Umständen kann ein Praxisinhaber – oft vorübergehend – die Position des fachlichen Leiters nicht mehr einnehmen. Dann muss die Praxis umgehend eine neue Leitung bestimmen, sonst gilt ihre Zulassung nicht mehr.

In einer Heilmittelpraxis gibt es immer eine fachliche Leitung. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt nach Paragraf 124 SGB V zugelassen wird. In den meisten Praxen erledigt sich das von alleine. Sie sind Einzelunternehmen, in denen ein Therapeut als Praxisinhaber die komplette Verantwortung trägt und auch automatisch der fachliche Leiter ist, sobald er eine Zulassung für seine Praxis hat. Er muss das nicht gesondert anmelden.

Eine GbR oder GmbH muss ihre Leitung melden

Anders sieht es aus, wenn die Praxis zum Beispiel eine GbR oder GmbH ist. Das ist etwa der Fall, wenn ein Therapeut zusammen mit einem Betriebswirt oder einem anderen Therapeuten als Partner eine Praxis gründet. Dann müssen die Praxisgründer bei der Zulassung gegenüber der zuständigen Zulassungsstelle der Krankenkasse angeben, welcher Therapeut die fachliche Leitung übernimmt. Das muss übrigens nicht unbedingt ein Praxisinhaber sein. Ein angestellter Therapeut kann die fachliche Leitung ebenso übernehmen.

Fachliche Leitung muss mindesten 30 Stunden pro Woche in der Praxis sein

Eine inhabergeführte Einzelpraxis muss eine fachliche Leitung melden, wenn der Praxisinhaber nicht mehr ganztägig als Behandler vor Ort zur Verfügung steht – so schreiben es die Allgemeinen Zulassungsempfehlungen vor. „Ganztägig“ wird dabei in der Regel als 30 Stunden pro Woche interpretiert.

Es ist auch möglich, dass zwei – aber nicht mehr – Therapeuten die fachliche Leitung gemeinsam übernehmen. Sie müssen dann ihre Arbeitszeit so aufteilen, dass an mindestens 30 Stunden in der Woche immer einer von ihnen in der Praxis ist.

Üblicherweise wird das nötig, wenn

  • der Praxisinhaber, der sonst die Leitung innehat, mehr als acht Wochen lang gar nicht oder nicht ganztägig in der Praxis ist. Geht der Chef zum Beispiel in Elternzeit, arbeitet vorübergehend in Teilzeit oder fällt wegen einer Krankheit lange aus, muss er für diese Zeit eine fachliche Leitung bestimmen.
  • ein Praxischef eine zweite Praxis in neuen Räumlichkeiten eröffnet, in der er nicht den ganzen Tag anwesend ist. Dann benötigt diese neue Praxis eine eigene fachliche Leitung.

Fachliche Leitung lückenlos melden!

Wird die Meldung einer fachlichen Leitung an die Krankenkassen nötig, müssen Praxen das sofort erledigen. Sonst verlieren sie für die Zeit, in der die Praxis formal keine fachliche Leitung hat, ihre Zulassung.


Bildnachweis: iStock: Poike

Themen: Thema Praxisführung, Thema Recht, Thema Recht / Steuern / Finanzen


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