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Kommentar zum WAT-Gutachten

Alles wie gehabt!
6,5 Prozent aller Heilmittelpraxen (IKen) haben an der Befragung zum WAT-Gutachten (Wirtschaftlichkeitsanalyse ambulanter Therapiepraxen) teilgenommen. Das ist ein respektables Ergebnis und liefert Daten, die so bisher in diesem Umfang nicht erfasst wurden. Hoffentlich erweisen sich diese als nützlich, wenn es darum geht, nach vermutlich gescheiterten Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband Anfang Oktober 2020 die Schiedsstellen zu beeindrucken.
© iStock: BrianAJackson

Gemessen an den eigenen Ansprüchen der ausrichtenden maßgeblichen Heilmittelverbände ist das Ergebnis jedoch ernüchternd. Denn den elf vom Institut für Gesundheitsökonomie (IfG) mit der Durchführung der Befragung beauftragten Verbänden ist es nicht gelungen, auch nur 10 Prozent ihrer Mitglieder zur Teilnahme zu motivieren. Und dass, obwohl das Thema „angemessene Vergütung“ allen Praxisinhabern unter den Nägeln brennt.

Wer verstehen will, warum es den Verbänden so schwerfällt, ihre Mitglieder zu mobilisieren, der erhielt auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Gutachtens, an der auch Vertreterinnen der Heilmittelbereiche (DVE, dbs, IFK und Podo Deutschland) teilnahmen, einen guten Einblick.

Zunächst stellte Prof. Dr. Günter Neubauer, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik (IfG), die wichtigsten Ergebnisse und die daraus resultierenden Probleme vor: Fachkräftemangel, Verwaltungsaufwand und unangemessenes Einkommen. Diese Probleme sind längst bekannt, wurden nun aber mit neuen Zahlen unterlegt. Das ist bestimmt wichtig, bleibt aber sicherlich hinter den Erwartungen der Mitglieder zurück.

In den Stellungnahmen der Fachbereiche folgte dann das, was man immer schon gehört hat: Nicht genug Zeit für Patienten, rentable Praxisführung nicht möglich, Verwaltungsaufwand zu groß. Das trifft im Detail für einzelne Praxen mehr, für andere weniger zu. Aber kollektives Jammern gehört nicht auf eine Pressekonferenz, entspricht nicht der Realität und lockt auch niemanden hinter dem Ofen vor.

Stattdessen würde man auf einer Pressekonferenz (und als Motivation für Praxisinhaber) erwarten, dass neue Konzepte und Ideen präsentiert werden, mit denen die jahrzehntealten Probleme in Zukunft gelöst werden können.

Auf die Nachfrage nach konkreten, neuen Vergütungskonzepten gab es außer dem Hinweis auf die anstehenden Preisverhandlungen keine Vorschläge. Ergänzt durch den Hinweis auf Verschwiegenheitsvereinbarungen mit der GKV, gilt Gleiches für die Frage nach konkreten Forderungen für die kommenden Preisverhandlungen. Bei der Frage nach Abschaffung der Zertifikatspositionen im Bereich der Physiotherapie bestätigte Frau Repschläger (IFK) noch einmal deutlich, dass man an der unterschiedlichen Bezahlung auch in Zukunft festhalten wolle.

Nach dem WAT-Gutachten bleibt also alles, wie es ist: Wir beklagen die schlechte Vergütung und verhandeln hinter verschlossenen Türen über prozentuale Erhöhungen auf Basis von Leistungsbeschreibungen, die schon Jahrzehnte überholt sind. So wird das nichts mit angemessener Bezahlung.

PS: Wir hätten uns an dieser Stelle gerne näher mit dem Inhalt des Gutachtens auseinandergesetzt, aber leider wurde das Gutachten auf der Pressekonferenz noch nicht zur Verfügung gestellt.

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