up|unternehmen praxis

Indikation Dysphagie

Ausfüllhilfe für extrabudgetäre Verordnung
Der äußerst komplexe Schluckakt verändert sich im Alter. Hierzu zählen z. B. der Verlust oder unzureichende Ersatz von Zähnen, die verringerte Speichelproduktion, das abnehmende Durstgefühl, Sensibilitätseinschränkungen in Mund und Rachen und der verminderte Geruchs- und Geschmackssinn. Außerdem steigt die Wahrscheinlichkeit für neurologische und internistische, meist chronische Erkrankungen und die damit häufig einhergehende Multimedikation. All dies kann Schluckstörungen im Alter begünstigen. Durch logopädische Therapie können Folgen wie ein erhöhtes Pneumonierisiko, Malnutrition oder Dehydratation bis hin zur Exsikkose verhindert werden.
Indikation Dysphagie

Das haben auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband erkannt und diese Diagnose in ihre bundesweit geltende Diagnoseliste langfristiger Heilmittelbedarf/besonderer Verordnungsbedarf aufgenommen. Sie sieht bei Patienten ab dem vollendeten 70. Lebensjahr mit der Diagnose Dysphagie einen besonderen Verordnungsbedarf (BVB) für Heilmittel vor. Verordnungen (VO) mit dem verordnungsfähigen ICD-10-Code gelten ab der ersten VO als extrabudgetär. So können Betroffene mit Logopädie versorgt werden, ohne das ärztliche Heilmittelbudget zu belasten.

Wichtig: Voraussetzung ist die Angabe des ICD-10-Codes der Diagnoseliste (hier R13.-) in Verbindung mit der vereinbarten Diagnosegruppe (hier SC1). Nur dann werden bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen die Kosten aus dem Verordnungsvolumen des Vertragsarztes herausgerechnet.

Tipp: Auch Jüngere können von einer Dysphagie betroffen sein; ggf. lohnt sich ein individueller Antrag auf langfristigen Heilmittelbedarf. Liegt der Dysphagie eine andere Primärerkrankung zugrunde, ist sie möglicherweise auch als BVB oder als langfristiger Heilmittelbedarf anerkannt.

1. Verordnung im Regelfall

  • Erst-VO: bis zu 10x/VO, Folge-VO: bis zu 10x/VO
  • Gesamtverordnungsmenge des Regelfalls: 60 Einheiten = z. B. 1 Erst-VO + 5 Folge-VO

Wichtig: Bei dem BVB (hier R13.-) muss erst der Regelfall gemäß Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL) durchlaufen werden, bevor eine VO außerhalb des Regelfalls (VO a.d.R.) ausgestellt werden kann. Die Behandlung gilt so ab der ersten VO als extrabudgetär.

2. Medizinische Begründung, ggf. Therapiebericht

Die Begründung in Bezug auf den Therapiebedarf des Patienten, seine Therapiefähigkeit und die Therapieprognose unter Berücksichtigung des angestrebten Therapieziels muss nur bei VO a.d.R. ausgefüllt werden. Details hierzu sind der Begutachtungsanleitung Heilmittel des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen zu entnehmen.

Tipp: Fremdbefunde, wie z. B. logopädische Therapieberichte, dürfen und sollten berücksichtigt werden (§ 34 Abs. 2 Satz 2 HeilM-RL). Sie können diese also für Ihre medizinische Begründung anfügen. Evidenzbasierte Empfehlungen aus Leitlinien oder Übersichtsarbeiten unterstützen die Argumentation zusätzlich.

3. Indikationsschlüssel/Diagnosegruppe

Gemäß Diagnoseliste kann für Patienten ab dem vollendeten 70. Lebensjahr bei R13.- (siehe Beispiel) mit der Diagnosegruppe SC1 extrabudgetär verordnet werden.

4. ICD-10-Code/Diagnose mit Leitsymptomatik

Wichtig: Nur mit dem vereinbarten ICD-10-Code der Diagnoseliste wird die VO als extrabudgetär anerkannt (Rahmenvorgaben für die Wirtschaftlichkeitsprüfung ärztlich verordneter Leistungen), hier R13.-.

Für eine vollständig ausgefüllte VO muss neben der Diagnose die Leitsymptomatik nach Maßgabe des Heilmittel-Katalogs (HMK) angegeben werden.

Wichtig: Sie ist auch dann anzugeben, wenn sie der Diagnose ähnelt. Hier kommt es sonst häufig zu Absetzungen.

5. Heilmittel und Therapiedauer

Bei der Diagnosegruppe SC1 sind 30, 45 oder 60 Minuten pro Therapieeinheit möglich.

6. Verordnungsmenge

Sie richtet sich nach dem medizinischen Erfordernis des Einzelfalls. Der HMK bestimmt die Gesamtverordnungsmenge des Regelfalls. Bei VO a.d.R. ist die Menge abhängig von der Frequenz so zu bemessen, dass mindestens eine ärztliche Untersuchung innerhalb von 12 Wochen nach der VO gewährleistet ist, z. B.: 24 (Menge) / 2 (Frequenz) ≤ 12.

Vorteil: Außerhalb des Regelfalls sind mehr Einheiten pro VO möglich als innerhalb.

7. Therapiefrequenz

Die Empfehlung des HMK ist als Mindestangabe, also als Untergrenze für die wöchentliche Frequenz innerhalb des Regelfalls zu verstehen. Beschränkungen im Sinne einer Obergrenze gibt es nicht. Im Falle von SC1 wird mindestens 1x wöchentlich empfohlen.

Wichtig: Auf der VO wird die exakte Frequenz angegeben.

8. Therapieziele

Konkrete patientenzentrierte und aktivitätsorientierte Therapieziele unterstützen die Indikation für Logopädie: Welches Ziel möchte der Patient in Bezug auf seine Aktivitäten und die Teilhabe an seinem Leben innerhalb dieser Verordnung erreichen? Dabei kann die Struktur der ICF helfen (www.dimdi.de).

Fazit

Der BVB bei geriatrischen Patienten mit Dysphagie ermöglicht die extrabudgetäre Versorgung mit Logopädie ohne zeitliche Beschränkung. Um die Folgen einer Dysphagie im Alter frühzeitig abzuwenden, ist die logopädische Begleitung der Betroffenen unerlässlich. So können der Schluckakt verbessert, die Konsistenz der Speisen und Getränke angepasst sowie Kompensationsstrategien erlernt und im Alltag gefestigt werden.

Außerdem interessant:

Indikation Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten

Indikation Primäres Parkinson-Syndrom

0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all Kommentare
0
Wir würden gerne erfahren, was Sie meinen. Schreiben Sie einen Kommentar.x