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Westfalens Ärzte wollen die Heilmittel verschreiben können, die ihre Patienten brauchen!

Westfalens Ärzte wollen die Heilmittel verschreiben können, die ihre Patienten brauchen!

Die KV Westfalen-Lippe (KVWL) wehrt sich in einem Brief an Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt dagegen, dass die niedergelassenen Ärzte in Westfalen-Lippe für die Verordnung von Heilmitteln in Regress genommen werden können.

Seit langem ist die KVWL bundesweit Schlusslicht, wenn es um eine ausreichende Verschreibung von Logopädie, Physio- und Ergotherapie geht. Verantwortlich dafür ist nach Ansicht der KVWL eine regelmäßig durchgeführte Wirtschaftlichkeitsprüfung, die den Arzt am Durchschnitt der Verordnungen der Fachgruppenkollegen misst.
Aus diesem Grund brachte der KVWL-Vorstand jetzt eine Resolution auf den Weg, die die Abschaffung der Wirtschaftlichkeitsprüfungen für dieses Verordnungssegment fordert und folgt damit ähnlichen Bestrebungen der niedergelassenen Ärzte in Hessen und Bayern (wir berichteten).
Gemäß Dr. Ulrich Thamer, Vorstandsvorsitzender der KVWL, sollen die Patienten in Westfalen-Lippe wieder ausreichend mit solchen Mitteln versorgt werden können, ohne dass die Ärzte dafür in Haftung genommen werden. Die Erfahrung zeige, dass Ärzte, die bei ihren Verordnungen die zugrunde liegenden Richtlinien korrekt eingehalten hätten, gleichwohl in die Prüfung gekommen seien und oft Regresse an die Krankenkassen hätten bezahlen müssen.
Das führte in Westfalen-Lippe zu einem sehr restriktiven Verordnungsverhalten und zu Defiziten in der Versorgung. Zwar gibt es inzwischen eine geänderte Prüfvereinbarung mit den Krankenkassen, was das Problem aber vermutlich nicht beseitigt. Deshalb möchte die KVWL, dass die Verordnungen der Ärzte lediglich hinsichtlich des Einhaltens der Vorgaben der Heilmittelrichtlinien geprüft werden. Diese lege nämlich die Frequenz und Dauer der Behandlungen bei den mit Heilmitteln behandelbaren Erkrankungen bereits sehr detailliert fest und sei somit ein gutes Regelwerk. Einer zusätzlichen Wirtschaftlichkeitsprüfung bedürfe es nicht.
Wem auch bei notwendigen Verordnungen Regresse drohen, der verschreibe restriktiv. „Und wer einmal in Regress genommen wurde, hat ein gutes Gedächtnis“, so Thamer. Die Folge sei, dass sich das mögliche Verordnungsvolumen und damit auch der Durchschnitt, an dem man gemessen wird, immer mehr verringert -, ein aus Sicht der KVWL fataler Kreislauf!
»Das gestiegene Haftungsrisiko muss von den Ärzten als ungerecht empfunden werden, zumal sie verantwortungsbewusst und regelkonform verordnen«, so Thamer weiter. »Deshalb gehören Wirtschaftlichkeitsprüfungen im Bereich der Heilmittel abgeschafft.«
Der KVWL-Vorstand hat nun Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Landessozialminister Karl-Josef Laumann angeschrieben und entsprechende Forderungen deutlich gemacht.

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