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ICF: Evaluation

Der Ist-Zustand des Patienten wird nochmals sach- und fachgerecht durch den Therapeuten beurteilt bzw. bewertet. Diese Überprüfung sollte zum einen während der Therapie (up_logo 06/2020) und zum anderen vor Ende der Verordnung erfolgen. Die abschließende Beurteilung umfasst üblicherweise den therapeutischen Wiederbefund, die Patientenzufriedenheit, die prognostische Einschätzung zum weiteren Bedarf und die Dokumentation. Hierbei helfen erneut die anamnestischen Angaben (up_logo 03/2020), die Diagnostikergebnisse (up_logo 04/2020), die ursprünglichen Therapieziele und der Therapieplan (up_logo 05/2020) sowie die Dokumentation.
ICF: Evaluation
© schmolzeundkühn

ICF in der Evaluation

Orientiert sich die Evaluation der Therapie an der ICF, geht es auch am Ende der Verordnung darum, wie sich die Funktionsfähigkeit, die Teilhabe und die Lebensqualität des Patienten seit Therapiebeginn verändert haben. Um diese Veränderungen systematisch zu erfassen, erleichtern die Komponenten der ICF die Strukturierung der erhobenen Informationen und Daten: Welche Veränderungen gibt es in Bezug auf die Körperfunktionen und –strukturen, bei den Aktivitäten und der Partizipation, den Umwelt- und personbezogenen Faktoren? So lassen sie sich leichter in die vorausgegangene Dokumentation einfügen.

Therapeutischer Wiederbefund

Sie erheben die zu Beginn erfassten Daten bestenfalls erneut, sofern es die Testverfahren zulassen. So objektivieren Sie die gemeinsamen Therapiefortschritte zusätzlich. Aus ICF-Sicht interessieren Sie bei der Durchführung von Handlungen und Aufgaben insbesondere die beiden Konstrukte der Leistungsfähigkeit (unter optimalen Testbedingungen) und der Leistung (in der aktuellen Lebenssituation) Ihres Patienten. Idealerweise notieren Sie die Werte und Informationen dieses Vorher-Nachher-Vergleichs in demselben Dokument. So können Sie ablesen, wie groß die Lücke zwischen Leistungsfähigkeit und Leistung zu Beginn war und wie sie sich bis jetzt durch die Therapie verändert hat. Gemeinsam mit der Bewertung der Therapie durch den Patienten ermöglicht der Wiederbefund Aussagen zur prognostischen Einschätzung.

Patientenzufriedenheit

In erster Linie geht es darum, inwiefern das vorher vereinbarte Therapieziel aus Patientensicht erreicht wurde. Der Patient berichtet, was ihm im Vergleich zum Therapiebeginn gelingt, wobei er noch Unterstützung benötigt und welche Ziele nach wie vor unerreichbar erscheinen. Inwiefern hat sich möglicherweise für ihn die Priorisierung der Therapieziele verändert? Was braucht der Patient in seinem bzw. für seinen Alltag weiterhin oder darüber hinaus? Ergänzende Informationen von Angehörigen und nahen Bezugspersonen sind hier sinnvoll. Entscheidend ist die Frage, ob die bisherige Therapie für den Patienten erfolgreich war und woran er sie misst. Dies gilt auch in Hinblick auf das nachfolgende Gespräch zwischen dem verordnenden Arzt und dem Patienten: Was wird er seinem Arzt zurückmelden?

Darüber hinaus sollten folgende Aspekte besprochen werden: Gab es einen roten Faden für Ihren Patienten? War der Zusammenhang zwischen Ihren Maßnahmen und den (übergeordneten) Therapiezielen stets nachvollziehbar? Wie stand und steht es um die Motivation des Patienten, z. B. in Bezug auf Eigenübungen oder eine Fortsetzung der Therapie? Welches Lob bzw. welche Kritik äußert der Patient über die Therapie im eigentlichen Sinne bzw. die Praxisabläufe im weiteren Sinne?

Prognostische Einschätzung

Angesichts des bisherigen Therapieverlaufs, der Gegenüberstellung von Testergebnissen zu Beginn und am Ende der Verordnung sowie der Motivation des Patienten können Sie eine prognostische Einschätzung vornehmen. Was hat die Evaluation ergeben? Besteht weiterer Therapiebedarf, der eine Folgeverordnung erfordert? Wie hat sich die Adhärenz im bisherigen Therapieprozess entwickelt? Was könnte der Patient aus Ihrer Sicht bis wann in Bezug auf welche ICF-Komponenten noch erreichen? Sprechen Sie mit Ihrem Patienten darüber und, falls gefordert, mit dem verordnenden Arzt.

Dokumentation

Auch dieser Teil des Therapieprozesses sollte zeitnah in der papiergestützten oder elektronischen Patientenakte dokumentiert werden.

Fazit

Haben Sie die vorausgegangenen Schritte des Therapieprozesses, also die Anamnese, die Diagnostik, die Planung und die Therapie, an dem Konzept der ICF orientiert und alle Informationen rund um Ihren Patienten entsprechend strukturiert und dokumentiert, gelingt auch die Umsetzung einer ICF-basierten Evaluation umso leichter. Im Fokus bleiben das Gesundheitsproblem Ihres Patienten, seine Folgen auf die Lebensqualität und die Teilhabe. Sie ziehen gemeinsam mit dem Patienten Bilanz und besprechen seine Möglichkeiten für die Zukunft.

ICF in Ihrer Praxis

Besprechen Sie mit Ihren Kollegen ein praktikables Vorgehen für Ihre Praxis. Welche Testverfahren eignen sich für welche Patienten zum Vorher-Nachher-Vergleich? Wenn es standardisierte Verfahren nicht hergeben, wie können Sie informell eine „Objektivierung“ Ihrer Therapieerfolge bewerkstelligen? Wie dokumentieren Sie die Informationen und Daten einheitlich? Inwieweit kann Sie die Struktur der ICF dabei unterstützen? Entscheiden Sie gemeinsam ein einheitliches praxisweites Vorgehen, das alle Beteiligten mittragen und nach außen vertreten. Passen Sie Ihre Dokumente entsprechend an.

Aus der Rahmenempfehlung Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie

Ergebnisqualität

In der Rahmenempfehlung für den Bereich Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie ist die Ergebnisqualität als Grad der Zielerreichung durch logopädische Maßnahmen definiert (§ 16). Die Überprüfung erfolgt dabei sowohl während des Behandlungsverlaufs als auch am Ende der Verordnung.

Im Verlauf wird das Ergebnis der logopädischen Therapie regelmäßig anhand der Therapieziele und der therapeutischen Diagnostik überprüft, bei gleichzeitiger Beachtung der verordneten und durchgeführten logopädischen Leistungen.

Am Ende der Verordnung wird dann die anfängliche Leitsymptomatik mit dem tatsächlich erreichten Zustand verglichen. Dabei werden sowohl das Therapieziel gemäß der ärztlichen Verordnung als auch das Befinden und die Zufriedenheit des Patienten berücksichtigt.

Wirtschaftlichkeit

Die Wirtschaftlichkeit bezeichnet die „Zweck-Mittel-Relation“, d. h. dass also entweder ein bestimmtes Therapieziel mit geringstmöglichem Mitteleinsatz (Therapiemaßnahmen) erreicht oder dass – insbesondere bei chronischen Erkrankungen – der größtmögliche Nutzen (Therapieerfolg) mit den gegebenen Therapiemaßnahmen erzielt werden sollte.

Zu den Kriterien einer wirtschaftlichen Leistungserbringung gehören hier u. a. die Behandlungsdauer bis zur Erreichung des Therapieziels, der Status/Zustand und die Kooperation des Patienten (§ 20).

Außerdem interessant:

ICF: Diagnostik

ICF: Planung

ICF: Therapie

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