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Der Privatpatient – Selbstzahler oder Privatversicherter?

Privatpatienten sorgen immer wieder für Verwirrung in Heilmittelpraxen. Die Regeln für ihre Behandlung sind für viele noch schwerer zu greifen als jene für gesetzlich Versicherte. Hinzu kommen viele gesetzliche Grauzonen und verschiedene Patientengruppen. Daher gehen wir einer entscheidenden Frage auf den Grund: Wer oder was ist überhaupt ein Privatpatient?
Symbolbild Routine Bürokratie
© iStock: DNY59

Die Definition sagt: Jeder Patient, der privat für seine Therapie bezahlt, ist für eine Heilmittelpraxis ein Privatpatient. Zu diesem Personenkreis zählen also zum einen alle Selbstzahler. Von einem Selbstzahler sprechen wir immer dann, wenn ein Patient eine Heilmittelbehandlung aus eigener Tasche bezahlt und diese auch nicht durch eine Versicherung erstattet bekommt. Die zweite Personengruppe sind die Patienten, die in einer privaten Krankenversicherung (PKV) versichert sind.

Auch Beihilfepatienten zählen zu den Privatpatienten

Und dann gibt es noch die Beihilfepatienten. Unter der Beihilfe versteht das Gabler Wirtschaftslexikon eine „in Krankheits-, Geburts- und Todesfällen sowie für Aufwendungen bei Maßnahmen zur Früherkennung von Krankheiten und bei Schutzimpfungen gewährte Geldzahlung“, die an Beamte, Richter und Angestellte im öffentlichen Dienst ausgezahlt wird. Jeder Patient, der diese Geldzahlung im Krankheitsfall erhält ist also ein Beihilfepatient. Wir zählen sie zu den Privatpatienten, weil auch sie ihre Heilmittelbehandlung zunächst selbst bezahlt und sich das Geld dann bei der Beihilfe erstatten lassen kann. Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über die drei Gruppen von Privatpatienten.

  PKV-Versicherter Selbstzahler Beihilfepatient
Typische Situation Patient kommt mit einem Privatrezept. Patient wünscht eine Leistung auf eigene Kosten (zum Beispiel die Anlage eines Kinesiotapes oder ein Personaltraining). Patient kommt mit Privatrezept.
Versicherungsvertrag Besteht zwischen der PKV und dem Patienten. Im Versicherungsvertrag ist klar geregelt, für welche Heilmittelbehandlungen der Patient die Kosten erstattet bekommt. Für einen  Krankenversicherungsvertrag gelten dieselben Grundsätze wie für jede andere Versicherung: Leistungen, die nicht im Vertrag stehen, übernimmt die Versicherung auch nicht. Ist irrelevant, weil in diesem Verhältnis keine Versicherung die Kosten abdeckt. Beihilfeberechtigte können zusätzlich eine private Krankenversicherung abschließen,

die Leistungen übernimmt, die die Beihilfe nicht abdeckt.

Behandlungsvertrag Wird zwischen Patient und Praxis geschlossen
Wer bezahlt die Therapie? Der Patient selbst zahlt seine Therapie und erhält von der Praxis dafür eine Rechnung.
Kostenerstattung Der Patient reicht die Rechnung der Heilmittelpraxis bei seiner Krankenversicherung ein und bekommt dann die Kosten erstattet. Je nach Versicherungsvertrag kann der Anteil der Kostenerstattung unterschiedlich ausfallen. Zudem können bestimmte Heilmittel auch von der Erstattung ausgeschlossen sein. Sollte der Patient einen Versicherungsvertrag haben, der die Erstattung einer bestimmten Heilmittelbehandlung nicht vorsieht oder die Erstattung auf eine feste Summe begrenzen, so ist das nicht das Problem der Praxis. Gesetzlich Versicherte Selbstzahler können manche Leistungen bei unter Umständen bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Je nach Leistungsspektrum der Krankenkasse, werden ein Teil der Kosten oder die Gesamtkosten erstattet. Im Normalfall zahlt diese Patientengruppe die komplette Leistung aber selbst. Der Beihilfeberechtigte kann mit der Rechnung einen Antrag bei seiner zuständigen Beihilfestelle auf Kostenerstattung stellen.

 

Hat der Beihilfeberechtigte eine Zusatzversicherung abgeschlossen, kann er unter Umständen weitere Kosten zur Erstattung einreichen. Ob eine Leistung erstattet wird, hängt von seinem Versicherungsvertrag ab.

Mahnung Falls der Patient nicht zahlt, geht die Mahnung direkt an den Patienten. Er ist derjenige mit dem Ihre Praxis den Behandlungsvertrag geschlossen hat.
Preisgestaltung Außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung sind Therapiepraxen in ihrer Preisgestaltung frei. Auch wenn die Beihilfeberechtigten die Kosten nur bis zu einer definierten Höhe (Beihilfefähige Höchstsätze) erstattet bekommen, dürfen Praxen dennoch höhere Preise verlangen. Das Risiko der Differenz liegt beim Patienten, nicht bei den Therapeuten.
Gesetzlicher Rahmen Patienten kommen bereits mit einem Privatrezept. Auf diesem ist eine ärztliche Diagnose vermerkt. Für Heilmittelerbringer ist das eine ausreichende Legitimation, um eine Heilbehandlung durchzuführen. Wenn der Patient eine Leistung im Rahmen der primär- oder Tertiärprävention wünscht, so können Therapeuten diese ohne Weiteres erbringen. Wünscht ein Patient aber eine Heilmittelbehandlung im Rahmen der Sekundärprävention (also zur Heilung einer Krankheit), benötigt der Therapeut als Arbeitsgrundlage eine ärztliche Diagnose oder einen (sektoralen) Heilpraktiker-Titel. Patienten kommen bereits mit einem Privatrezept. Auf diesem ist eine ärztliche Diagnose vermerkt. Das genügt Heilmittelerbringern, um eine Heilbehandlung durchzuführen.
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