up|unternehmen praxis

Checkliste: Hochwasser – und was jetzt?

Das ist zu tun, wenn das Wasser gewichen ist
Stand 22. Juli 2021: Erst Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, dann auch Teile von Sachsen und Bayern – die Folgen des Hochwassers sind vielerorts verheerend. Sobald das Wasser weicht, wird das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Dann starten die Aufräumarbeiten. Doch wo anfangen? Was ist zu tun, wenn das Hochwasser gewichen ist? Wir haben wichtige Aspekte für Sie in einer Checkliste zusammengefasst. Außerdem lesen Sie, welche Dokumente in jeden Notfall-Ordner gehören.
© Stadtratte

Wichtig: Die Checkliste dient als allgemeine Orientierungshilfe, sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Binnen weniger Stunden zerstörten die Wassermassen ganze Städte und Landstriche. Viele Menschen kamen ums Leben, etliche Existenzen sind zerstört. Die ganzen Schäden werden erst sichtbar, wenn das Wasser weicht. Dann heißt es: Bestandsaufnahme machen und aufräumen.

Wer kommt für die Schäden auf?

Schäden durch Überflutung und Hochwasser zählen zu den Elementarschäden. Wer sich dagegen versichern möchte, der benötigt eine Elementarschaden-Versicherung. Sie deckt neben Schäden durch Überschwemmungen und Hochwasser auch jene durch Erdbeben und Schneemassen ab.

  • Im Privatbereich ist sie eine Ergänzung zur Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung.
  • Praxisinhaber können Elementarschäden über die Praxisinventarversicherung extra absichern.

Wichtig: In Hochwassergebieten ist es in der Regel nicht möglich, sich gegen Elementarschäden zu versichern.

Bei anderen Unwetterschäden greifen u. U. auch andere Versicherungen (siehe Kasten).

Sturm und Blitzschlag – diese Versicherungen haften

  • Hausratversicherung: Bspw. Schäden an Möbeln, technischen Geräten
  • Wohngebäudeversicherung: Bspw. Schäden am Dach
  • Teil- oder Vollkaskoversicherung (Auto): Bspw. bei Schäden durch umgestürzte Bäume

Private Haftpflichtversicherung: Bspw., wenn ein Passant durch umherfliegende Gegenstände verletzt wird

Wie erfolgt die Schadensmeldung?

Damit Schäden durch Versicherungen auch übernommen werden können, ist es sehr wichtig, noch vor den Aufräumarbeiten eine Schadensmeldung zu machen.

  1. Sobald Sie sich ein erstes Bild vor Ort machen konnten, informieren Sie alle Versicherungen, die möglicherweise betroffen sind, unverzüglich. Besprechen Sie das weitere Vorgehen. In der Regel machen Sie eine schriftliche Schadensmeldung und lassen sich eine Schadensnummer vom Versicherer geben. Eine detaillierte Auflistung der Schäden können Sie später einreichen.
  2. Fotografieren Sie die Schäden, idealerweise aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Wichtig ist, dass auf den Fotos klar zu erkennen ist, wann sie entstanden sind.
  3. Als Versicherungsnehmer sind Sie verpflichtet, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Sprich: Sie müssen alles unternehmen, um Hausrat und Gebäude vor weiteren Schäden zu schützen – etwa unverzüglich das Wasser abpumpen. Tun Sie das nicht, kann es sein, dass die Versicherung nicht für mögliche Folgeschäden aufkommt.
  4. Bevor Sie mit den Aufräumarbeiten beginnen, halten Sie Rücksprache mit dem Versicherer, ob der Schaden vorab gesichtet werden muss. Gleiches gilt für die Anschaffung neuer Dinge und/oder Reparaturaufträge.

Wen informiere ich über die Versicherungen hinaus?

Wenn Sie eine GKV-Zulassung haben und abzusehen ist, dass die Praxis für eine bestimmte Zeit geschlossen bleiben muss, informieren Sie unbedingt die zuständige ARGE. Denken Sie auch daran, Ihren Patienten Bescheid zu geben. Je nach Schwere der Schäden nehmen Sie u. a. auch Kontakt zu den städtischen Versorgungsunternehmen, aber auch zur Bundesagentur für Arbeit (Arbeitsausfälle), Ihrer Hausbank (Kredit) und dem Finanzamt (steuerliche Maßnahmen) auf.

Wo erhalte ich jetzt zusätzlich Hilfe?

  • Viele Berufsverbände bieten insbesondere organisatorische Unterstützung an.
  • Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat auf der Website eine Übersicht über betroffene Gemeinden und Städte sowie Kontaktmöglichkeiten zu Behörden und Initiativen veröffentlicht.
  • Der Bund und die Länder stellen insgesamt 400 Millionen Euro an Soforthilfen zur Verfügung. Aktuelle Informationen dazu finden Sie hier. Fragen Sie auch bei Ihrer Gemeinde direkt.

Hinweis: Der GKV-Spitzenverband empfiehlt im Zusammenhang mit dem Hochwasser, „die Überprüfung der vertragskonformen Heilmittelabgabe auszusetzen“, heißt es in einem Rundschreiben vom 22. Juli 2021. Das bedeutet, dass vom Hochwasser betroffene Praxen zunächst bis zum 15. August 2021 Behandlungen auch an anderen Orten durchführen dürfen. Entsprechende Verordnungen sind dann mit dem Kürzel „HW“ zu markieren.

 

Der direkte “Draht” zu den Verbänden:

  • Der dbl hat hier wichtige Informationen zusammengefasst.
  • Der ZVK informiert hier.

Vorbereitet für den Ernstfall: Der Notfall-Ordner

Bei einem Katastrophen- bzw. Notfall hat man in der Regel nur wenig Zeit, wichtige Dokumente zusammenzusuchen. Legen Sie sich daher unbedingt einen Notfall-Ordner an, in dem Sie alle wichtigen Informationen und Dokumente (in Kopie) hinterlegen. Überlegen Sie auch, ob Sie die Informationen online in einer Cloud sichern. Denken Sie an:

  • Wichtige Ansprechpartner und Kontaktdaten
  • Informationen zu allen Versicherungen
  • Informationen zu allen Verträgen, die die Praxis betreffen (bspw. Leasingverträge, Verträge mit Dienstleistern)
  • Informationen rund um die Praxisimmobilie (bspw. Mietvertrag, Stromanbieter, Telekommunikationsvertrag)
  • Arbeitsanweisungen
  • Informationen zu Vollmachten und Zugangsdaten und wo diese hinterlegt sind

Tipp: Über den Buchner-Shop können Sie ein Notfall-Handbuch für Heilmittelpraxen bestellen.

Weiterführende Informationen

0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all Kommentare
0
Wir würden gerne erfahren, was Sie meinen. Schreiben Sie einen Kommentar.x