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Raus aus der Behandlung

Ich möchte Produkte entwickeln, die Probleme von Therapeuten lösen

Jenny Lazinka, Physiotherapeutin, erzählt von ihrer Arbeit als Produktmanagerin
Eigentlich wollte Jenny Lazinka nach dem Abitur Sport studieren. Eine Knieverletzung hat ihr dann aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie entschied sich, ein duales Studium zur Physiotherapeutin zu absolvieren. Über ihre Bachelorarbeit kam sie zu ihrem jetzigen Beruf: Produktmanagerin bei der Buchner & Partner GmbH. Uns hat sie Einblicke in ihren Berufsalltag gewährt und erzählt, warum sie sich nicht mehr vorstellen kann, 40 Stunden an der Bank zu stehen.
Ich möchte Produkte entwickeln, die Probleme von Therapeuten lösen
© arendt schmolze

Ein Unfall in der 13. Klasse sorgte dafür, dass Jenny Lazinka ihren Plan des Sportstudiums an den Nagel hängen musste. „Ich habe damals keinen Arzt gefunden, der mir aufgrund der Verletzung die Sporttauglichkeitsbescheinigung für die Aufnahmeprüfung ausgestellt hat“, berichtet sie. „Meine Mutter hatte dann die Idee, dass ich Physiotherapeutin werden könne.“ Durch den Unfall war sie selbst in Behandlung und hat gemerkt, wie sehr Physiotherapie ihren Gesundheitszustand verbesserte. „Ich habe mich für ein Duales Studium in Kiel beworben, eines der ersten dieser Art überhaupt“, berichtet die Produktmanagerin. „Ich wurde zum Einstellungstest eingeladen, bekam die Zusage und habe direkt selbst zugesagt.“

Erst Praktikum, dann Teilzeit, dann Vollzeit

Ihre Bachelorarbeit hat sie dann über ein betriebswirtschaftliches Thema geschrieben. „Ralf Buchner, Geschäftsführer der Buchner & Partner GmbH, hat mich damals mit betreut“, sagt die Physiotherapeutin. „Daraufhin bekam ich das Angebot, ein mehrwöchiges Praktikum bei buchner zu machen.“ Danach folgte direkt ein Stellenangebot. „Ich habe zu der Zeit Teilzeit in einer Praxis und Teilzeit bei Buchner gearbeitet“, erzählt die Produktmanagerin. „Nach etwa einem halben Jahr waren die Aufgaben so umfangreich, dass ich die Stunden aufstocken konnte und dann auch relativ schnell aufgehört habe, in der Praxis zu arbeiten.“

Berufsbegleitend zum Master

Das Angebot von buchner richtet sich an Therapeuten in der Heilmittelbranche und reicht von Formularen, Publikationen und Apps über Seminare bis hin zu Software. Ihre erste Stelle im Unternehmen war Assistenz im Produktmanagement. Dort habe sie viel zugearbeitet, recherchiert, Produkte vorbereitet und Formulare entwickelt. „Nach einem Jahr habe ich auf meinen Wunsch hin einen berufsbegleitenden Master in BWL angefangen“, so Frau Lazinka. „Für meine jetzige Position als Produktmanagerin ist die Kombination aus therapeutischem und betriebswirtschaftlichem Wissen perfekt.“

Produkte, die Probleme lösen

Die Arbeit als Produktmanagerin sei super vielfältig und die eigentliche Produktentwicklung nur ein Teil ihrer Arbeit. Sie kommuniziere viel mit Therapeuten und Kunden, um herauszufinden, wo es Probleme im Arbeitsalltag gibt – telefonisch, per E-Mail und auch persönlich vor Ort. „Ich möchte Produkte entwickeln, die Probleme von Therapeuten lösen“, so Frau Lazinka. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Produktentwicklung sei, politisch und branchenpolitisch stets auf dem neusten Stand zu bleiben, um keine veralteten Produkte zu vertreiben.

Von der Idee zum fertigen Produkt

Die Produktentwicklung selbst fängt immer mit einer Idee an. „Ich mache mir ein grobes Konzept und überlege, wie sich die Idee umsetzen lässt“, so die Produktmanagerin. „Dazu gehört auch, zu kalkulieren, ob sich die Umsetzung des Projektes lohnt.“ Sei das der Fall, gehe es an die praktische Umsetzung. „Je nach Projekt folgen dann viele Einzelschritte bis zum fertigen Produkt. Bei einem Buchprojekte beispielsweise starte ich mit der Recherche, suche ich mir ggf. Co-Autoren, führe Interviews, schreibe das Manuskript, kümmere mich darum, dass das Buch final redigiert wird, lese Korrektur und bespreche mich mit den Grafikern, die das Buch setzen.“

Ein Plus: Freiere Zeiteinteilung

„Was ich an meiner Arbeit besonders liebe, ist, dass ich am Ende immer ein fertiges Produkt in den Händen halte“, so Frau Lazinka. „Das hat mir in der Therapie gefehlt.“ Patienten, die gesund nach Hause gehen oder Dauerpatienten, deren Gesundheitszustand sich verbessert, seien einfach weniger greifbar. Zudem wisse sie es sehr zu schätzen, so frei arbeiten zu dürfen – sowohl was die Aufgaben angehe, als auch hinsichtlich der Arbeitszeitgestaltung. „Ich habe zwei kleine Kinder und da ist eine relativ freie Zeiteinteilung für mich total wertvoll“, so die Produktmanagerin. „Das ist in der Praxis ja nur bedingt möglich.“

Die Therapie hat ihr viel Energie geraubt

Ein ganz ausschlaggebender Punkt, warum sie sich gegen die Arbeit in der Praxis entschieden hat, war jedoch folgender: „Ich war den ganzen Tag im engsten Körperkontakt mit den Patienten. Früher hätte ich mir nicht vorstellen können, dass man über so viel Körpernähe auch viel mehr die Probleme seiner Patienten in sich aufsaugt. An manchen Abenden war ich einfach nur fertig. Deshalb konnte ich mir nicht vorstellen 40 Stunden pro Woche Patienten zu behandeln.“ Zudem habe sie gemerkt, dass die Arbeit als Therapeutin einfach nicht dem entsprach, was sie sich darunter vorgestellt hat. „Ich wollte dem Patienten immer mehr bieten, als tatsächlich vergütet wurde.“ So zu arbeiten, habe sie nicht befriedigt. Doch gebe es natürlich auch Aspekte, die sie an der Arbeit in der Praxis sehr geschätzt hat. „Mir hat die Kommunikation mit den Patienten immer sehr gefallen und auch, zu sehen, wie viel man mit der Therapie bewegen kann.“ Für sie sei es jedoch keine Option, wieder zurück in die Praxis zu gehen: „Wenn ich mit Leuten über meine Arbeit spreche, kann ich nur immer wieder sagen, dass ich meinen Job liebe.“

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