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Kommentar

Nach der Verhandlung ist vor der Verhandlung

Sepp Herberger wird der Spruch „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ zugeschrieben. Das muss jetzt im übertragenden Sinne auch die Devise der Heilmittelerbringer sein: Nach der Verhandlung ist vor der Verhandlung! Nach dem faktischen Scheitern des Schiedsverfahrens zum bundeseinheitlichen Versorgungsvertrag stehen die nächsten Vertragsverhandlungen vor der Tür. Der Vertrag zur Blankoverordnung soll nach dem Wortlaut des Gesetzes zum 15. März verabschiedet sein. Auch die Kostenvereinbarung zur Teilnahme der Physiotherapeuten an der Telematikinfrastruktur wird bis Ende März erwartet. Wird der 15. März gerissen, läuft automatisch das Schiedsverfahren an.
© Buchner

Am vergangenen Mittwoch, den 3. März haben die vier maßgeblichen Verbände der Physiotherapeuten via Social Media ziemlich kleinlaut das noch nicht veröffentlichte Ergebnis der Schiedsverhandlungen vorgetragen. Kopfschütteln und Unverständnis waren die freundlicheren Reaktionen auf diese Präsentation. Was fehlt ist eine saubere Aufarbeitung der Stolperstellen und ein Plan, wie in der nächsten Verhandlungsrunde besser bzw. erfolgreicher verhandelt wird. Die in der Präsentation der Physiotherapieverbände verbreitete Zuversicht, in der nächsten Verhandlung alles besser machen zu wollen, wird inzwischen nicht einmal mehr von treuen Verbandsmitgliedern geteilt. Respekt vor dem Arbeitseinsatz der Verhandler darf nicht über vollkommen unzureichende Ergebnisse hinwegtäuschen. Es ist höchste Zeit für strategische und personelle Konsequenzen.

Eine übliche Maßnahme, künftige Verhandlungen erfolgreicher zu machen, besteht darin die Verhandlungsziele in größerer Gruppe abzustimmen. Das wollen wir z. B. heute Abend um 18:00 Uhr auf der Podiumsdiskussion zum Thema Blankoverordnung machen. Unsere Einladung zum Gespräch an die maßgeblichen Verbände im SHV hat uns eine komplette Absage eingebracht. Die Begründung lautete sinngemäß, über Blankoverordnungen könne man nicht reden, weil es noch keine Vertragsverhandlungen dazu gegeben hätte. Wie man sieht, entfernen sich die alten, ehrwürdigen Institutionen der traditionellen Verbände immer weiter von einer Interessensvertretung der Branche. Das sollte uns nicht davon abhalten, dass wir uns gerade bei dem wichtigen Thema Blankoverordnung eine eigene Meinung bilden.

Vielleicht sehen wir uns heute Abend?

Ihr

Ralf Buchner

Hinweis: Wenn Sie nicht live dabei sein konnten, finden Sie hier einen Mitschnitt der Podiumsdiskussion zum Thema Blankoverordnung: https://www.youtube.com/watch?v=gPcmASyHqOs

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