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eGBR: Einlasskontrolle zur TI

Zum Einstieg reichen ein Heilberufsausweis für den Praxisinhaber und eine SMC-B für die Praxis
Wer an der Telematikinfrastruktur teilnehmen möchte, benötigt einen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) und eine Security Module Card Typ B (SMC-B) für die Praxis. Das elektronische Gesundheitsberuferegister (eGBR) bei der Bezirksregierung Münster ist für die Ausgabe dieser Ausweise an Angehörige nicht approbierter Heilberufe verantwortlich. Johannes Haunhorst, Dezernent des eGBR, und Dr. Christian Uebach, der die technische Abwicklung organisiert, geben uns einen Einblick in die Arbeit des eGBR.
eGBR: Einlasskontrolle zur TI

Warum wurde das eGBR als ausgebende Stelle für eHBA und SMC-B geschaffen?

HAUNHORST: Die Berufsgruppen, an die wir die Karten ausgeben, wie Hebammen, Pflegefachberufe und Physiotherapeuten, sind nicht in Berufskammern organisiert. Darum braucht es eine öffentlich-rechtliche Stelle, die die Ausgabe der Ausweise übernimmt.

Sind denn Therapeuten irgendwie eingebunden?

HAUNHORST: Ja, es gibt einen Fachbeirat, in dem die Berufsverbände vertreten sind, und der uns den fachlichen Input gibt. Obwohl wir uns noch in der Pilotphase befinden, tagt der Fachbeirat bereits regelmäßig.

Im Heilmittelbereich können bisher nur die Physiotherapeuten die Ausweise beantragen. Wann ist geplant, dass auch Ergotherapeuten, Logopäden, Podologen und Ernährungstherapeuten eHBA und SMC-B erhalten können?

HAUNHORST: Dazu kann ich gar keinen konkreten Zeitpunkt nennen. Die Steuerung dafür liegt nicht bei uns. Das läuft über das zuständige Gesundheitsministerium und die Bund-Länder-Arbeitsgruppe. Dort wird beschlossen, wann weitere Berufsgruppen angebunden werden.

Die Aufgabe des eGBR ist, zu prüfen, ob die Leute, die vorgeben Therapeuten zu sein, es auch wirklich sind. Wie funktioniert das?

HAUNHORST: Bei uns beantragen Therapeuten den elektronischen Heilberufsausweis und wir prüfen dann, ob diese Person befugt ist, den Beruf auszuüben. Dafür benötigen wir eine Anbindung an die Stellen, die das bestätigen können. Je nach Bundesland ist das ganz unterschiedlich organisiert. In NRW beispielsweise sind dafür 53 Gesundheitsämter und die fünf Bezirksregierungen zuständig. In kleineren Bundesländern gibt es häufig auch zentrale Landesämter, die das machen. Diese Stellen sind an unsere Fachanwendungen angeschlossen, erhalten den Antrag, prüfen, ob die Berufserlaubnis vorliegt, und bestätigen uns das dann.

Auf dieser Grundlage wird eine Vorgangsnummer erstellt und mit dieser Nummer kann dann der Antragssteller den elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) bei einem sogenannten Vertrauensdiensteanbieter bestellen, der den Ausweis dann herstellt. Dieser Ausweis bleibt fünf Jahre gültig.

Der eHBA authentifiziert mich als Therapeuten. Und damit kann ich dann den Praxisausweis, die SMC-B-Karte beantragen?

HAUNHORST: Genau, man braucht zunächst den eHBA, um dann die SMC-B für die zugehörige Institution beantragen zu können. Dafür prüfen wir dann die Berechtigung der entsprechenden Institution.

UEBACH: Wichtig dabei ist, dass Sie nachweisen, dass Sie Leistungen im Sinne des SGB V oder SGB XI abrechnen dürfen, zum Beispiel über den Beitritt zu einem Rahmenvertrag.

Wie lange dauert es, von der Antragsstellung bis ich die Vorgangsnummer bekomme?

HAUNHORST: Das hängt von der bestätigenden Stelle ab. Wenn wir nach drei Wochen nichts gehört haben, haken wir nach.

UEBACH: Ich habe es aber schon erlebt, dass Anfragen nach einer Stunde beantwortet waren. Das ist individuell sehr verschieden.

Wenn ich dann noch etwa zwei Monate dazu nehme, die der Vertrauensanbieter benötigt, um die Karte zu produzieren, kann man sagen, so ein Quartal sollte man einplanen, für die Zeit vom Antrag bis zur Karte?

HAUNHORST: Meiner Ansicht nach sind drei Monate noch etwas zu lang. Das sollte schneller gehen. Es fehlen uns allerdings auch noch die Erfahrungswerte, was die Herstellungszeiten betrifft. Wir befinden uns ja noch im Pilotbetrieb.

Was heißt Pilotbetrieb?

HAUNHORST: Das bedeutet, wir agieren derzeit noch nicht bundesweit, sondern die Antragsstellung ist momentan noch auf einzelne Bundesländer, namentlich Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, beschränkt. Zudem werden derzeit noch keine Gebühren für die Verwaltungsleistung des eGBR erhoben.

Kann ich mir dann die Vorgangsnummer jetzt schon auf Vorrat besorgen und die Karte erst später beim Vertrauensdiensteanbieter bestellen – um die Gebühr zu sparen?

UEBACH: Das geht nur bedingt. Die Vorbefüllung, die wir an den Vertrauensdiensteanbieter übermitteln, wird dort für 90 Tage gespeichert. Danach wird sie wieder gelöscht. Dann müsste man einen neuen Antrag stellen.

Brauchen denn wirklich alle Therapeuten einen eHBA oder reicht es auch, wenn zum Beispiel die Praxisinhaberin einen Ausweis hat und so die Telematikinfrastruktur nutzen kann?

HAUNHORST: Nach unserem Kenntnisstand ist es so, dass häufig eine Person in der Praxis den Zugang für mehrere Mitarbeiter verwaltet. Das würde dann in der Regel auch ausreichen.

UEBACH: Ja genau, der Institution muss eine Person zugeordnet werden, die einen eHBA hat. Auf die meisten Anwendungen der Telematikinfrastruktur können diese dann über die SMC-B der Praxis zugreifen. Der elektronische Heilberufsausweis wird dann wichtig, wenn Sie etwas qualifiziert signieren möchten.

Wenn ich über KIM, also die Kommunikationsanwendung der TI, einen Therapiebericht an einen Arzt schicke, brauche ich dafür ja keine elektronische Signatur. Das kann ich dann auch ohne eHBA machen?

UEBACH: Ja, wenn Sie dafür KIM nutzen, wird das über die SMC-B der Praxis gesteuert. Es benötigt nicht jeder Praxismitarbeiter einen eigenen eHBA dafür.

Herr Haunhorst, Herr Uebach, vielen Dank für das Gespräch.

[Das Gespräch führte Ralf Buchner.]

 

Zur Person:

Johannes Haunhorst:

Johannes Haunhorst ist Dezernent bei Bezirksregierung Münster. Er leitet das dortige Dezernat „Elektronische Gesundheitsberuferegister (eGBR)“.

Dr. Christian Uebach:

Christian Uebach ist Mitarbeiter der Bezirksregierung Münster. Er ist mit dem konzeptionellen Aufbau des elektronischen Gesundheitsberuferegisters (eGBR) und seiner strategischen Weiterentwicklung befasst.

Weitere Informationen zum eGBR und zum Antragsverfahren sind auf www.egbr.de abrufbar.

Das gehört noch zur TI-Sonderausgabe:

Was ist die Telematikinfrastruktur?

Die wichtigsten Begriffe

Von Notfalldatenmanagement bis elektronische Patientenakte

Finanzierung der TI

Interview mit Dr. Florian Hartge, CPO der gematik

Interview mit Johannes Haunhorst und Dr. Christian Uebach, eGBR: Einlasskontrolle zur TI

TI-Fahrplan bis 2026

Ein Blick in die Zukunft

Auf einen Blick – Diese Vorteile bietet die TI für die Praxis

 

 

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