Krankenrückkehrgespräch

Ein Teammitglied nach einer Krankschreibung will- kommen zu heißen, ist eine nette Geste. Wenn Du Deine Freude über die Rückkehr zeigst, werden es alle im Praxisteam merken – und mögen. Kleine Geste, große Wirkung: Du schaffst Vertrauen und Verbindung. Ergänzen kannst Du das mit einem Krankenrückkehrgespräch.
Nicht mit dem BEM verwechseln
Das Krankenrückkehrgespräch ist nicht mit dem BEM zu verwechseln, dem betrieblichen Wiedereingliederungsmanagement, zu dem Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet sind. Ein BEM-Gespräch muss gemäß §167 Abs. 2 SGB IX nach einer länger als sechs Wochen ununterbrochenen oder wiederholten Arbeitsunfähigkeit in den vergangenen zwölf Monaten durchgeführt werden. Das Krankenrückkehrgespräch dagegen ist ein freiwilliges Angebot und muss kaum rechtliche Anforderungen erfüllen.
Enorme Vorteile für alle
Für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber: Mit dem Krankenrückkehrgespräch signalisierst Du Fürsorge und ein echtes Interesse an Deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dein Arbeitgeberinteresse geht noch weiter: Du möchtest Deine Leute dauerhaft gesund halten. Durch das Gespräch kannst Du ermitteln, was Du oder das gesamte Team tun kann, um den Krankenstand langfristig niedrig zu halten und ein angenehmes, förderliches und gesundes Arbeitsklima zu schaffen. Denn Krankheitsausfälle wirken sich nicht zuletzt massiv auf das ganze Team und die komplette Praxis aus. Der Arbeitsdruck steigt oder es kommt zu Therapie- und Einnahmeausfällen.
Das Gespräch ermöglicht Dir, nach der Ursache der Krankmeldung zu forschen. Ziel sollte sein, herauszufinden, ob die Krankheit mit der Arbeit zu tun hatte. Liegen die Krankheitsgründe an Arbeits- oder Arbeitsplatzbedingungen, am Team oder an Dir als Arbeitgeber? Ist die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter Mobbing ausgesetzt, gibt es Konflikte im Team, besteht zu viel Stress oder ist die Arbeitslast zu groß? Vieles kann dazu führen, dass sich Arbeitnehmer krank fühlen oder als Ausweg krankschreiben lassen.
Nicht angenehm, Kritik dieser Art zu hören. Doch darin liegt eine große Chance: Nur durch eine offene und ehrliche Kommunikation, die auf Vertrauen beruht, werden Schwachstellen in der Praxis erkennbar. Und nur so habt Ihr die Möglichkeit, Lösungen zu finden und Änderungen vorzunehmen. Wenn Du weißt, was die Leute in Deinem Team bewegt und womöglich sogar krank macht, kannst Du für Optimierungen sorgen. Das Gespräch ermöglicht Dir aber auch zu prüfen, ob die Gründe in der Person selbst zu finden sind. Gerade wenn die Arbeitsbedingungen gut sind, kann es sein, dass Du es mit jemandem zu tun hast, der nicht besonders arbeitswillig ist.
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Durch das Krankenrückkehrgespräch bietet sich Teammitgliedern die Gelegenheit, zum einen über die eigene Verfassung zu sprechen und zum anderen auf Missstände hinzuweisen.
Zweck klarmachen
Das Krankenrückkehrgespräch ist ein Aspekt der Mitarbeiterführung, es geht um eine zugewandte und zielgerichtete Kommunikation. Deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fürchten vielleicht, ausgehorcht zu werden und dass ihnen ihre Krankheit zum Nachteil gerät. Diese Ängste kannst Du nehmen, indem Du den Sinn des Gesprächs klar und transparent erklärst. Verweigert das Teammitglied die Teilnahme, darfst Du ein Gespräch anordnen. Kommt die Person unentschuldigt nicht, liegt ein Abmahngrund vor. Beides sollte jedoch der letzte Weg sein, denn beides untergräbt die Gesprächsabsicht. Besser ist es, die Chancen, Vorteile und den persönlichen Nutzen erneut herauszustellen und zu klären, woher der Unwille stammt.
Einige Tipps
- Benutze das Gespräch nicht als Kontrolle des Fehlzeitenverhaltens, denn dann erreichst Du das Gegenteil von dem, was Du erreichen möchtest. Sorge für Entlastung und nicht für Belastung!
- Für das Gespräch gilt keine festgeschriebene Mindestkrankheitsdauer. Ein Richtwert könnte sein: ab einwöchiger Krankmeldung.
- Der Zeitpunkt ist frei wählbar. Es empfiehlt sich, das Gespräch frühzeitig nach der Rückkehr zu führen.
- Wähle einen kleinen persönlichen Rahmen, der zu einer angenehmen Atmosphäre beiträgt.
- Führe das Gespräch vertraulich unter vier Augen. Es sei denn, Ihr habt einen Betriebsrat und die oder der Betroffene wünscht eine Begleitperson.
- Entwickle einen Leitfaden, an dem Du Dich bei jedem Krankenrückkehrgespräch orientierst.
- Zeige Feingefühl, das Gespräch ist kein Verhör.
- Triff Vereinbarungen mit Deinem Gegenüber, wenn Probleme offenbar werden.
- Fürchte Tiraden und Forderungen nicht. Betrachte das Gespräch immer als Chance. Denke einfach: Es ist besser, die Probleme zu kennen als nicht.
- Mache Dir hinterher Gesprächsnotizen als Ge- dankenstütze für mögliche spätere Gespräche. Führe währenddessen kein Protokoll, das Dein Gegenüber womöglich noch unterschreiben soll. Beides ist unnötig und erzeugt Ängste.
Diese fünf Fragen sind erlaubt
Vermutest Du eine Arbeitsunwilligkeit, unterstelle diese nicht. Du darfst auch nicht nach dem Krankheitszustand oder der gesundheitlichen Situation fragen. Es sei denn, es besteht ein Infektionsrisiko oder eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Kläre die Abwesenheitsgründe mit vorsichtigen Fragen:
- Was war die Krankheitsursache?
- Ist die Krankheit ausgeheilt?
- Fühlst Du Dich wieder voll belastbar?
- Gibt es betriebliche Ursachen für die Erkrankung?
- Lassen sich durch verbesserte oder veränderte Arbeitsbedingungen Folgeerkrankungen vermeiden?
Krankenrückkehrgespräch – ja oder nein?
Mit dem Krankenrückkehrgespräch profitierst Du frühzeitig von den positiven Aspekten einer „Aussprache“. Du kannst damit Fehlzeiten reduzieren und Burnouts wegen Überlastung entgegenwirken. Es ist ein Baustein einer offenen Kommunikationskultur und einer Arbeitsatmosphäre, in der sich Dein Team wohlfühlt. Du hast die Chance, Konflikte und Schwachstellen zu identifizieren und zu lösen. Wenn Du Deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diese Prozesse einbindest, bindest Du sie gleichzeitig an Deine Praxis. Denn diese Art Wertschätzung erzeugt Loyalität zur Praxis und trägt dazu bei, Personal halten zu können und nicht neu suchen zu müssen – eine Methode gegen den Fachkräftemangel!
Juristisch hast Du nichts zu befürchten, weil Du nichts falsch machen kannst. Im Mittelpunkt steht die Kommunikation, und die kann nur zum Vorteil der Praxis sein.
Hörtipp: Brigitte Harste und Laura Albrecht im up-podcastEinfach mal reinhören zum Thema: „Geht’s Dir wieder gut? Das Krankenrückkehrgespräch“ unter: www.up-aktuell.de/podcast-krg |
