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„Wir müssen dafür sorgen, dass wir qualitätsgesichert, hochwertig, evidenzbasiert arbeiten“

Experten erklären im Podcast, wie sie sich die Zukunft der Therapieberufe vorstellen
In unserem Podcast up_Doppelbehandlung haben wir mit einer Gesundheitswissenschaftlerin, zwei Professoren für Physiotherapie bzw. Bewegungstherapie und dem Vorsitzenden des Verbandes leitender Lehrkräfte an Schulen für Physiotherapie über die Reform der Berufe in der Physiotherapie gesprochen. Hier ein kleiner Vorgeschmack:
„Wir müssen dafür sorgen, dass wir qualitätsgesichert, hochwertig, evidenzbasiert arbeiten“
© iStock: ZargonDesign

Dr. Claudia Kemper, Gesundheitswissenschaftlerin und Physiotherapeutin: „Ich wünsche mir den Direktzugang und eine Profession, die selbständig, eigenverantwortlich, qualitätsgesichert, einen hohen Stellenwert in der Gesundheitsversorgung einnimmt.“

Direktzugang

Die Patienten sollten entscheiden können, ob sie zuerst zum Arzt oder direkt zum Physiotherapeuten gehen möchten. Und auch die Therapeuten sollten entscheiden können, ob sie sich zutrauen, so zu arbeiten, bzw. die entsprechende Qualifikation erwerben wollen.

Akademisierung

Um eine akademische Ausbildung kommen wir nicht herum. Wir leben in einer globalisierten Welt. Da können wir bei der Ausbildung in Deutschland nicht auf eine Insellösung setzen. Die jungen Leute stimmen auch mit den Füßen ab. Sie wollen eine akademische Ausbildung und mit Patienten arbeiten.

Zertifikatspositionen

Wenn wir eine gute, einheitliche, qualitätsgesicherte Ausbildung haben, brauchen wir keine Zertifikate mehr. Wir müssen uns aber verpflichten, regelmäßig qualitätsgesicherte Fortbildungen zu machen.

Bestandschutz

Es wird Übergangsfristen und auch Bestandsschutz geben. Wer an Tag X Physiotherapeut ist, wird auch Physiotherapeut bleiben.

Das Gespräch mit Dr. Kemper hören Sie hier im Podcast.

Andreas Pust, 1. Vorsitzender des Verbandes leitender Lehrkräfte an Schulen für Physiotherapie e.V. (VLL): „Für mich ist eine Kompetenzentwicklung, die darauf abzielt, mehr Autonomie und Professionalität zu gewährleisten, das Maß aller Dinge.“

Zukunft der Therapieberufe

Die Gestaltung des therapeutischen Prozesses, von Diagnostik über die Begleitung des Patienten bis zur Evaluation gehört wirklich in die Hände derjenigen, die es auch durchführen. Dementsprechend wäre da eine Selbstgestaltung und kein aufoktroyierter Zeitrhythmus von 15 oder 20 Minuten für mich wesentlich zielführender, um für eine effiziente Patientenversorgung zu sorgen.

Akademisierung

Wir stehen hinter der Forderung, einer Vollakademisierung den Weg zu bereiten. Dabei sollte eine Praxisorientierung in einem wissenschaftsorientierten Studium nicht unter die Räder kommen.

Wenn ich Persönlichkeiten habe, die eigenverantwortlich den therapeutischen Prozess steuern, dann müssen entsprechende Kompetenzprofile sein, die da über die Ausbildung, über das Studium anzubahnen sind. Und da sind schlicht und ergreifend die Grenzen einer berufsfachschulischen Ausbildung erreicht.

Finanzierung

Wir können uns eine Lastenteilung vorstellen. Wenn Bund und Länder für die hochschulischen Strukturen sorgen, dann könnte man durchaus auch fondsfinanzierte Konstrukte heranziehen, um zum Beispiel den Anteil der praktischen Ausbildung über die Kostenträger zu schultern.

Das Gespräch mit Herrn Pust hören Sie hier im Podcast.

Prof. Mieke Wasner, Professorin für Physiotherapie, Dekanin der Fakultät für Therapiewissenschaften und Mitglied im Vorstand des Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe e. V.: „Ich sehe, dass das Potenzial der Physiotherapeuten in unserem Gesundheitssystem in Deutschland nicht ausgenutzt ist.“

Direktzugang

Ich glaube, dass die Physiotherapeuten mehr Kompetenzen haben und auch haben könnten, als ihnen im System zugesprochen werden. Über den Direktzugang können andere Engpässe entlastet werden, es können andere Berufsgruppen entlastet werden.

Ich bin dafür, dass akademisierte Therapeuten unbedingt den Direktzugang haben sollen, aber auch jetzt schon ausgebildete Therapeuten entscheiden können sollen, ob sie sich dahin nachqualifizieren lassen. Es muss nicht jeder am Ende im Direktzugang arbeiten.

Akademisierung

Der Bachelor sollte das Einstiegslevel für den Beruf des Physiotherapeuten sein. Ich meine damit aber nicht das gesamte physiotherapeutische Berufsbild und Arbeitsfeld, denn in dem haben wir jetzt auch schon andere Berufe.

Finanzierung

Wichtiger als eine Ausbildungsvergütung wäre mir eine angemessene Vergütung für die praktische Anleitung, sprich für denjenigen, der in der Praxis oder im Krankenhaus den Lernenden anleitet.

Das Gespräch mit Prof. Wasner hören Sie hier im Podcast.

Prof. Robert Richter, Professor für Bewegungstherapie im Studiengang Physiotherapie an der Hochschule Furtwangen: „Wir qualifizieren die Physiotherapeuten natürlich nicht für die Theorie, wie oftmals fälschlicherweise angenommen oder verlautbart wird, sondern für die Arbeit mit Patientinnen und Patienten.“

Direktzugang

Es geht darum, dass wir die volle Versorgungsverantwortung für Menschen übernehmen können, und das bedingt bestimmte Kompetenzen, zum Beispiel im Bereich des Screenings. Dann ist die Frage, kann man das in einem Bachelor gewährleisten oder wird vielleicht der Master mit solchen Inhalten theoretischer und praktischer Art befüllt werden und dann das Qualifikationsniveau darstellen für den Direktzugang.

Akademisierung

Das Ziel ist in zehn bis 15 Jahren eine Vollakademisierung zu bekommen, d. h. auch wie international üblich, Physiotherapeuten grundständig hochschulisch auszubilden.

Finanzierung

Eine Ausbildung sollte vom Staat aus finanziert werden, weil sie dazu führt, dass man den Nachwuchs für die Erfüllung einer staatlichen Aufgabe heranbildet – in unserem Fall, die Gesundheitsversorgung zu sichern.

Zertifikatspositionen

Einerseits müssen wir prüfen, ob die Zertifikatspositionen vor der Wissenschaft Bestand haben. Und andererseits müssen wir sagen, wenn es notwendige Inhalte für die Therapie sind, gehören die auch in die Ausbildung hinein.

Das Gespräch mit Prof. Richter hören Sie hier im Podcast.

Weitere Stimmen zur Reform der Berufe in der Physiotherapie:

Direktzugang wird sich positiv auf die Patientenversorgung auswirken: Verbände und Interessenvertretungen: So stehen IGThera-SH und die Vereinten Therapeuten zur Reform der Berufe in der Physiotherapie

„Der Direktzugang findet in der Praxis statt. Wir müssen ihn nur noch legalisieren.“ – Interview mit Dr. Roy Kühne, MdB und Physiotherapeut

Reform der Berufsgesetze: Das sagen die Therapeuten selbst

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