up|unternehmen praxis

Statt Sach- und Wert- nun Einzweck- und Mehrzweck-Gutscheine: Neue Regeln für die Umsatzbesteuerung

Seit Beginn des Jahres gelten für die umsatzsteuerliche Behandlung von Gutscheinen neue Regeln: Es wird nun nicht mehr nach Sach-, Wert- und Waren-, sondern in Einzweck- und Mehrzweck-Gutscheine unterschieden. Durch die Neuregelung wird eine EU-Richtlinie in nationales Recht übertragen, die bereits 2016 verabschiedet wurde. In § 3 Abs. 13-15 Umsatzsteuergesetz (UstG) finden sich entsprechende Ergänzungen. Hier wird jetzt auch erstmals der Begriff Gutschein umsatzsteuerrechtlich definiert.
Statt Sach- und Wert- nun Einzweck- und Mehrzweck-Gutscheine: Neue Regeln für die Umsatzbesteuerung
© iStock: Oscar_Ghost

§ 3 Abs. 14 UstG beschreibt einen Einzweck-Gutschein als einen Gutschein, „bei dem der Ort der Lieferung oder der sonstigen Leistung, auf die sich der Gutschein bezieht, und die für diese Umsätze geschuldete Steuer zum Zeitpunkt der Ausstellung des Gutscheins feststehen“. Die Umsatzsteuer fällt dann direkt beim Verkauf des Gutscheins an.

In der Praxis ist das zum Beispiel der Fall, wenn Patienten Gutscheine kaufen, die nur bei Ihnen und nur für eine bestimmte Leistung, deren Umsatzsteuersatz feststeht, eingelöst werden können. Verkaufen Sie also einen Gutschein für eine bestimmte Wellness-Behandlung, etwa eine Hot Stone Massage, gilt hier immer ein Umsatzsteuersatz von 19 Prozent. In diesem Fall löst bereits der Verkauf des Gutscheins Umsatzsteuer aus. Der Ort der Lieferung oder Leistung ist übrigens nicht auf die Praxis beschränkt. Es reicht schon aus, wenn feststeht, in welchem EU-Mitgliedsstaat der Gutschein eingelöst wird.

Mehrzweck-Gutscheine für Leistungen mit unterschiedlichem Umsatzsteuersatz

Mehrzweck-Gutscheine sind nach § 3 Abs. 15 UstG alle Gutscheine, bei denen es sich nicht um einen Einzweck-Gutschein handelt, das heißt, Gutscheine, die die Voraussetzungen, die an den Einzweck-Gutschein geknüpft sind, nicht erfüllen. Das ist zum einen der Fall, wenn nicht feststeht, in welchem EU-Staat der Gutschein gelöst wird – wobei das Heilmittelpraxen wahrscheinlich eher weniger betreffen wird. Anders sieht es bei der Umsatzsteuersatz aus. Denn wenn Gutscheine nicht auf bestimmte Leistungen – wie oben beschrieben – festgelegt sind, kann dafür eine Behandlung erbracht werden, die mit 19 Prozent besteuert wird, oder eine, für die der reduzierte Steuersatz von sieben Prozent gilt. Beim Verkauf des Gutscheins steht der Steuersatz also noch nicht fest.

Wie der bisherige Wert-Gutschein, ähnelt der Mehrzweck-Gutschein damit eher einem Zahlungsmittel, mit dem verschiedene Leistungen in der Praxis eingekauft werden können. Dementsprechend fällt die Umsatzsteuer erst an, wenn der Gutschein eingelöst und die Leistung erbracht wird.

Die Neuregelung gilt übrigens nur für Gutscheine, die ab dem 1. Januar 2019 ausgestellt wurden. Besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater, was die Änderungen konkret für Ihre Praxis bedeuten.

Themen, die zu diesem Artikel passen:
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all Kommentare
0
Wir würden gerne erfahren, was Sie meinen. Schreiben Sie einen Kommentar.x