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Diagnosespezifikationen entschlüsseln wie ein Profi

Das steckt hinter den ICD-10-Codes
Wie bei allen Verschlüsselungen verhält es sich auch bei der Kodierung von Krankheiten so: Wer verstehen will, was ein ganz konkreter Kode bedeutet, muss das System dahinter begreifen. Dabei ist der ICD-10-Code allein nicht alles. Deshalb werfen wir für Sie einen Blick auf die Möglichkeiten des Diagnosespezifikation.
© busracavus

Medizinisches Vokabular ist sehr komplex. Je nach Fachgebiet, Fort- und Weiterbildungen sowie Region des Praktizierenden können für ein und dieselbe Sache verschiedenste Begrifflichkeiten verwendet werden. Das kann zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen führen, die bei der Behandlung von kranken Menschen weitreichende, schlimmstenfalls tödliche Folgen haben können. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass alle Beteiligten eine einheitliche Sprache sprechen. Mithilfe einer Klassifikation wird versucht, diese Vielfalt zu vereinheitlichen und zu einem allgemein gültigen Kontext zusammenzuführen. In Deutschland werden Diagnosen (Krankheiten) mithilfe der ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) verschlüsselt.

Eines noch Vorweg: Die Verantwortung für das fachgerechte Kodieren liegt bei den Ärzten, nicht bei den Heilmittelerbringern.

ICD-10-Codes

Was ein ICD-10-Code ist und dass sich dahinter eine kodifizierte Krankheit verbirgt, ist Ihnen als Heilmittelerbringer bekannt. Wie sie einen ICD-10-Code entschlüsseln können, wissen die meisten Therapeuten inzwischen auch.

In der ICD-Systematik wird eine Krankheit oder eine Gruppe von Erkrankungen mittels eines konkreten alphanummerischen Kodes (Buchstaben-Zahlen-Kode) verschlüsselt. Diese Kombination ergibt einen drei- bis fünfstelligen Kode. Zu jeder dieser Schlüsselnummern gehört ein erläuternder Text (Klassentitel), also seine Dekodierung.

Zusatzkennzeichen zur Diagnosespezifizierung

Im Praxisalltag gibt es Situationen, in denen es sinnvoll ist, dass der Arzt seine Diagnose weiter spezifiziert. Beispielsweise wenn es darum geht, welche Extremität behandelt werden soll. Ein Patient könnte ja bereits eine alte Hüftprothese haben und bekommt fünf Jahre später eine für die andere Hüfte. Um hier klarzumachen, welche Hüfte vom Therapeuten behandelt werden soll, gibt der Arzt zusätzlich eine Seitenlokalisation an. Dafür stehen ihm folgende Zusatzkennzeichen zur Verfügung:

  • „R“ steht für rechts
  • „L“ steht für links
  • „B“ steht für beidseits.

 

Die Angabe ist an sich freiwillig, im Fall von Operationen an paarigen Körperteilen oder Organen ist sie jedoch obligatorisch. Aber sie ist auch außerhalb von Operationen durchaus hilfreich: Bei der Entscheidung, ob es sich um einen neuen oder den gleichen Verordnungsfall handelt, können diese Zusatzkennzeichen zum Einsatz kommen. Oder um klar zu machen, dass zwei parallel laufende Verordnungen in der gleichen Diagnosegruppe dennoch zwei unterschiedliche Verordnungsfälle sind. Ist ein Patient beispielsweise wegen einer operierten Fraktur am rechten Arm bei Ihnen in Behandlung und bricht sich durch einen Sturz kurze Zeit später seinen linken Arm, so kann es durchaus vorkommen, dass er wegen jeder der beiden Verletzungen Heilmitteltherapie bekommt. ICD-10-Code und Diagnosegruppe sind unter Umständen dann identisch. Nur durch die Seitenangabe wird klar, dass es sich um eine eigenständige Diagnose, also einen neuen Verordnungsfall handelt. Missverständnisse und Fehlinterpretationen können so vermieden werden.

Zusatzzeichen für die Diagnosesicherheit

Es kann vorkommen, dass der Arzt zusätzlich zum ICD-10-Code weitere Zusatzkennzeichen auf der Verordnung angibt. Am häufigsten werden Sie in Heilmittelpraxen wohl auf das Zusatzzeichen „Z“ stoßen, welches den symptomlosen Zustand nach einer betreffenden Diagnose angibt, also „Zustand nach“ bedeutet (z. B. Z. n. Schlaganfall, wenn Sie die Dysphagie oder die Hemiparese in der Praxis behandeln). Die weiteren Kennzeichen zur Diagnosesicherheit werden in Heilmittelpraxen eher selten anzufinden sein:

  • „V“ steht für Verdachtsdiagnose,
  • „G“ steht für gesicherte Diagnose,
  • „A“ für ausgeschlossene Diagnose.

 

Diese vier Zusatzkennzeichen für die Diagnosesicherheit dürfen nur im ambulanten, nicht aber im stationären Bereich verwendet werden.

Tipp: Wer mehr wissen möchte, kann sich das kostenlos verfügbare PDF „Basiswissen kodieren“ auf der Homepage des DIMDI (Herausgeber der ICD-10-GM) herunterladen: www.dimdi.de. Dort finden Sie zudem die ICD-10-Klassifikation.Im HMK digital ist die komplette ICD-10-Systematik übrigens hinterlegt, sodass Sie einzelne ICD-10-Codes auf Ihren Verordnungen schnell und problemlos entschlüsseln können. Mehr Informationen zum HMK digital finden Sie hier: https://www.buchner.de/themen/heilmittelkatalog-heilmittel-richtlinie-2020/hmk-digital/

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