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Von Notfalldatenmanagement bis elektronische Patientenakte

Diese Fachanwendungen bietet die Telematikinfrastruktur
Die Telematikinfrastruktur bietet das Netzwerk, die Fachanwendungen sind die Dienste, für die sich das Netzwerk nutzen lässt. Es geht dabei darum, Prozesse aus der analogen in die digitale Welt zu holen. Dazu kann es gehören, Therapieberichte per KIM digital an den Arzt zu schicken oder über die elektronische Patientenakte einfach Zugang zu Befunden oder Röntgenbildern zu erhalten – sofern der Patient damit einverstanden ist.
Von Notfalldatenmanagement bis elektronische Patientenakte
© Robert Brown

Da die TI für Heilmittelerbringer noch vollkommen freiwillig ist, können Sie selbst entscheiden, ob und welche Dienste Sie in Ihrer Praxis nutzen möchten. Doch ob Sie früher oder später einsteigen, feststeht, ab 1. Januar 2026 sitzen alle GKV-zugelassenen Heilmittelerbringer mit im Boot, denn ab dann ist die Anbindung an die TI für Sie verpflichtend.

Versichertenstammdatenmanagement (VSDM)

Auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sind die Versichertenstammdaten der gesetzlich Krankenversicherten gespeichert. Zu den Stammdaten gehören Name, Geburtsdatum, Anschrift und Versichertenstatus des Versicherten sowie ergänzende Informationen, etwa zum Zuzahlungsstatus. Immer wenn die Karte mit einem Leseterminal verbunden wird, werden die Daten überprüft und aktualisiert. Das VSDM war die erste Anwendung der TI. Sie dient dazu, die Versichertendaten stets auf dem aktuellen Stand zu halten.

Vorteil für die Praxis: Das Versichertenstammdatenmanagement über die eGK hat für die Praxis den Vorteil, dass die Daten der Versicherten auch im Praxissystem stets auf dem aktuellen Stand sind. Haben Patienten eine neue Adresse oder die Krankenkasse gewechselt, sind die Informationen sofort hinterlegt.

Notfalldatenmanagement (NFDM)

Patienten haben die Möglichkeit, auf ihrer elektronischen Gesundheitskarte (eGK) Notfalldaten speichern zu lassen, die so schnell abgerufen werden können. Dabei kann es sich um Informationen zu Diagnosen, Medikamenten, Allergien oder etwa auch zu einer bestehenden Schwangerschaft handeln. Auch nichtmedizinische Daten wie eine Patientenverfügung und die Kontaktdaten von Angehörigen können auf der eGK hinterlegt werden. In der Regel kümmert sich der Hausarzt um den Notfalldatensatz und hinterlegt diesen auf Wunsch des Patienten auf der eGK.

Vorteil für die Praxis: Leistungserbringer können schnell auf relevante Behandlungsdaten zugreifen. Im Notfall lassen sich so wichtige Informationen direkt von der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) abrufen. Aber auch in normalen Behandlungssituationen können diese Daten hilfreich sein, etwa bei der Anamnese. Es muss kein Notfall vorliegen, um sie zu nutzen. Heilmittelerbringer müssen sich mit ihrem elektronischen Heilberufsausweis identifizieren, um auf die hinterlegten Notfalldaten zugreifen zu können.

Elektronischer Medikationsplan (eMP)

Der elektronische Medikationsplan ist das digitale Äquivalent zum bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP), den es bereits seit 2016 gibt. Er hat jedoch den entscheidenden Vorteil, dass der Medikationsplan direkt auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert wird. Wer also über ein entsprechendes Lesegerät sowie die Erlaubnis des Patienten verfügt, kann sehen, welche Medikamente der Patient einnimmt. Auch hier können mögliche Allergien und Unverträglichkeiten hinterlegt werden. Sowohl Haus- als auch Fachärzte müssen den eMP für Patienten aktualisieren, wenn diese das wünschen.

Vorteil für die Praxis: Medikationsdaten, die für Anamnese und Befunderhebung wichtig sind, können Heilmittelerbringer direkt aus dem eMP ablesen. Sie müssen sich nicht auf möglicherweise unvollständige Angaben des Patienten verlassen oder sich erst mühsam die Informationen bei den behandelnden Ärzten einholen.

KIM – Kommunikation im Medizinwesen

Über KIM können wichtige Dokumente und Nachrichten direkt per E-Mail zwischen den Leistungserbringern ausgetauscht werden. Alle per KIM gesendeten Nachrichten werden verschlüsselt und signiert. Beim Empfänger werden sie automatisch entschlüsselt und können direkt weiterverarbeitet werden. Über das bundeseinheitliche Adressbuch lassen sich die geprüften Adressdaten von Ärzten, Apothekern, Krankenhäusern, Therapeuten etc. finden, die KIM nutzen.

Vorteil für die Praxis: Über KIM können Heilmittelerbringer, die an die TI angeschlossen sind, wichtige Dokumente wie Befunde, Arztbriefe und Therapieberichte einfach und sicher austauschen. Auch Änderungswünsche zu Verordnungen können Sie auf diesem Weg an den Arzt schicken. Sie können sich zudem mit anderen Therapeuten über eine sichere Verbindung austauschen. Um KIM zu nutzen, ist keine neue Software nötig. Der Dienst wird in das Praxisverwaltungssystem eingebunden. Seit dem Start am 1. August 2021 wurden über KIM bisher 568.208 elektronische Arztbriefe und 7.626.445 Nachrichten versendet.

(Stand 19.04.2022; www.gematik.de/telematikinfrastruktur/ti-dashboard)

Elektronische Patientenakte (ePA)

Die elektronische Patientenakte ist ein zentraler Ablageort für die medizinischen Daten der Patienten. Relevante Informationen müssen dann nicht von mehreren Orten wie verschiedenen Arztpraxen oder Krankenhäusern zusammengetragen werden, sondern liegen auf einen Blick vor. Mit dem Start der ePA 2.0 Anfang 2022 wurden auch Physiotherapeuten als Nutzergruppe an die ePA angebunden. Neben medizinischen Daten wie Befunde, Diagnosen, Therapiemaßnahmen, Behandlungsberichte, Medikationsplan etc. können auch Mutter- und Impfpass, Zahnbonusheft und das Kinderuntersuchungsheft in der ePA hinterlegt werden. Zudem können Patienten eigene Dokumente in die ePA laden, um diese den Leistungserbringern einfach zugänglich zu machen.

Vorteil für die Praxis: Heilmittelerbringer können über die ePA einfach Zugang zu wichtigen medizinischen Informationen erhalten, ohne erst langwierig mit Ärzten Rücksprache halten zu müssen. Die Patienten selbst können den Zugriff auf die Daten erlauben. Damit sind auch Therapeuten inhaltlich auf Augenhöhe mit anderen Leistungserbringern. So können Sie sich beispielsweise zu Beginn der Behandlung einfach einen Überblick über die Krankengeschichte und relevante Befunde verschaffen. Zudem können Patienten selbst Dokumente, wie etwa ein Übungstagebuch, in die ePA laden und es Ihnen auf diesem Weg einfach zugänglich machen.

TI-Messenger

Der TI-Messenger ist noch ein wenig Zukunftsmusik, doch ab der zweiten Hälfte 2022 sollen die ersten Messengerdienste zur Verfügung stehen. Leistungserbringeraus dem Gesundheitswesen können dann über Kurznachrichten in Echtzeit miteinander kommunizieren. Auch hier lassen sich die gesuchten Kontaktdaten über ein gemeinsames bundesweites Adressbuch finden. Institutionen erhalten über eine SMC-B-Karte Zugang zum Messengerdienst. Selbständige können sich mit dem elektronischen Heilberufsausweis registrieren. Der TI-Messenger lässt sich über das Smartphone, aber auch über den Desktop-PC nutzen.

Vorteil für die Praxis: Wenn Heilmittelerbringer zum Beispiel eine kurze Rückfrage an den Arzt haben, eine Rückrufbitte verschicken möchten oder es um die Änderung einer Verordnung geht, können sie einfach eine kurze Nachricht schicken. Das spart allen Beteiligten Zeit und sorgt für einen direkten, aber sicheren Austausch. Der TI-Messenger kann auch für die Kommunikation unter und mit den Praxismitarbeitern genutzt werden. Über eine Broadcast-Nachricht können Sie auch alle Mitarbeiter gleichzeitig erreichen. Der Datenschutz ist gewährleistet.

Elektronische Heilmittelverordnung (eHMV)

Derzeit sieht die Planung für die eHMV so aus: Statt eine herkömmliche Verordnung auf Papier auszufüllen, signiert der Arzt die eHMV elektronisch und stellt sie in der TI zum Abruf bereit. Patienten erhalten dann nur noch einen Verordnungscode, den sie auf dem Smartphone oder als Ausdruck in der Heilmittelpraxis vorlegen. Über den Code, den der Patient in der Heilmittelpraxis zeigt, wird die eHMV abgerufen und die Daten in die Praxissoftware übernommen. Dort können sie dann weiterverarbeitet sowie zur Leistungserbringung und Abrechnung vorbereitet werden. Zudem können Patienten die erfolgte Behandlung elektronisch bestätigen, zum Beispiel über die jeweilige Krankenkassen-App des Patienten. Ab dem 1. Juli 2026 müssen alle GKV-zugelassenen Heilmittelpraxen an diesem Verfahren teilnehmen und die elektronische Heilmittelverordnung anwenden.

Vorteil für die Praxis: Da die Heilmittelverordnung auf digitalem Weg erstellt, verarbeitet und abgerechnet wird, gibt es viel weniger Papierkram. Die Abwicklung wird dadurch einfacher und es bleibt mehr Zeit für die Patienten. Zudem werden fehlerhafte Verordnung und in der Folge Absetzungen wohl weniger werden, denn die VO wird bereits in der TI geprüft.

E-Rezept: Die Testphase läuft

Das elektronische Rezept (E-Rezept) für verschreibungspflichtige Medikamente könnte man als eine Art Testlauf für die eHMV betrachten. Zumindest sollen Erfahrungen daraus auch in die Entwicklung der elektronischen Heilmittelverordnung einfließen. So funktioniert es:

Das E-Rezept wird im Praxisverwaltungssystem des Arztes erzeugt und bereits dabei auf Vollständigkeit geprüft, um Formfehler zu vermeiden. Unterschrieben wird das Rezept dann ebenfalls elektronisch mit dem Heilberufsausweis. Anschließend werden die Informationen direkt sicher verschlüsselt in der TI gespeichert. Dort kann die Apotheke sie dann später abrufen.

Um das Rezept einlösen zu können, erhalten die Patienten vom Arzt einen Code. Dieser kann ausgedruckt übergeben oder über die TI sicher und datenschutzkonform an die E-Rezept-App des Patienten übermittelt werden. In der Apotheke muss er den Code nur noch vorzeigen und erhält dann sein Medikament. Folgerezepte können Patienten innerhalb eines Quartals elektronisch erhalten, ohne dass sie dafür in die Praxis kommen müssen. Auch praktisch: Die Informationen aus dem E-Rezept lassen sich in die elektronische Patientenakte übertragen.

Weitere Ausbauschritte der ePA

ePA 2.0: Mit dem Start am 1. Januar 2022 können neben gesetzlich Versicherten nun auch Privatversicherte die ePA nutzen. Zudem ist es möglich, einen Vertreter für die Verwaltung der ePA zu berechtigen. Auch wurden weitere Nutzergruppen angebunden. Dazu gehören neben Physiotherapeuten auch Pflegepersonal, Hebammen, der öffentliche Gesundheitsdienst, Arbeitsmediziner sowie Rehakliniken.

ePA 3.0: Diese dritte Ausbaustufe der ePA soll zum 1. Januar 2023 starten. Dann können Versicherte u. a. auch Krankenhausentlassungsbriefe, Pflegeüberleitungsb.gen und Laborwerte verwalten. Auch Daten aus Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) können dann in der ePA gespeichert werden. Zudem soll ein integrierter Messenger die direkte Kommunikation mit Ärzten ermöglichen und Daten können pseudonymisiert zu Forschungszwecken freigegeben werden.

So können Patienten die ePA nutzen (lassen)

Damit Sie als Leistungserbringer von den Vorteilen der elektronischen Patientenakte profitieren können, müssen zunächst die Versicherten selbst aktiv werden. Denn die Nutzung der ePA ist freiwillig und die Initiative muss von den Patienten ausgehen. Um die ePA zu erhalten, müssen sich Patienten zur Nutzung der elektronischen Patientenakte registrieren lassen und die entsprechende App herunterladen. Zugangsdaten erhalten sie dann von der Krankenkasse.

Eine Übersicht dazu finden Sie hier: www.gematik.de/anwendungen/e-patientenakte/epa-app.

Patienten verwenden die ePA dann über eine App ihrer Krankenkasse. Mit der ePA 2.0 gibt es für die Versicherten zudem eine stationäre Version für PC oder Laptop. Welche Daten in der ePA hinterlegt werden, entscheiden ebenfalls die Patienten. Gleiches gilt für den Zugriff auf die Daten. Möchten beispielsweise Ärzte oder Therapeuten diese einsehen, müssen die Patienten dem zustimmen.

Mittelfristig plant Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, eine Opt-out-Regelung für die ePA. Jeder Patient stelle dann seine Gesundheitsdaten in der ePA den behandelnden Ärzten zur Verfügung, es sei denn, der Patient tritt davon zurück. Lauterbach sieht diese Änderung als wichtige gesetzliche Voraussetzung für den Erfolg der ePA.

Wichtig: Patienten haben ein Recht darauf, die elektronische Patientenakte kostenfrei von ihrer Krankenkasse zu erhalten. Die Nutzung ist freiwillig. Die Krankenkassen haben keinen Zugriff auf die dort hinterlegten Daten.

Das gehört noch zur TI-Sonderausgabe:

Was ist die Telematikinfrastruktur?

Die wichtigsten Begriffe

Von Notfalldatenmanagement bis elektronische Patientenakte

Finanzierung der TI

Interview mit Dr. Florian Hartge, CPO der gematik

Interview mit Johannes Haunhorst und Dr. Christian Uebach, eGBR: Einlasskontrolle zur TI

TI-Fahrplan bis 2026

Ein Blick in die Zukunft

Auf einen Blick – Diese Vorteile bietet die TI für die Praxis

 

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