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Preismodell festlegen

Steigerungsfaktor, Minutenpreis oder lieber ein Fixpreis?
Sie haben den Mindestumsatz ermittelt und sich für eine Strategie entschieden. Nun müssen Sie noch die konkreten Preise festlegen. Auch hier gilt wieder: Praxisinhaber entscheiden sich für das, was am besten zur Praxis passt. Sie können Fixkosten für klar definierte Leistungen festlegen, Honorare über Minutenpreise errechnen oder die GKV-Vergütung als Basis nehmen und mit Steigerungsfaktoren arbeiten.
Preismodell festlegen
© iStock: alashi,GebüTh

Steigerungsfaktoren

Hier dient das GKV-Honorar als Basiswert. Der Privatpreis wird dann über einen Steigerungsfaktor bestimmt. Der Vorteil: Steigen die GKV-Honorare, dann steigen die Privatpreise automatisch mit.
Beispiel KG: GKV-Honorar x 1,6 = Privatpreis, also 24,08 € x 1,6 = 38,53 €.

Weicht die Behandlungsdauer für Privatpatienten von der von der GKV vorgesehen Therapiezeit ab, lässt sich das ganz einfach anpassen.

Aus dem Beispiel von oben: 38,53 Euro = Privatpreis für 20 Minuten KG. Umgerechnet auf 30 Minuten liegt der Privatpreis bei 57,80 Euro.

Wichtig: Der Steigerungsfaktor muss nicht immer der gleiche sein (s. Abb. 2). Ein höherer Faktor kann viel Berufserfahrung, besondere Zusatzqualifikationen oder auch einen individuellen Mehraufwand widerspiegeln. Mehr dazu s. Kasten.

Abb. 2: Preisliste mit unterschiedlichen Steigerungsfaktoren (aus GebüTh Physiotherapie)

Preismodell festlegen

Fixpreise

Hier legt der Praxisinhaber einen festen Preis für eine definierte Leistung fest.
Zum Beispiel: 90 Minuten Krankengymnastik kosten 180 Euro.

Minutenpreise

Als Alternative zu Preislisten können Heilmittelhonorare auch über den Minutenpreis errechnet werden. Der Preis richtet sich dann nach der Behandlungsdauer. Die Gebührenordnung für Therapeuten (mehr dazu auf Seite xx) nennt einen Minutenpreiskorridor von 1,69 bis 2,35 Euro. Es liegt im Ermessen des Praxisinhabers, den Minutenpreis für einen konkreten Behandlungsfall festzulegen. Bei der Entscheidung helfen bestimmte Kriterien zur Differenzierung der Honorare (s. Kasten). Die Behandlungsdauer richtet sich danach, was für den jeweiligen Patienten therapeutisch sinnvoll ist.

Dauer x Minutenpreis = Privatpreis

Beispiel: 30 Min x 2,02 € = 60.60 €

Tipp: Staffelpreise erlauben Mengenrabatt
Für Patienten, die besonders umfangreiche Leistungen erhalten (mehr als 30 Behandlungseinheiten) können Praxisinhaber eine Art Mengenrabatt in Form von Staffelpreisen gewähren. So lassen sich die Kosten im Einzelfall, also etwa für chronisch kranke Patienten, senken, ohne die normalen Privatpreise zu verändern. Wenn Praxisinhaber im konkreten Fall einen niedrigeren Fixpreis, geringeren Steigerungsfaktor oder einen niedrigeren Minutenpreis vereinbaren, sinkt damit auch die Eigenbeteiligung für die chronisch kranken Patienten.

Kriterien, die Praxisinhaber zur Differenzierung der Honorare heranziehen können:

  • Berufsfachliche Qualifikation: besonders lange oder hoch spezialisierte Berufserfahrung in bestimmten Fachgebieten oder überdurchschnittliche Qualifikation durch therapiefördernde Fortbildungen
  • Schwierigkeit und Zeitaufwand: die Leistungserbringung ist schwieriger als im Normalfall, z. B. aufgrund von seltenen Krankheitsbildern oder Multimorbidität des Patienten
  • Vor- und Nacharbeit: Mehraufwendungen, die nicht durch andere konkrete Leistungspositionen abrechenbar sind, können Praxisinhaber durch einen erhöhten Steigerungssatz abbilden. Das kommt zum Beispiel in Frage, wenn eine spezielle indikationsbezogene Dokumentation erforderlich ist oder die Kommunikation mit anderen Leistungserbringern
  • Umstände bei der Ausführung: Hierbei kann es sich zum Beispiel um eine besondere Ausstattung handeln, die über die normale Ausstattung einer Praxis hinausgeht. Dazu können etwa besondere Therapiegeräte zählen oder auch eine schadstofffreie Praxis für Allergiker.
Kalkulatorische Zuzahlung bei der Beihilfe

Wie bereits bei den „6 Wahrheiten über Privatpreise“ erklärt, sind die beihilfefähigen Höchstsätze keine Preisliste des Staates für Heilmittelleistungen. Die Beihilfe dient lediglich als Ergänzung zur zumutbaren Eigenvorsorge. Es ist also völlig normal, dass nicht alle Kosten von der Beihilfe übernommen werden, sondern Patienten auch noch etwas dazu bezahlen – wie die GKV-Patienten auch. Bei GKV-Patienten entspricht die Zuzahlung im Durchschnitt 11 Prozent. Wenigstens diesen Eigenanteil sollten auch Beihilfe-Patienten übernehmen. (s. kalkulatorische Zuzahlung in Abb. 2).

Ausfallgebühren

Erscheinen Patienten nicht zum vereinbarten Termin, entsteht der Praxis ein wirtschaftlicher Schaden. Ausfallgebühren dienen dazu, diesen zu kompensieren. Aber noch wichtiger ist ihre Wirkung auf den Patienten. Das Ziel von Ausfallgebühren ist nicht, diese zu kassieren. Vielmehr sollten sie dazu dienen, dass Patienten zur Behandlung erscheinen. Sie zeigen, dass die Arbeit der Therapeuten einen bezifferten Wert hat, die Praxis diese Arbeit ernst nimmt und Vereinbarungen bindend sind.

Ausfallgebühren sind nach geltendem Recht zulässig (§ 615 BGB), wenn

  • Patienten über die Folgen einer nicht rechtzeitigen Absage informiert wurden,
  • die Praxis als Bestellpraxis organisiert ist,
  • der Patient zum vereinbarten Termin nicht erscheint und
  • keine Ersatzpatient verfügbar war.

Tipp: Wenn die Praxis die Ausfallgebühr in bar kassiert, entfaltet sie ihre Wirkung noch besser.

Diese Artikel gehören zum Themenschwerpunkt „Mit höheren Preisen zum Erfolg“:

Mit höheren Preisen zum Erfolg

Sechs Wahrheiten über Privatpreise

Was kostet eine Stunde Therapie?

Hoch, mittel oder niedrig: Welche Preisstrategie verfolgt die Praxis?

Gebührenübersicht für Therapeuten

Über Preiserhöhungen spricht man nicht (mehr als nötig)

Vier Gründe, warum Sie Privatpatienten mit hohen Preisen überzeugen

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