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Über Preiserhöhungen spricht man nicht (mehr als nötig)

Sie müssen sich für Ihre Preise weder rechtfertigen, noch entschuldigen
Wenn sich Praxisinhaber dafür entscheiden, die Privatpreise zu erhöhen bzw. sie endlich auf ein angemessenes Niveau anzupassen, müssen sie das nicht an die große Glocke hängen. Im Supermarkt hängt schließlich auch kein Schild am Eingang: Achtung – Butter und Milch kosten ab heute mehr.
Über Preiserhöhungen spricht man nicht (mehr als nötig)
© iStock: alashi


Solange die Privatpatienten das Thema nicht von sich aus ansprechen, müssen Praxisinhaber auch nicht explizit auf Preiserhöhungen hinweisen. Sie werden einfach umgesetzt, wenn der ein neuer Behandlungsvertrag aufgesetzt wird. Ganz so, wie im Supermarkt eben das Schild an der Butter ausgetauscht wird, ohne einen Hinweis darauf, was die Butter in der vergangenen Woche gekostet hat.

Wichtig: Im Rahmen der Pflicht zur wirtschaftlichen Aufklärung ist es erforderlich, Patienten darauf hinzuweisen, dass Ihres Wissens, z. B. die Beihilfe nicht das gesamte geforderte Privathonorar erstattet wird, sondern nur rund 70 Prozent.

Nur auf Fragen antworten, die gestellt werden

Über die Pflicht zur wirtschaftlichen Aufklärung hinaus müssen Praxisinhaber die Preiserhöhung also nicht selbst thematisieren. Geben sie dennoch eine Erklärung ab, klingt das schnell nach einer Rechtfertigung oder nach einem schlechten Gewissen. Antworten Sie also nur auf Fragen, die auch tatsächlich gestellt wurden. „Haben Sie die Preise erhöht?“ – „Ja.“

Und wenn Praxisinhaber doch über Preise sprechen möchten, empfiehlt es sich, den Bezugsrahmen zu ändern. Es geht nicht darum, die Preise der Praxis mit denen anderer Praxen zu vergleichen. Andere Referenzwerte verdeutlichen viel besser, worum es geht. Man könnte die Therapiekosten mit den Kosten für die eingeschränkte Lebensqualität vergleichen, oder den Kosten einer Operation oder eines Reha-Aufenthalts. Und schon sieht die Wahrnehmung ganz anders aus.

Ein gutes Vorbild bietet hier die Osteopathie. Niemand regt sich hier darüber auf, dass zur osteopathischen Behandlung eine Eigenleistung des Patienten gehört. Eigentlich wird hier über den Preis nur selten gesprochen – und wenn, dann nur in dem Zusammenhang, welche Kasse wie viel Geld für eine Behandlung erstattet.

GKV- vs. PKV-Preise: Der Vergleich hinkt

Schaut man allein auf die Fakten, zahlen Privatpatienten mehr als gesetzlich Versicherte. Das ist auch nicht ganz falsch – aber die Sichtweise stimmt nicht. Tatsächlich zahlen nicht Privatversicherte mehr, sondern gesetzlich Versicherte weniger. Denn die GKV erhält einen enormen Mengenrabatt. Im Jahr 2020 hat die GKV für mehr als 300 Millionen Behandlungseinheiten gezahlt. Und so ein „guter Kunde“ hat eben auch einen ordentlichen Rabatt bei den Preisverhandlungen erzielen können.

Ob nun die einen mehr oder die anderen weniger bezahlen – ist doch egal. Nein, ist es eben nicht. Denn es wirkt sich darauf aus, wie Therapeuten über ihre Preise denken. Und das strahlen sie auch aus. Darum: Privatpreise sind die normalen Preise der Praxis. GKV-Preise sind rabattierte Preise und damit nicht das Maß der Dinge. Das muss allen Mitarbeitern bewusst sein.

Diese Artikel gehören zum Themenschwerpunkt „Mit höheren Preisen zum Erfolg“:

Mit höheren Preisen zum Erfolg

Sechs Wahrheiten über Privatpreise

Was kostet eine Stunde Therapie?

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