up|unternehmen praxis

Ausgabe 10/2022

Schwerpunkt: Akademisierung: Wo wollen wir in zehn Jahren sein und wie kommen wir dahin?

Faktisch, informativ, ideenreich. Der interdisziplinäre Newsletter für Heilmittelerbinger “up|unternehmen praxis” bringt Sie über die aktuelle Gesundheits- und Berufspolitik, betriebswirtschaftliche Themen, sowie Abrechnungs- und Praxismanagement auf den neuesten Stand.

Fortschritte im Auge behalten

Vor einem Jahr war Bundestagswahl, einige Wochen später hatte sich eine neue Regierung gefunden und die hat ihre Pläne für die Zukunft im Koalitionsvertrag festgehalten. Diese Pläne betreffen auch die Heilmittelbranche.
Doch wie es so ist, bricht schnell der Alltag über uns herein und wir vergessen, was die Regierung eigentlich versprochen hat. Damit genau das nicht passiert, haben wir im Frühjahr das Dashboard Berufspolitik gestartet. Hier zeigen drei Grafiken ganz einfach, wo wir bei der Umsetzung der Pläne aus dem Koalitionsvertrag stehen. Durch die neuen Vereinbarungen zur Videotherapie in der Logopädie und Ergotherapie beispielsweise sind bei diesem Punkt mittlerweile die 100 Prozent erreicht. Und auch in Richtung Digitalisierung und Direktzugang hat sich der Zeiger bewegt.
Noch mehr Bewegung erwarten wir in den kommenden Monaten. Denn im Bundesgesundheitsministerium scheint man sich ernsthaft mit dem Thema Akademisierung zu befassen. Das zeigt u. a. die Befragung aus dem Sommer. Die hat auch für ordentlich Unruhe, oder sagen wir, Gesprächsstoff in der Branche gesorgt. Denn ob nun eine Voll- oder Teilakademisierung der richtige Weg ist, wird intensiv diskutiert. Doch sollte wirklich der Weg im Fokus stehen oder nicht vielleicht lieber das Ziel? Welche Rolle sollen und wollen Therapeutinnen und Therapeuten in zehn Jahren spielen? Auch mit dieser Frage befassen wir uns auf den kommenden Seiten.
Es ist Euch vielleicht bereits aufgefallen: Wir sind in dieser Ausgabe vom „Sie“ zum kollegialen „Du“ gewechselt. Wir sind der Meinung, das passt besser, wenn man gemeinsame Ziele verfolgt. Lasst uns gern wissen, wie Ihr das findet.

Gestaltet mit uns die Zukunft der Branche und habt einen erfolgreichen Monat

up Magazin für Therapeuten 10/2022
Mit den besten Grüßen
Yvonne Millar
Yvonne Millar, Redakteurin bei up | unternehmen praxis
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Was noch im Heft ist, wir aber nicht erwähnt haben…

… sind Übersichten zu den Regelungen, die nun für die Videotherapie in der Ergotherapie bzw. Logopädie gelten. Vieles ist ähnlich, es gibt aber auch den ein oder anderen wichtigen Unterschied.

… sind die Vorgaben aus dem neuen Infektionsschutzgesetz, das seit dem 1. Oktober 2022 in Kraft ist. Wir haben Tipps, wie sich Verwirrungen bei den
Patientinnen und Patienten vermeiden lassen.

… ist konstruktive Kritik. Denn Kritik ist nichts Negatives, ganz im Gegenteil, lösungsorientiert kommuniziert bietet sie dem Team die Chance, sich weiterzuentwickeln und daran zu wachsen.

Weitere Artikel in dieser Ausgabe zum Beispiel...

Themenschwerpunkt 2.2021: Extrabudgetäre Verordnungen © Dimitris66

G-BA erweitert Diagnoseliste für langfristigen Heilmittelbedarf

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Diagnoseliste für den langfristigen Heilmittelbedarf (LHB) erweitert. So können Ärztinnen und Ärzte ab dem kommenden Jahr u. a. bei weiteren neuromuskulären Erkrankungen sowie Mehrfachamputationen an Armen und Beinen extrabudgetär Heilmittel verordnen. Eine Übersicht der hinzugekommenen Diagnosen finden Sie hier.

Ergotherapie: Die wichtigsten Regeln zur Videotherapie © milorad kravic

Logopädie: Videotherapie ab vier Jahren möglich

Stand 26.09.2022. Ende August haben sich die maßgeblichen Logopädie-Verbände mit dem GKV-Spitzenverband bezüglich der Abgabe telemedizinischer Leistungen auf eine Übergangsvereinbarung geeinigt. Damit können Logopädinnen und Logopäden nun seit dem 1. September 2022 wieder telemedizinische Leistungen zu Lasten der GKV zu erbringen, obwohl das Schiedsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Das sind die wichtigsten Regelungen im Überblick:

Bei Beleidigungen am Arbeitsplatz drohen Kündigungen © skynesher

Bei Beleidigungen am Arbeitsplatz drohen Kündigungen

Im Eifer des Gefechts fällt schnell mal ein unbedachtes Wort. Wer aber Kollegen oder Vorgesetzte beleidigt, dem oder der kann auch ohne vorherige Abmahnung die außerordentliche Kündigung drohen. Hier eine kleine Auswahl an Urteilen, die zeigen, wie Gerichte auf Kündigungen wegen Beschimpfungen und verbalen Attacken reagiert haben.

Gesundheitspolitiker im Kurzportrait: Martina Stamm-Fibich | SPD © Martina Stamm-Fibich

Gesundheitspolitiker im Kurzportrait: Martina Stamm-Fibich | SPD

Martina Stamm-Fibich sitzt bereits seit 2013 im Deutschen Bundestag. Dort vertritt sie den Wahlkreis Erlangen. Seit 2018 ist sie Patientenbeauftragte der SPD sowie ordentliches Mitglied des Gesundheits- und des Petitionsausschusses.

Zeit für Entscheidungen © Farknot_Architect

Dashboard Berufpolitik – Herbst 2022

Seit September 2022 können Logopädiepraxen wieder telemedizinische Leistungen für GKV-Patienten anbieten, Ergotherapiepraxen seit dem 1. Oktober. Entsprechend bewegt sich der Zeiger des Dashboards „Digitalisierung des Gesundheitswesens“ weiter. Beim Teilbereich „Videosprechstunden gehören zu den Regelleistungen der GKV“ können wir ein Häkchen setzen. Dieser Punkt ist jetzt zu 100 Prozent erfüllt. Und auch in Richtung Direktzugang ist etwas Bewegung – u. a. durch die Erweiterung der Gruppe der Physiotherapeutinnen und -therapeuten, die mittlerweile den elektronischen Heilberufsausweis beantragen können.

Kündigungsschutz dank Krankenschein? © MyndziakVideo

Kündigungsschutz dank Krankenschein?

Wer krank ist, kann nicht gekündigt werden! Dieser Mythos hält sich hartnäckig, stimmt aber so nicht. Wenn ausreichend Gründe vorhanden sind, die es rechtfertigen, das Arbeitsverhältnis zu beenden, kann auch eine Krankheit dies nicht verhindern. Unter bestimmten Umständen kommt sie sogar als Kündigungsgrund in Frage.

Keine Angst vor Trainingstherapie © GrapeImages,Schmolze und Kühn

Keine Angst vor Trainingstherapie

Ein intensives Training ist gerade zum Ende einer Behandlung oft sinnvoll, um die Patientinnen und Patienten zu mehr eigenständiger Aktivität zu motivieren. Dieses Vorgehen empfehlen auch zahlreiche Leitlinien. Eine gute Möglichkeit, um das zu erreichen, ist ein Training an Geräten.

Gesundheitspolitiker im Kurzportrait: Ates Gürpinar | DIE LINKE © René Golz

Gesundheitspolitiker im Kurzportrait: Hubert Hüppe | CDU

Der Nordrhein-Westfale wurde schon mehrfach in den Deutschen Bundestag gewählt. So war er von 1991 bis 2009 sowie von 2012 bis 2017 Abgeordneter und nun wieder seit 2021. Er vertritt den Wahlkreis Unna I, also Bergkamen, Bönen, Fröndenberg, Holzwickede, Kamen, Schwerte und Unna. In der aktuellen Legislaturperiode ist Hüppe ordentliches Mitglied im Gesundheitsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales. Zu Beginn der Wahlperiode leitete er den Gesundheitsausschuss als kommissarischer Vorsitzender.

Gelegenheit macht Diebe © iStock: Chinnapong

Gelegenheit macht Diebe

Am 30. Oktober 2022 ist Tag des Einbruchsschutzes. Er soll uns daran erinnern, dass die dunkle Jahreszeit Hochsaison für Einbrecher ist. Kommen dann noch ungeschützte Fenster im Erdgeschoss, eine einfache Eingangstür, die von der Straße schlecht einsehbar ist, und das Wissen, dass am späten Abend und am Wochenende die Räume bestimmt leer sind, dazu, wirkt das schon fast wie eine Einladung. Wir haben Tipps für Dich, wie Du die Praxis vor Einbruch schützen kannst.

Ermahnung vs. Abmahnung © fizkes

Ermahnung vs. Abmahnung

Manchmal muss man als Führungskraft mahnende Worte finden. Etwa wenn das Verhalten eines Teammitglieds nicht den Ansprüchen der Praxis genügt. Doch was unterscheidet eine Ermahnung von einer Abmahnung, welche formalen Anforderungen muss letztere erfüllen und was lässt sich damit erreichen?

Souverän bleiben trotz unfreundlichem Gegenüber © Tatom

Souverän bleiben trotz unfreundlichem Gegenüber

Eine Patientin lässt ihre schlechte Laune an dir aus und ein Kollege motzt sich durch den Tag. Manchmal prallt solches Verhalten einfach ab, an anderen Tagen fühlen wir uns angegriffen und würden am liebsten direkt zurückschießen. Doch das bringt nichts. Unsere fünf Tipps helfen Dir, unfreundlichen Menschen souverän zu begegnen und die Situation zu entschärfen.

Geräusche gegen Schmerzen © ilyast

Geräusche gegen Schmerzen

In der Therapiepraxis der Zukunft gehört zur Vorbereitung der Therapie auch das Heraussuchen der passenden Musik. Na gut, es muss nicht unbedingt Musik sein, aber die passenden Geräusche könnten in Zukunft wirklich Teil einer Behandlungseinheit werden – besonders dann, wenn diese voraussichtlich nicht ganz schmerzfrei sein wird. Wie ich auf diese Idee komme? Neueste Forschungsergebnisse, natürlich. Und klar, die armen Mäuse mussten auch mal wieder herhalten.

Bundessozialgericht: Krankenkassen dürfen Extras nicht als Wahltarife anbieten © iStock: AlexLMX

Urteil: Praxisinhaber muss Zugang einer E-Mail beweisen

Das Versenden von E-Mails gehört auch in Therapiepraxen zum Alltag. Doch Vorsicht ist geboten: Bei dienstlichen Mails, zum Beispiel an Beschäftigte, trägt nämlich die Praxisinhaberin bzw. der Praxisinhaber die Beweislast, dass die Mail auch tatsächlich angekommen ist. Das hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Köln kürzlich entschieden (Az.: 4 Sa 315/21). Es ist daher empfehlenswert, stets eine Lesebestätigung anzufordern.

Konstruktive Kritik: Aufbauen statt Niedermachen © Skavronskiy_A.V.

Konstruktive Kritik: Aufbauen statt Niedermachen

Es läuft nicht immer alles rund. Das ist in der Praxis so wie im richtigen Leben. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen Fehler, verhalten sich nicht so, wie Du es dir als Praxisleitung wünschst. Dann ist es Zeit, korrigierend einzugreifen. Viele scheuen sich vor Kritik, doch konstruktiv vorgebracht, profitieren am Ende sowohl die Praxis als auch das Team von einem solchen Feedback.

Schlechte Nachrichten? Empathische Rhetorik hilft dem Team © Antonio Diaz

Schlechte Nachrichten? Empathische Rhetorik hilft dem Team

Die Angst vor einer Corona-Infektion, der Krieg in der Ukraine, aber auch persönliche Schicksalsschläge, wie eine schwere Erkrankung eines Mitarbeiters oder der Tod einer Angehörigen kann für Verunsicherung im Team sorgen. Wie soll man auf schlimme Nachrichten reagieren? Einfach weitermachen? Spaß und Freude vermeiden? Hier bist DU als Führungskraft gefragt: Nutzt als Team Meetings dazu, um einen gemeinsamen Umgang mit schwierigen Situationen zu finden.

Lobbyist ist kein Schimpfwort © Giselleflissak

Lobbyist ist kein Schimpfwort

Ich bin Lobbyist. Das klingt fast so, als würde jemand erzählen, dass er Mitglied der Mafia oder eines anderen Verbrechersyndikats ist. Dabei ist überhaupt nichts Anrüchiges dabei. Denn tatsächlich geht es bei der Lobby-Arbeit nur darum, die eigenen Anliegen an die Politik heranzutragen. Lobbyismus ist also ein wichtiger Teil von Demokratie. Denn so können Expertinnen und Experten ihr Fachwissen an die Verantwortlichen in der Politik weitergeben, die wichtige Entscheidungen für uns alle treffen. Kurz: Wir alle können als Lobbyistin oder Lobbyist aktiv sein.

Gesundheitspolitiker im Kurzportrait: Ates Gürpinar | DIE LINKE © Olaf Krostitz

Gesundheitspolitiker im Kurzportrait: Ates Gürpinar | DIE LINKE

Ates Gürpinar ist seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestags sowie stellvertretender Parteivorsitzender der Partei DIE LINKE. Er vertritt den Wahlkreis Rosenheim. In der aktuellen Legislaturperiode sitzt er als ordentliches Mitglied und Schriftführer im Gesundheitsausschuss und als stellvertretendes Mitglied im Verkehrsausschuss. Zudem ist er Sprecher in seiner Partei für Krankenhaus- und Pflegepolitik sowie Drogenpolitik.

Summer School: „Lernen, wo andere Urlaub machen“ © Daniel Callhoff

Summer School: „Lernen, wo andere Urlaub machen“

Ende August fand an der schönen Kieler Förde bei bestem Spätsommerwetter die buchner Summer School statt. „Lernen, wo andere Urlaub machen“ war ein Grund für die Auswahl der Location – und die gemeinsame Bootsfahrt am Ende des zweiten Tages sicher eines der Highlights.

Datenschutz?…! Pragmatischer(er) Umgang mit US-Diensten

Datenschutz?…! Pragmatischer(er) Umgang mit US-Diensten

Von Niels Köhrer, externer Datenschutzbeauftragter für up|plus-Kunden Europäischer Datenschutz und US-Dienste sind nicht bekannt dafür, beste Freunde zu sein. Die Gründe hierfür sind vielfältig und durchaus nachvollziehbar.

Teil- oder Vollakademisierung – Das ist nicht die Frage! © angelhell

Teil- oder Vollakademisierung – Das ist nicht die Frage!

Das Bundesgesundheitsministerium hat im August unter anderem an die Physiotherapieverbände eine Befragung zum Thema Akademisierung geschickt. Über das Für und Wider einer Teil- oder Vollakademisierung entfachte in der Branche eine Diskussion. Aber: Wer darüber diskutieren möchte, braucht eine gemeinsame Vorstellung über die Rolle der Heilmittelerbringer in zehn Jahren.

Urteil: Tätigkeitsverbot für ungeimpften Praxischef © Pattarisara-Suvichanarakul

Urteil: Tätigkeitsverbot für ungeimpften Praxischef

Auch Praxisinhaberinnen und -inhaber müssen ihren Corona-Impfschutz nachweisen. Das hat das Verwaltungsgericht (VG) Osnabrück kürzlich entschieden (Az.: 3 B 104/22). Es lehnte den Eilantrag eines ungeimpften Zahnarztes gegen das Tätigkeitsverbot ab.

Ergotherapie: Die wichtigsten Regeln zur Videotherapie © Viorel Kurnosov

Ergotherapie: Die wichtigsten Regeln zur Videotherapie

Stand 26.09.2022. Nach einer mehrmonatigen Pause können Ergotherapeutinnen und -therapeuten ab dem 1. Oktober 2022 auch wieder per Videotherapie behandeln. Die maßgeblichen Verbände haben sich im Rahmen des Schiedsverfahrens auf eine entsprechende Vereinbarung mit dem GKV-Spitzenverband geeinigt. Diese ergänzt die bestehenden Versorgungsverträge, eine gesonderte Zustimmung ist nicht erforderlich. Das sind die wichtigsten Vorgaben:

Abfindung: Weniger Steuern zahlen dank der Fünftelregelung © iStock: anyaberkut

GKV-Finanzergebnisse: Heilmittelausgaben steigen um 12,5 Prozent

Die Heilmittelausgaben sind im ersten Halbjahr 2022 um 12,5 Prozent gestiegen. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur Entwicklung der GKV-Finanzen hervor. Verantwortlich für die Zuwächse bei den Heilmitteln seien neben Vergütungsanpassungen zu Beginn dieses Jahres auch weiterhin die hohen Preisabschlüsse des Vorjahres, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.