up|unternehmen praxis

„Am Ende sollte ein Team entstehen, das zufrieden ist und zusammenhält“

Interview mit Maike Armbrust, fachliche Leitung der Logopädie, über eine gelungene Einarbeitung neuer Mitarbeiter
Maike Armbrust ist Logopädin und als fachliche Leitung in einem Therapiezentrum auch für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter zuständig. Sie berichtet, worauf sie dabei besonderen Wert legt. Denn in Zeiten von Fachkräftemangel kann eine Einarbeitung darüber entscheiden, ob ein Therapeut gerne in der Praxis bleibt oder sich etwas Neues sucht.
„Am Ende sollte ein Team entstehen, das zufrieden ist und zusammenhält“
© Maike Armbrust

Wenn Sie Mitarbeiter einarbeiten, was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

ARMBRUST: Ich lege viel Wert darauf, dass die Mitarbeiter einen guten Start in der Praxis haben. Sie sollen sich aufgehoben und wohlfühlen. Sie sollen in Ruhe alles und jeden kennenlernen und zufrieden mit ihrer Arbeit beginnen können. Es ist wichtig, dass sich die neuen Kollegen erst einmal zurechtfinden und auch wissen, wen sie bei Fragen ansprechen können. Ziel ist, dass sich jeder in den Praxisalltag nach und nach einarbeiten kann.

Bei Berufsanfängern ist es natürlich wichtig, sie auch fachlich einzuarbeiten. Da schauen wir dann ganz individuell, ob und wie lange der Therapeut dann noch mal an Patienten hospitiert. Erfahrene Kräfte können in der Regel direkt voll einsteigen.Ich möchte vor allem, dass die neuen Kollegen Teil des Teams werden. Ich habe vor Corona immer die Mitarbeiter, die ich eingearbeitet habe, auf einen Feierabend-Drink eingeladen. Das ist dann noch einmal eine ganz andere Ebene, auch was die Gespräche angeht.

Übernehmen Sie selbst die Einarbeitung?

ARMBRUST: Ich übernehme im Bereich der Logopädie bei uns einen sehr großen Teil der Einarbeitung. Wir arbeiten zudem mit einem Patensystem, sodass neue Mitarbeiter immer einen Ansprechpartner haben. Dieser Pate übernimmt dann auch die Organisation der Einarbeitung und hat ein Auge darauf, dass alles funktioniert. Wir teilen die Aufgaben aber auch auf. Beispielsweise vermitteln dann die Rezeptionskräfte die Themen rund um die Praxisorganisation. Arbeitet der neue Mitarbeiter in Einrichtungen wie Kitas oder Pflegeheimen, dann übernimmt der behandelnde Therapeut vor Ort die entsprechende Einarbeitung. So binden wir immer den am besten informierten Kollegen je Themenbereich mit in die Einarbeitung ein.

Der Pate übernimmt auch die drei Feedbackgespräche. Das erste findet in der ersten Woche statt, um zu schauen, ob alles gut anläuft. Nach vier Wochen schauen wir dann noch einmal gemeinsam, ob es Bereiche gibt, in die sich der neue Kollege noch ein wenig tiefer einarbeiten möchte oder ob es Dinge gibt, die wiederholt werden müssen. Nach weiteren vier Wochen findet ein Abschlussgespräch statt. Hier wird die Einarbeitung beleuchtet: Haben eventuell noch Teile gefehlt? Gibt es Wünsche? Was hätte besser laufen können? Oder auch: Was war wirklich hilfreich? Auch nach der intensiven Phase der Einarbeitung bleibt der Pate der erste Ansprechpartner für den neuen Mitarbeiter.

Arbeiten Sie mit Plänen? Gibt es bei Ihnen ein bestimmtes Vorgehen?

ARMBRUST: Ja, bei uns gibt es eine vorgegebene Struktur und auch Checklisten. Das sorgt dafür, dass man im Alltag auch wirklich keinen Bereich vergisst. Die Pläne sind dann natürlich an die jeweiligen Bereiche, bei uns Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie, angepasst. Den größten Part der Einarbeitung nimmt das Organisatorische ein, zum Beispiel: Wie funktioniert die Praxissoftware? Wenn ich eine Einrichtung besuchen muss, wie komme ich dorthin und wer ist dort mein Ansprechpartner? Hier ist es wichtig, dass der neue Mitarbeiter vor dem ersten Einsatz dort die Einrichtung schon einmal besucht hat.

Insgesamt geht eine Einarbeitung bei uns über vier Wochen. In dieser Zeit lernen die Therapeuten dann alles kennen. Am ersten Tag gibt es bei uns erstmal ein Welcome mit einer Mitarbeiterin, die schon länger bei uns arbeitet. Sie zeigt die Basics, führt durch die Praxis, übergibt die Praxiskleidung, zeigt den neuen Spind usw. Das ist das allererste Ankommen. Danach geht es weiter zu einem Therapeuten der jeweiligen Disziplin Ergotherapie, Logopädie oder eben Physiotherapie. Bei Berufseinsteigern stehen dann erst einmal Hospitationen an. Sie laufen dann einfach ein paar Mal mit und schauen sich alles in Ruhe an. Nach und nach füllen sich dann die Arbeitstage auch mit eigenen Patienten.

Vier Wochen Einarbeitung sind ja eine lange Zeit. Warum lohnt es sich, Mitarbeiter so gewissenhaft einzuarbeiten?

ARMBRUST: Neue Mitarbeiter haben gewisse Vorstellungen und Erwartungen an eine neue Stelle. Man möchte eine Beziehung zu dem Unternehmen und den anderen Kollegen aufbauen. Ich glaube, Praxischefs vergessen oft ein wenig, dass die Probezeit ja auch für die Mitarbeiter gilt. Die ersten sechs Monate sind auch für die Therapeuten die Zeit, in der sie sich überlegen, ob sie in dieser Praxis arbeiten möchten. Durch eine gute fachliche und organisatorische Einarbeitung erreicht man vor allem Mitarbeiterzufriedenheit. Dadurch wiederum entsteht auch eine Bindung zwischen Praxis und Mitarbeitern, wodurch die Fluktuation verringert werden kann. Am Ende entsteht ein Team, das zufrieden ist und gut zusammenhält.

Diese Artikel gehören zum Themenschwerpunkt „Einarbeitung neuer Mitarbeiter“:

Themenschwerpunkt 5.2022: Investition in die Zukunft: gute Einarbeitung neuer Mitarbeiter

„Ich mache eine Einarbeitung, die auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters abgestimmt ist“

Ein Mentor als Ansprechpartner auf Augenhöhe

Besonderheit: Einarbeitung von Berufsanfängern

Vorbereitung ist alles

Die 6 wichtigsten Checklisten für eine gelungene Einarbeitung

0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all Kommentare
0
Wir würden gerne erfahren, was Sie meinen. Schreiben Sie einen Kommentar.x