„Den freien Praxen droht das aus!“ – 1,8 Mrd. Euro zusätzliches Honorar für Therapeuten könnte ambulante Versorgung sichern

vom: 07.05.2018

Das „Sofortprogramm Therapieberufe“ fordert eine deutliche Erhöhung der Vergütung und eine Neuordnung der Vergütungsverhandlungen im ambulanten Heilmittelbereich. Mit Aussicht auf Erfolg, wie jetzt die FAZ meldet. Denn über die richtige Vergütung für Therapeuten diskutiert inzwischen auch die Regierungskoalition.

Unter der Überschrift „Physiotherapeuten werden schlechter bezahlt als Altenpfleger“ hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) darüber berichtet, dass die Regierungskoalition in Berlin intern darüber berät, wie man dem Fachkräftemangel im Bereich der Heilmittelerbringer entgegenwirken könne. „Die schon beschlossene Verbesserung der Therapeutenvergütung geht zu langsam und reicht nicht aus“, zitiert die FAZ dabei den CDU Gesundheitspolitiker Roy Kühne.

In der aktuellen Debatte um eine bessere Bezahlung von Pflegekräften dürfe man nicht vergessen, dass gerade auch im Bereich der ambulanten Therapie eine erhebliche finanzielle Schieflage bestehe. Zudem würden angestellte Therapeuten in Krankenhäusern und Heimen um bis zu 60 Prozent besser bezahlt, was die Situation niedergelassener Praxen weiter verschärfe. „Schon heute werden immer mehr qualifizierte Mitarbeiter aus den ambulanten Praxen abgeworben“, so Kühne.

Vergleichsweise geringe Vergütung

Außerdem hätten sich die Honorare für therapeutische Berufsgruppen von denen anderer Gesundheitsberufe deutlich entkoppelt. So würden angestellte Therapeuten in Heilmittelpraxen auf dem Niveau von Arzthelfern bezahlt – während bei den Pflegekräften das Vergütungsniveau deutlich höher liege. Und dabei müssen Therapeuten ihre Ausbildung selbst bezahlen, Pflegekräfte erhalten dagegen sogar eine Ausbildungsvergütung. Mit einer auch gerade finanziellen Aufwertung der Pflegeberufe, wie jetzt von Gesundheitsminister Spahn angekündigt, werden die Unterschiede noch viel deutlicher werden. Bevor man die Krankenkassen also dazu zwinge, Geld an die Versicherten zurückzuzahlen, sei es notwendig, erst die aktuellen Probleme der ambulanten Versorgung zu lösen, fordert Kühne und hat dafür klare Forderungen aufgestellt:

Arbeitspapier „Sofortprogramm Therapieberufe“

  1. Deutliche Erhöhung der Vergütung sofort! – Man könne, so Kühne, nicht darauf warten bis die kleinteiligen Vergütungserhöhungen mit den Krankenkassen in ein oder zwei Jahren greifen, sondern müsse jetzt sofort zusätzliche 1,8 Milliarden in die Therapeuten investieren, um den Vergütungsabstand zwischen den verschiedenen Bereichen und Berufen nicht noch größer werden zu lassen.
  2. Neuordnung der Vergütungsverhandlungen im ambulanten Heilmittelbereich: Eine automatische jährliche Anpassung könnte, so Kühne, zum Beispiel in Anlehnung an die Entwicklung der ärztlichen Vergütung dafür sorgen, dass sich die Therapievergütungen auch in Zukunft leistungsgerecht weiterentwickelen.

Die Forderungen von Kühne scheinen in Berlin nicht ungehört zu verhallen. So hat laut FAZ Gesundheitsminister Jens Spahn bereits „hoffungsvolle Signale“ gesendet und auch in der großen Koalition gibt es mehrere Politiker, die der Argumentation Kühnes folgen.

Kommentar:

Eile ist geboten!

Auch wenn viele Therapeuten sich darüber freuen, dass es bei den Honoraren jetzt – dank der im vergangenen Jahr erfolgten Entkoppelung von der Grundlohnsumme – Steigerungen gibt, sollte man sich davon nicht darüber hinweg täuschen lassen, dass diese zu niedrig ausgefallen sind. Darum hat Roy Kühne recht, wenn er jetzt eine weitere einmalige Anpassung der Therapeuten-Vergütung fordert.

Und diese Forderung kommt gerade noch rechtzeitig: Denn wenn die Krankenkassen erst einmal per Gesetz gezwungen worden sind, ihre Überschüsse an die Versicherten zurückzuzahlen, ist kein Geld mehr da, um es zu verteilen! Also muss die Anpassung der Therapeutenhonorare jetzt zeitnah erfolgen – oder wir werden erleben, dass sich der akute Fachkräftemangel im Therapiebereich noch weiter verstärkt. Eile ist geboten!

Lesen Sie hier das Arbeitspapier „Sofortprogramm Therapieberufe“

Bildnachweis: Fotolia.com: reinobjektiv

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  • Was mir fehlt in der Diskussion ist die Frage, wie der „Bedarf“ (an Therapeuten, nicht an Geld) bemessen werden soll? Anzahl Therapeuten je 1.000 Einwohner (evtl. altersadjustiert), orientiert an ausgewählten Erkrankungen (ggf. welche), freie Standortwahl (losgelöst von konkteten Nachfragen der Patienten), niedrigschwellig (mobil bzw. aufsuchend), ….. ? Letztlich bleibt auch die Frage: Wannn ist die Versorgung bedarfsgerecht gewährleistet ?

  • Ich finde die Überschrift zu „reißerisch“ und beängstigend. Zwar bin ich davon auch betroffen. Aber bevor wir wirklich vor dem AUS stehen, muss wohl noch einiges passieren. Jedenfalls schrecken solche Überschriften potenzielle Therapeuten ab, überhaupt in einer Praxis anfangen zu wollen. Denn neben der Bezahlung profitiert der Mitarbeitende in der Praxis auch von einer großen Freiheit, sich selbst entfalten zu können, man ist auch als Angestellter in seinem Bereich sein eigener Herr. Aus diesem Grund arbeiten ich und meine Mitarbeiter sehr gern genau in diesem Bereich!
    Auch wenn man durch diese Überschrift jede Menge Aufmerksamkeit bekommt, hat diese neben ihrem Hauptziel wohl auch eine ungute Nebenwirkung!

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