Ausgabe up 6-2018 | Rubrik Politik

„Noch Krisenbranche oder schon Abbruchgeschäft?“ – Gutachten zur beruflichen und ökonomischen Situation von Selbstständigen in der Logopädie vorgestellt

vom: 04.05.2018

Niedrige Honorare und unzureichende Vergütung führen bei selbstständigen Logopäden dazu, dass die finanzielle Situation von Praxisinhabern und ihren Angestellten schlecht ist. Betriebsergebnisse bleiben weit hinter dem zurück, was in einem vergleichbaren Angestelltenverhältnis im öffentlichen Dienst gezahlt wird und erlauben keine Rückstellungsmöglichkeiten. Das zeigt ein Gutachten zur beruflichen und ökonomischen Situation von Selbstständigen in der Logopädie, das im Auftrag von LOGO Deutschland erstellt und kürzlich in Berlin vorgestellt wurde.

Im Mittelpunkt des Gutachtens steht die Wirtschaftlichkeit. Aber auch die Rahmenbedingungen in der ambulanten Versorgung mit Logopädie und ihr Stellenwert für die Gesundheit und Lebensqualität der Patienten sind Thema. Die Autoren benennen, wie vielfältig die fachlichen Herausforderungen sind, welche Relevanz der Beruf in der Gesundheitswirtschaft hat und zeigen auf, wie zunehmender Fachkräftemangel die Versorgung gefährdet.

Einzelkämpfer auf Niedriglohnniveau

Ein Vergleich zeigt: Die Vergütung logopädischer Leistungen pro Behandlungseinheit steigt seit Jahren weniger stark als die durchschnittlichen Bruttolöhne in Deutschland. Gleichzeitig wächst das Aufgabenspektrum selbstständiger Logopäden, etwa durch eine erweiterte Fortbildungspflicht, Prüfung von Verordnungen, elektronische Abrechnung mit den Krankenkassen, etc.

Gerade bei Einzelpraxen, die nahezu 50 Prozent der ambulanten Versorgung ausmachen und besonders in ländlichen Gegenden für die Versorgung der Patienten unverzichtbar sind, ist die wirtschaftliche Situation laut Gutachten besonders schwierig. Danach lag im Jahr 2015 das durchschnittliche Betriebsergebnis pro Arbeitsstunde in einer logopädischen Einzelpraxis bei weniger als 10 Euro.

Preiserhöhungen für Selbstständige nicht ausreichend

Obwohl durch Inkrafttreten des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes im April 2017 und die darauffolgenden Abschlüsse die Sätze für logopädische Leistungen in einigen Regionen 2019 fast 30 Prozent höher liegen werden als 2016, gleicht das die finanziellen Unterschiede nicht aus. „Eine selbständige Logopädin in einer Einzelpraxis muss auch nach den erfolgten Preiserhöhungen 2019 immer noch über 10 Stunden pro Woche länger arbeiten, als eine nach Tariflohn bezahlte Angestellte in vergleichbarer Position“, heißt es dazu im Gutachten. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die gegenwärtigen Arbeitsbedingungen zu einem Versorgungsengpass in der Versorgung mit logopädischen Leistungen führen werden und enden mit der Frage: „Noch Krisenbranche oder schon Abbruchgeschäft?“

Gutachten in Berlin vorgestellt

Bereits 2016 hatte LOGO Deutschland Prof. Dr. Josef Hilbert vom Institut Arbeit und Technik in Gelsenkirchen in Kooperation mit der Ruhruniversität Bochum mit der Erstellung des Gutachtens beauftragt. Nun stellte er die Ergebnisse bei einem parlamentarischen Frühstück Gästen aus Politik, Heilmittelverbänden und weiteren Repräsentanten aus dem Gesundheitssektor vor. Mit dabei auch MdB Dr. Roy Kühne, selbst Physiotherapeut, der bei der anschließenden Diskussion die Krankenkassen in der Pflicht sah, ihr Handeln zu ändern und die Vergütung weiter zu erhöhen. Sonst müssten sie mit Spätfolgen und Folgekosten von Fehl- und Unterversorgung von Patienten rechnen.

Um die Versorgung mit Logopädie sicherzustellen, sieht LOGO Deutschland neben einer besseren Vergütung zudem eine grundständige Akademisierung, die Abschaffung des Schulgelds und mehr Verantwortung durch Blankoverordnung und Direktzugang als wesentliche Voraussetzungen.

Bildnachweis: LOGO Deutschland

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