Ausgabe up 7-2018 | Rubrik Politik

Facebook live: Therapeuten verschaffen sich Gehör beim Gesundheitsminister

vom: 08.06.2018

Bei seinem wöchentlichen Facebook live kam Bundesgesundheitsminister Jens Spahn diese Woche nicht umher, sich intensiv mit den Heilmittelerbringern auseinanderzusetzen. Bereits in der vergangenen Woche beherrschten die Therapeuten in weiten Teilen die Live-Kommentare, beim Minister stand aber eher das Thema Pflege im Fokus. Das war in dieser Woche (Facebook live vom 07.06.2018) anders.

Nachdem er zunächst über das gerade vom Kabinett beschlossene Versichertenentlastunggesetz spricht – das angestellte Therapeuten natürlich entgegenkommt, für deren Arbeitgeber, die Praxisinhaber, jedoch eine zusätzliche finanzielle Belastung ab 2019 bedeutet –, kommt er in Minute drei auch gleich zu den Therapeuten.

Vielzahl von Aktionen zeigt Wirkung

Auch wenn der Bundesgesundheitsminister die verschiedenen Prostete, Initiativen und Demonstrationen nicht ganz auseinanderhalten kann, haben sie doch zumindest ein Ziel erreicht: Spahn nimmt die Heilmittelerbringer mit ihren Sorgen, Nöten und Forderungen wahr. Die vielen Facebook-Kommentare in dieser und der vergangenen Woche haben dafür gesorgt, dass sich zumindest dieser Livestream hauptsächlich um die Heilmittelerbringer dreht. Aussagen des Ministers wie „Das zeigt mir, wie sehr Sie das drückt und wie sehr Sie das Thema bewegt.“ und „Ich nehme das sehr wohl zur Kenntnis und auch an als großes Thema.“ sind erfreulich, konkrete Lösung gibt es über den Social-Media-Kanal aber natürlich nicht. Das sorgt für Unmut bei den Therapeuten – wie der Minister auch in den Kommentaren direkt zu spüren bekommt.

Gespräche mit den Verbänden über den Sommer

Erfreulich: Auch Spahn sieht in der kostenpflichtigen Ausbildung ein Problem, gerade was den Nachwuchs in der Branche angeht und bekräftigt die Absicht, das Schulgeld abzuschaffen und die Ausbildung für alle Gesundheitsberufe kostenfrei werden zu lassen. Zudem will er mit den Heilmittelerbringer-Verbänden über eine weitere Verbesserung der Vergütung sowie die Themen Struktur und Qualitätssicherung verhandeln – und zwar zeitnah. Erste Gespräche habe es schon gegeben.

Wie zu erwarten, äußert der Bundesgesundheitsminister viele gute Absichten, aber wenig Konkretes. Nur sein Zeitplan lässt ein wenig Raum für Hoffnung. Zwar werde er die Probleme der Heilmittelerbringer nicht in zehn Minuten lösen können, er erhofft sich aber ein gutes Ergebnis in den kommenden Wochen und Monaten und verspricht, weitere Gespräche mit den Verbänden nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern diese „zügig“ über den Sommer weiter zu führen.

Therapeuten dominieren Livestream

Während seines knapp fünfzehn Minuten langen Facebook live versucht Spahn mehrfach, von den Heilmittelerbringern weg zu anderen Themen zu kommen. Doch die Therapeuten dominierten eindeutig die Kommentare. Der Minister hat also keine andere Chance, als diesen Themen den Großteil des Livestreams zu widmen und immer wieder auf die Therapeuten zurückzukommen.

Die Meldungen kommen so schnell hintereinander, dass es kaum möglich ist, diesen in Echtzeit zu folgen. Auch Heiko Schneider, der mit dem Fahrrad von Frankfurt nach Berlin gefahren ist, um auf die Situation der Physiotherapeuten aufmerksam zu machen, meldet sich auf diesem Weg nochmals beim Minister: „Sehr geehrter Herr Spahn, leider konnte ich gestern über 700 Brandbriefe im BMG nicht abgeben. Wir Therapeuten sind im GBA nicht vertreten, folglich ist das BMG für uns zuständig. Noch bin ich in Berlin und wir könnten noch ein Treffen vereinbaren. Lieben Gruß Heiko Schneider“. (In einer Pressemitteilung auf www.therapeuten-am-limit.de vom 6. Juni 2018 heißt es: „Nach einigen Gesprächen mit Politikern, Verbandsvertretern und Krankenkassen, nahm der Gesundheitsausschuss auf das Betreiben von Dr. Joachim Kessler (MdB Die Linke)  die Briefe entgegen.“)

Minister verspricht konkrete Vorschläge in den kommenden Wochen

Ob sich der Minister bei Heiko Schneider gemeldet hat, wissen wir leider nicht. Er sollte das Angebot aber gesehen haben, denn er verspricht, sich die Kommentare im Anschluss an den Livestream nochmal anzuschauen. Fazit: Die vielen Meldungen der Therapeuten haben es geschafft, die Situation der Heilmittelerbringer zum Schwerpunkt und zum dominierenden Thema in diesem Livestream zu machen. „Und wenn ich auf jeden Fall eins mitnehme aus diesem Facebook live heute, dann, dass das ein Thema ist.“ Das habe er zwar bereits gewusst, sei ihm aber nun noch einmal mit Nachdruck nahegebracht worden. Er wolle sich um das Thema nun in den nächsten Wochen verstärkt, intensiv kümmern „…und zwar nicht nur kümmern nach dem Motto, hab‘ ich mir mal angeguckt, sondern auch so kümmern, dass es anschließend Vorschläge gibt – konkrete, um es besser zu machen.“

Wir werden sehen…

Bildnachweis: iStock: oatawa

(Visited 2.114 times, 1 visits today)
Themen: Alle Artikel, Branchennews, Branchennews Aktuell, Thema Berufspolitik, Thema Gesundheitspolitik, Thema Politik
Stichwörter: , , , , , , , , ,

Ähnliche Artikel

Wir freuen uns zu Ihrer Rückmeldung zu diesem Artikel! Lesen Sie hier mehr zu unseren Kommentarregeln und wie wir Kommentare redaktionell bearbeiten.

  • Versprechen kann man sich ja mal. Die Situation der Physios wird sich nicht ändern genauso wenig wie die Vergütungshöhe und der Direktzugang. Genauso wenig werde ich mit meinem Osteopathiestudium ohne HP Schein in Deutschland arbeiten dürfen, da der Physiotherapeut laut Berufsgesetz zu dumm ist mit Patienten ohne ärztliche Weisung zu arbeiten. Wer gesetzlich und bürokratisch so gegängelt wird wie wir Physios und einem korrupten Krankenkassensystem unterliegt kann froh sein wenn er immer noch Spaß an seiner Arbeit hat. Physios sind eben Lebenskünstler die nicht mit scheiße Geld verdienen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.