Ausgabe up 8-2019 | Rubrik Abrechnung

Deutliche Unterschiede bei Hausbesuchsvergütung – Bundesweit gültige Preise nicht vollständig umgesetzt

vom: 28.06.2019

Die jetzt vom GKV-Spitzenverband vorgelegten Preislisten weisen im Bereich der Hausbesuchsvergütung deutliche Unterschiede auf. Obwohl die Heilmittelpositionsnummer in den verschiedenen Fachbereichen (Ergo, Physio, Logo, Podo) bundesweit identisch ist, ergeben sich Unterschiede von über 40 Prozent. Ob das wohl die richtige Umsetzung des Gesetzes ist?

Nach den vom GKV-Spitzenverband veröffentlichten Preislisten erhalten Podologen zukünftig als Hausbesuchspauschale einen Betrag von EUR 9,20. Ergotherapeuten bekommen für die Identische Leistung dagegen EUR 13,28. Das entspricht einem Aufschlag für die Ergotherapeuten von über 44 Prozent. Auch bei den Physiotherapeuten und Logopäden fallen die Hausbesuchspauschalen deutlich niedriger aus, als bei den Ergotherapeuten. Und dass, obwohl die Leistung „Hausbesuch“ sogar in allen Preislisten dieselbe Heilmittelpositionsnummer „X9901“ hat.

Das gilt leider auch für andere Positionsnummern: So wird für „X9934“ – „Hausbesuch in soz. Einrichtungen, Pauschale“ bei den Podologen EUR 7,75 bezahlt, bei den Ergotherapeuten hingegen EUR 11,60. Das entspricht einem Aufschlag von 49,7 Prozent für die Ergotherapeuten.

Bleibt die Frage, ob der Gesetzgeber mit der Einführung von bundesweit geltenden Preisen wirklich gewollt hat, dass Physiotherapeuten 9 Cent weniger Kilometergelderstattung erhalten als Ergotherapeuten. Der Auftrag des Gesetzgebers war ziemlich klar: Die Preise sollen für „die einzelnen Leistungspositionen“ auf den „höchsten […] vereinbarten Preis angehoben“ werden. Das ist im Bereich Hausbesuch definitiv nicht umgesetzt worden. Höchste Zeit hier engagiert und klar eine Nachbesserung zu verlangen!

Weitere Informationen zu den neuen bundeseinheitlichen Preisen finden Sie in den Artikeln Bundesweit geltende Preise veröffentlicht sowie FAQ – Häufig gestellte Fragen zu den bundesweit geltenden Preisen.

Bildnachweis: iStock: SilviaJansen

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  • als ergotherapeut kann ich nicht verstehen, warum die anderen heilmittelerbringer mit deutlich weniger fahrtkosten auskommen müssen. der sprit ist der gleiche und auch die kilometer .
    um zwistikgeiten zu vermeiden müssen die preise unbedingt angeglichen werden, notfalls unsere gesenkt werden.
    das bedeutet für mich solidarität.

    • Die Preise für Ergotherapeuten sollten m. E. nicht gesenkt werden! Das ist unsinnig! Der Aufwand – auch zeitlich – für Hausbesuche ist deutlich größer als wenn ich nur in der Praxis arbeite.
      Ich plädiere für Preiserhöhung bei den weiteren Berufsgruppen!

  • Zum Thema Hausbesuche. Natürlich sollen alle Therapeuten für einen Hausbesuch die gleiche Vergütung bekommen, denn wir machen in dem Moment alle das Gleiche. Zum Patienten fahren. Weiß nicht, womit die Unterschiede erklärt werden.

  • Achtung. Im §125B Abs. 1 SGB V ist nochmal die Rede vom jeweiligen Heilmittelbereich, wie schon im §125. Dies lässt ganz klar auch den Bezug zum Absatz 2 ( Bundeshöchstpreise ) getrennt für die einzelnen Heilmittelbereiche ableiten, ohne dass das erneut erwähnt werden muss.

    • Aus der Gesetzesbegründung zum TSVG: Absatz eins regelt, „dass die bisherigen Verträge auf Landesebene … weitergelten.“ Und dass „unter der Maßgabe …, dass ab dem 1. Juli 2019 die Preise nach Absatz zwei gelten.“
      In Absatz zwei wird geregelt, dass „die Preise für die einzelnen Leistungspositionen einmal und bundeseinheitlich für alle Krankenkassen und Vertragsregionen auf den höchsten, in einer Vertragsregion des gesamten Bundesgebietes vereinbarten Preis angehoben“ werden.
      Ein Blick in das „Bundeseinheitliche Heilmittelpositionsnummernverzeichnis“ macht sehr schnell deutlich, dass auch der GKV-Spitzenverband bei den Hausbesuchspositionen von für alle Fachgruppen identischen Positionen ausgeht (siehe Seite 25 des Dokuments).
      Aus Sicht der Therapeuten muss man diesen Punkt ganz klar kritisieren, er geht hier um viel Geld, die Ausgaben für Hausbesuchen haben in 2018 rund 560 Million Euro betragen, es wäre grob fahrlässig, hier nicht aktiv zu werden, gerade die Podologen verlieren an dieser Stelle Millionen.

      • Danke Herr Buchner für Ihre Antwort. Sicherlich sind die ( verschiedenen ) Preise noch lange nicht zufriedenstellend. Leider lässt das TSVG aktuell keine andere Auslegung als das Veröffentlichte zu.

        Mindestens genauso wichtig, wie wirtschaftliche Hausbesuchspauschalen wird auch die Verfügbarkeit von therapeutischer Leistung vor sein. Dazu brauchen wir eine Dezentralisierung von therapeutischem Angebot durch die Möglichkeit von kleinen überschaubaren Selbstständigkeiten, welche mit dem Bundesrahmenvertrag auch geschaffen werden kann.

      • Hallo Herr Plattner, stimme mit Ihnen überein, bis auf den Kommentar zur Auslegung des TSVG: Nach Rücksprache mit mehreren Anwälten wird klar, dass es in der Tat mehrere Möglichkeiten gibt, diesen Passus auszulegen. Aber wenn es mehrere Mögichkeiten gibt, dass sollten wir uns IMMER auf die für Therapeuten bessere Auslegung konzentrieren und dafür argumentieren!

      • Ja, Herr Buchner. Über kurz oder lang sollte es bei diesen Positionen und bei den Zulassungsbedingungen keine Unterschiede mehr zwischen den einzelnen Heilmittelbereichen geben. Da ist es zu begrüßen, dass sich die einzelnen Verbände zusammen gefunden haben. Das nächste Jahr wird richtungsweisend.

    • Es gibt verschiedenen Positionen für den Hausbesuch, in manchen Regionen HB + Wegegeld gem. Entfernung zwischen Praxis und Patientenwohnung und in anderer Regionen HB-Pauschale inkl. Wegegeld. Die Positionsnummer X9933 ist die HB-Pauschale inkl. Wegegeld und wird bei den Physiotherapeuten jetzt mit 16,22 Euro vergütet, bei den Ergotherapeuten mit 17,79 Euro und bei den Podologen mit 14,83 Euro. Die Ergotherapeuten bekommen also ein rund 20 Prozent höheres Honorar, als die Podologen – bei identischer Positionsnummer.

  • Die Bemessung der Fahrtkosten ist ohnehin beschämend.
    Der höhere Einstufung für Hausbesuche der Ergotherapie ist für mich nicht nachvollziebar. Leisten die etwa hochwertigere Arbeit als Logopäden?
    Ich muss mal recherchieren, ob Logopädie in irgend einem Europäischen Land noch schlechter bezahlt wird.
    Es ist zu überlegen, ob Hausbesuche überhaupt rentabel sind.

    • Dem ersten Satz stimme ich voll zu. Ebenso dem zweiten Satz.
      Selbst, wenn alle das Entgelt bekommen, wie wir Ergotherapeuten, stimmt der erste Satz immer noch, denn die Kosten sind auch damit nicht gedeckt – von der Ungerechtigkeit HB zu Hause und HB im Heim gerade mal abgesehen.
      Ich finde es erstaunlich, wie es bereits jetzt schon wieder klappt, dass sich die Therapeutengruppen gegeneinander ausspielen lassen: Das ungerechte Entgelt für Hausbesuche hat ja schon mal nichts mit der Qualität der Arbeit zu tun. In diesem Punkt muss jeder vor seiner eigenen Haustür kehren.
      Anstelle wir alle gemeinsam sagen: „Gut, das ist ein Anfang, aber wir geben uns noch nicht zufrieden“, lese ich: „Leisten DIE etwa….“ Lasst uns gemeinsam weiter für wirklich kostendeckende Entgelte und gerechtere Regeln für Therapeuten und Patienten eintreten.

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