Patientenkredite sind im Kommen

vom: 18.09.2006

Mit Ratenkrediten für therapeutische Leistungen entdecken Banken und Internetdienstleister neue Geschäftsfelder. Bei Patientenkrediten rechnen Experten mit wachsenden Umsätzen.

In den USA ist es bereits gang und gäbe, in Deutschland findet das Konzept nur langsam seine Anhänger: Die Vermittlung von Ratenkrediten durch medizinische Leistungserbringer. Im Internet sind entsprechende Anbieter einfach zu finden und das Verfahren ist simpel: Der Patient lässt seine Gesundheitsleistung zunächst von einem Kreditgeber bezahlen! Beträge von 80 bis 80.000 Euro können über spezielle Anbieter von Patientenkrediten übers Internet „gebucht“ werden. Das Antragsverfahren funktioniert in der Regel schnell und einfach.

Ein Physiotherapeut bietet beispielsweise ein präoperatives Training bei Knie-TEP an. Diese Leistung wird nicht von der GKV bezahlt und ist damit eine Selbstzahlerleistung. Angenommen, dass diese insgesamt 1.000 Euro kostet und der Patient das Geld nicht auf einen Schlag zahlen kann, kann er einen Antrag für einen Kredit bei einem Gesundheitsfinanzierer stellen. Nach Prüfung und Zusage überweist dieser die Summe direkt an den Therapeuten. Der Patient tilgt das Darlehen in von ihm gewählten Raten. Die effektive Verzinsung bei solchen Patientenkrediten liegt um 10%, abhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen.

Einige Anbieter verlangen eine Bearbeitungspauschale von ihren Kunden, wenn die Kreditsumme gering ist. Auf Wunsch kann der Leistungserbringer die Zinsen des Darlehens schon in den Preis der Leistung einkalkulieren. Dann findet eine so genannte Nullprozent-Finanzierung statt, die man zum Beispiel von Autohäusern her kennt.

Ärzte stehen dieser neuen Entwicklung zum Teil skeptisch gegenüber. Im Prinzip hat zwar niemand wirkliche Einwände gegen eine Kreditfinanzierung von medizinischen Leistungen; aber emotional finden viele Ärzte, dass ein Finanzierungsinstrument nicht in die Arztpraxis gehört. Begriffe wie „Abzocke“ werden in der Diskussion gerne genannt. Einige Ärztevertreter befürchten, dass der gesamte Ärztestand in Misskredit geraten könne, wenn Mediziner als Vermittler von Krediten auftreten.

Klar ist, dass es nicht zulässig ist, eine Vermittlungsprovision für die Vermittlung von Krediten zu erhalten. Das würde gegen die ärztliche Berufsordnung verstoßen. Für Therapeuten sind die Grenzen etwas fließender, aber auch hier muss man sich überlegen, welchen Zusatznutzen man Patienten mit der Vermittlung eines Ratenkredites anbieten kann.

Im Internet findet man auf den Seiten www.medipay.de und www.carecapital.de entsprechende Anbieter. Hier kann man sich auch als Kooperationspartner eintragen lassen und bekommt Informationsbroschüren zugeschickt. 

Wenn Sie also Selbstzahlerleistungen anbieten, deren Kosten die Patienten nicht ohne Weiteres sofort aus eigener Tasche bezahlen können, dann könnte das Angebot eines Ratenkredites für Ihre Praxis interessant sein.

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