Umsatzsteuer 19% – Was Sie als Käufer jetzt beachten sollten!

vom: 18.09.2006

Am 1.1.2007 kommt die Umsatzsteuererhöhung. Bis zum Jahreswechsel ist es nicht mehr lange hin, so dass man sich jetzt schon darüber klar sein sollte, wie sich die Erhöhung auf das eigene Kaufverhalten auswirkt.

Der allgemeine Umsatzsteuersatz wird am 1. Januar 2007 von 16% auf 19% angehoben, der ermäßigte Steuersatz (zum Beispiel für Bücher) von 7% bleibt gleich. Grundsätzlich muss der neue Steuersatz auf alle Umsätze angewendet werden, die ab dem 1. Januar stattfinden. 
Achtung: Der Zeitpunkt der Leistungserbringung ist maßgeblich. Wer glaubt, dass für die Fälligkeit der Mehrwertsteuer zum Beispiel der Tag des Vertragsabschlusses oder das Rechnungsdatum oder das Datum der Überweisung von zu zahlenden Kosten relevant ist, der irrt. Entscheidend ist, wann die zu versteuernde Leistung oder Lieferung erfolgt!

Beispiel Lieferung: Sie bestellen am 1. Dezember 2006 einen neuen Computer für die Praxis. Dieser wird Ihnen am 16. Januar 2007 in die Praxis geliefert. Der Mehrwertsteuersatz beträgt 19%.

Beispiel Werkvertrag: Sie beauftragen einen Malermeister, Ihre Praxis neu zu tapezieren. Den Auftrag bekommt der Malermeister Ende November und auf Ihren Wunsch hin schreibt er eine Vorauszahlungsrechnung in Höhe von 5.000 Euro plus 800 Euro (= 16% MwSt). Die 800 Euro Mehrwertsteuer führt er auch ordnungsgemäß an das Finanzamt ab. Die Leistung erbringt er aber nicht mehr im Dezember, sondern er schafft es erst Ende Januar, die Praxis neu zu tapezieren. Daher muss der Malermeister die Differenz von 150 Euro (bei 19% MwSt) zusätzlich an das Finanzamt abführen. Sie als Kunde haben Anspruch auf eine korrigierte Rechnung, auf der diese neue Berechnung der Mehrwertsteuer zu erkennen ist. Wer die Differenz zahlt, hängt vom Angebot ab. Hat der Malermeister Ihnen ein Angebot „netto – zzgl. gesetzl. MwSt.“ gemacht, müssen Sie die Umsatzsteuer zahlen, ist das Angebot ein Festpreis „brutto – inkl. MwSt.“ gewesen, dann muss der Malermeister selbst dafür sorgen, dass seine Kalkulation aufgeht und darf bei Ihnen nichts nachfordern. Wenn der Malermeister zwei Räume noch im Dezember und zwei Räume im neuen Jahr tapeziert, dann wäre es legitim, eine Teilrechnung für den in 2006 erbrachten Leistungsanteil zu erstellen. Auf diese Leistung würden dann 16% MwSt. berechnet werden, während auf die beiden in 2007 tapezierten Räume wiederum 19% MwSt. abzurechnen sind.

Bei der letzten Mehrwertsteuererhöhung am 1. April 1998 haben Betriebsprüfer besonders auf solche Handwerkerrechnungen geachtet, die unmittelbar vor Inkrafttreten der Steuersatzerhöhung erstellt worden sind. Daher sollten Werkvertrag, Leistungsverzeichnis und die Arbeitszettel der Handwerker stimmig sein und unbedingt aufbewahrt werden, um im Zweifel nachweisen zu können, welche Leistungen wann erbracht worden sind.

Beispiel Dauerleistungen: Eine Dauerleistung ist zum Beispiel ein umsatzsteuerpflichtiger Gewerbemietvertrag. Auch ohne eine zusätzliche Vereinbarung steht dem Vermieter nach § 29 des Umsatzsteuergesetzes die höhere Umsatzsteuer zu, allerdings muss dazu eine neue Rechnung an den Mieter ausgestellt werden. 

Fazit: Wenn Sie als Käufer noch den Steuersatz von 16% haben wollen, müssen Sie darauf achten, dass Lieferungen und Leistungen noch in 2006 abgeschlossen sind. Wenn dieser Abschluss in 2006 nicht möglich ist, lohnt es sich bei größeren Anschaffungen durchaus, Teilleistungen abzugrenzen und dann schon als Teilzahlung zu bezahlen.

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