Erstaunliche Reaktion einiger Verbände zur Lymph-Kampagne

vom: 23.09.2016

Ein Kommentar von Ralf Buchner

Wenn man eine öffentliche Kampagne startet, dann muss man mit Gegenwind rechnen, und es weht ein wenig. So behauptet zum Beispiel ein Verband, wir würden „Panikmache“ betreiben, der Geschäftsführer eines anderen Verbandes ruft an und bittet um sofortigen Stopp der Aktion und der Vorsitzende eines süddeutschen Verbandes behauptet allen Ernstes, die Kampagne hätten wir nur gestartet, um eigene Fehler zu vertuschen – darauf muss man erst mal kommen! Es gibt halt Menschen, die eine andere Meinung einfach nicht gelten lassen wollen, also: geschenkt.

Doch ein Einwand gegen die Lymph-Kampagne überrascht: Drei Verbände behaupten nun, dass die Kompressionsbandagierung noch nie in der Regelbehandlungszeit der MLD-Therapie hätte stattfinden dürfen. Da reibt man sich erstaunt die Augen und fragt: „Echt jetzt?“ Wenn das wirklich so in der Leistungsbeschreibung steht, warum haben die Kassen dann die aktuelle Änderung der HeilM-RL durchgedrückt?

Es gibt seit Jahren eine klare Leistungsbeschreibung für MLD (inkl. Kompressionsbandagierung) in der Heilmittel-Richtlinie und eine nicht ganz so klare Leistungsbeschreibung für Kompressionsbandagierung in den Rahmenverträgen. Und die kann man unterschiedlich auslegen. Entweder zugunsten der Therapeuten: „Ja, Kompressionsbandagierung erfolgt innerhalb der MLD-Behandlungszeit.“ Das ist auch genau das, was die allermeisten Lymphdrainagetherapeuten in ihren Praxen jeden Tag zu Recht machen und abrechnen.

Oder man legt die Leistungsbeschreibung im Sinne der Krankenkassen und zu Lasten der Therapeuten aus: „Nein, Kompressionsbandagierung muss zusätzlich zur MLD-Behandlungszeit erbracht werden.“ Das kostet den Therapeuten dann richtig Zeit und damit viel Geld. Und nein, ich kenne keinen Therapeuten der das so macht. Aber genau diese Interpretation haben sich drei Physio-Landesverbände zu Eigen gemacht. Da fragt man sich doch: Wen vertreten diese Landesverbände eigentlich?

Tausende von Therapeuten stellen Öffentlichkeit her für ein gemeinsames Anliegen und kämpfen dafür, dass die Versorgung mit Lymphdrainage auch in Zukunft gesichert ist. Dafür lohnt es sich, an einem Strang zu ziehen.

Bildnachweis: iStock, Slphotography

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  • Vielleicht sollte man mal über den Begriff der “Sittenwidrigkeit” bei der Vergütung der MLD mit Kompression von Seiten
    der gesetzlichen Krankenkassen nachdenken und unsere Berufsverbände das auch als solches benennen.
    Von der AOK erhalte ich für MLD 45 23,40 €. Wenn ich Pech habe, muss ich für 13,76 € in weiteren 40 min ( so die Auffassung meines Verbandes ) 2 Extrmitäten kompremieren, wobei das Polstermaterial auch von der Praxis für beide Extremitäten des Patienten bereit gestellt ( bezahlt ) werden muss.
    Mit welchem Lohn können wir Lymphtherapeuten dann noch rechnen? Mein Verband hat sich auf die Fahne geschrieben, für die Masseure und med. Bademeister einzutreten. Wovon soll der Berufsstand noch leben?

  • Dann veröffentlichen Sie doch bitte die besagten Verbände!? Dann können sich Mitglieder dieser Verbände überlegen, ob es wirklich der richtige Verband für diejenigen Mitglieder ist!?

    • Nein, das mache ich bestimmt nicht. Ich möchte hier niemanden in die Pfanne hauen. Und in der Regel ist es weniger ein Verband, als ein oder zweit bestimmte Funktionäre eines Verbandes, die für die “offizielle” Reaktion eines Verbandes verantwortlich sind. Leider setzten sich nicht immer die besten Leute durch… Bleiben Sie lieber in ihrem Verband, statt austreten könnte man ja auch dafür sorgen, dass eine Diskussion innerhalb des Verbandes geführt wird. Ich bin gern bereit als Gesprächspartner dazu zu kommen. (bu)

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