Ausgabe up 11-2016 | Rubrik Politik

FAQ’s: Häufige Fragen zum Thema osteopathische Verfahren in der Physiotherapie-Ausbildung

vom: 19.10.2016

Der Gesetzesentwurf zur Aufnahme osteopathischer Verfahren in die Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Physiotherapeuten würde längst nicht so viel ändern, wie die aufgeregte Diskussion vermuten lässt. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

F: Wird Osteopathie jetzt zur Kassenleistung?

Ob eine Leistung oder Methode eine neue Kassenleistung wird, darüber entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) auf einen Antrag hin. Bevor er sich entscheidet, prüft er sehr ausführlich vorliegende Studien, die den Nutzen der neuen Leistung belegen müssen. So ein Verfahren dauert, wenn denn jemand einen entsprechenden Antrag stellt, mindestens drei bis fünf Jahre.

F: Sind denn nicht alle Beteiligten daran interessiert, Osteopathie als Kassenleistung zu etablieren?

Osteopathie ist bereits eine Kassen-Wahlleistung. Leistungserbringer erhalten dafür also von der Kasse einen Zuschuss zu ihren selbst festgelegten Preisen. Die Kassen werben mit solchen Wahlleistungen um Mitglieder. Insofern ist niemand wirklich daran interessiert, etwas an der aktuellen Vergütungssituation zu ändern.

F: Soll die Osteopathie in den Heilmittel-Katalog aufgenommen werden?

Nein, ein Gesetz alleine kann eine Leistung nicht im Heilmittel-Katalog verankern. Dazu muss der G-BA ein entsprechendes Verfahren durchführen (s.o.).

F: Kommt es durch die Änderung nicht zum Preisverfall?

Da Osteopathie eine Selbstzahler-/Privatleistung ist, können Leistungserbringer den Preis der Leistung nach eigenem Ermessen frei bestimmen. Daran ändert auch die Aufnahme der Osteopathie in die Ausbildungs- und Prüfungsordnung nichts.

F: Aber wollen die Krankenkassen den Preis für Osteopathie nicht drücken?

Die Bereitschaft der Krankenkassen, für eine Wahlleistung (das ist die Osteopathie) freiwillig zu zahlen, hängt vom Wettbewerb zwischen den Kassen ab. Selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintritt und der G-BA Osteopathie in ein paar Jahren zu einer Kassenleistung macht: Kassen und Heilmittelverbände müssten immer noch Leistungsbeschreibungen erstellen und Honorarverhandlungen führen. Dann hätten Therapeuten also durchaus wieder Einfluss auf die Höhe der Vergütung.

F: Wird jetzt der Umfang der Osteopathieausbildung gekürzt?

Nein, die Gesetzesänderung hat mit den Richtlinien der Osteopathieausbildung nichts zu tun. Die im Gesetz erwähnten 60 Stunden Unterricht sind zusätzliche Stunden, die alle angehenden Physiotherapeuten durchlaufen. Das tun sie unabhängig davon, ob sie später eine Osteopathieausbildung absolvieren oder nicht.

F: Muss ich als Physiotherapeut jetzt keine Osteopathieausbildung mehr machen?

Osteopathie ist eine optionale Weiterbildung. Durch die Gesetzesänderung ändert sich daran nichts. Wer als physiotherapeutischer Osteopath Leistungen anbieten und erbringen will, der muss nach wie vor die Ausbildung durchlaufen. Das schreiben zum Beispiel die Krankenkassen als Voraussetzung dafür vor, dass sie die Wahlleistung Osteopathie erstatten.

F: Dürfen Physiotherapeuten zukünftig Osteopathie im Direktzugang erbringen?

Nein, Physiotherapeuten dürfen nach wie vor keine Patienten ohne ärztliche Verordnung behandeln. Mit dem sektoralen Heilpraktiker können sie Patienten, beschränkt auf das Gebiet der Physiotherapie, direkt behandeln. Mit dem neuen Gesetzesentwurf wäre das auch für die Osteopathie als Teil der Physiotherapie möglich – für Physiotherapeuten mit zusätzlicher Osteopathieausbildung und dem sektoralen Heilpraktiker Physiotherapie.

F: Ich bin Physio ohne Osteopathieausbildung, ist meine Ausbildung dann weniger wert?

Physiotherapeuten ohne Osteopathieausbildung sind genauso gute oder schlechte Therapeuten wie alle anderen – so sehen das in der Regel auch Ärzte, Krankenversicherungen und Patienten. Osteopathie ist eine (sehr weit gefasste) Therapiemethode, die man anwenden kann, aber nicht muss.

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  • Ein interessanter Artikel! Gerade, dass auch Physiotherapeuten dem Verfahren folgen müssen, war mir neu. Immerhin soll die Nachschulung anscheinend recht unkompliziert sein. Viele Grüße

  • Interessant. D.h. also das Physiotherapieschulen dieses Verfahren zwingend beachten müssen.
    Physiotherapeuten ohne Osteopathieausbildung sind genauso gute oder schlechte Therapeuten wie alle anderen – so sehen das in der Regel auch Ärzte, Krankenversicherungen und Patienten. Osteopathie ist eine (sehr weit gefasste) Therapiemethode, die man anwenden kann, aber nicht muss.
    Gut zu wissen.

  • und was ist mit physio´s, die gerade in der Ausbildung zum osteopathen sind bzw was ist mit physio´s, welche fertige osteopathen sind? wir hatten ja noch nicht die 60 Std Osteopathie in der Ausbildung der Physiotherapie?reicht da auch der sektorale HP oder benötigt man nicht mal den in Zukunft?

      • Da sich die ganze Sache noch im “working progress” befindet, ist das noch nicht zementiert. Auf jeden Fall sollen Physios, die schon ihre Osteopathieausbildung gemacht haben oder noch machen wollen, über Nachschulungsmöglichkeiten aufgefangen werden. Meistens sind solche Übergangsregeln relativ einfach und ermöglichen für einen bestimmten Zeitraum eine gute und nicht zu aufwendige “Nachschulung”.

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