Ausgabe up 05-2017 | Rubrik Branchennews

WIdO: Mehr Prävention und effektive ambulante Versorgung können vermeidbare Krankenhausfälle reduzieren

vom: 06.04.2017

Ein Fünftel aller Klinikbehandlungen wäre vermeidbar. Das geht aus einer Analyse  des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. Das Institut spricht von ambulant-sensitiven Krankenhausfällen (ASK-Fälle) – Klinikbehandlungen, die sich durch die richtige ambulante Versorgung potenziell vermeiden lassen.

Das WIdO ermittelte die Zahlen der AOK-Versicherten von 2015. Demnach waren die Hauptauslöser der ASK-Fälle Herz- (193.000 Fälle), Lungen- (165.000 Fälle) und Suchterkrankungen (152.000 Fälle). Rückenschmerzen führten zu 112.000 vermeidbaren Klinikbehandlungen. Insgesamt waren knapp 1,5 Millionen, also 22 Prozent aller AOK-Krankenhausbehandlungen, ASK-Fälle.

Das WIdO hat in seiner Analyse weiter mit einer von der Gesundheitsökonomin Leonie Sundmacher entwickelten Methodik berechnet, wie viele der Fälle tatsächlich vermeidbar gewesen wären. Bei den Rückenschmerzen waren das demnach etwa 81 Prozent.

Bildnachweis: Wissenschaftliches Institut der AOK

Allgemeine Maßnahmen der Primärprävention

Diese Zahlen könnten, so der stellvertretende WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder, durch entsprechende Prävention und eine effektive, qualitativ hochwertige Versorgung im ambulanten Sektor verringert werden. „Allgemeine Maßnahmen der Primärprävention wie vermehrte Bewegung, Gewichtsreduktion, Rauchverzicht und Einschränkung des Alkoholkonsums können das Risiko für viele der Krankheiten reduzieren, die potenziell vermeidbare Krankenhausfälle verursachen.“

Angebote auch in der Sekundär- und Tertiärprävention

Im Rahmen der Sekundärprävention sollten möglichst früh symptomlose Krankheitszustände durch medizinische Diagnostik erkannt werden, so Schröder. Ziel der Tertiärprävention, die sich an chronisch kranke oder behinderte Menschen richtet, sei es, die vorhandene gesundheitliche Situation zu stabilisieren und eine Verschlechterung zu verhindern. Beispiele für solche Leistungen seien Patientenschulungsmaßnahmen für chronisch Kranke sowie Koronarsportangebote für Patienten nach Herzinfarkt.

Präventions-Ansätze in Nationalen Versorgungsleitlinien

Ansätze zur Prävention fänden sich beispielsweise in den Nationalen Versorgungsleitlinien (NLV), beispielsweise in der aktuellen NLV „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“. Sie empfiehlt unter anderem Bewegungstherapie, die Teilnahme an Rehasportgruppen und Progressive Muskelrelaxation.

Präventionsangebote in allen Lebensphasen

Nach Ansicht Schröders müssten Präventionsangebote die Menschen in allen Lebenswelten erreichen, auch außerhalb des Berufs, etwa in Kindertagesstätten und Schulen. „Aber die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), insbesondere in kleinen und mittelständischen Unternehmen, muss ebenso intensiviert und ausgebaut werden“ sagt der WIdO-Geschäftsführer. Im Rahmen einer qualitativ hochwertigen Versorgung könnten Heilmittelerbringer dabei eine bedeutsame Rolle spielen.

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