Ausgabe up 10-2018 | Rubrik Politik

„Dieses Gespräch wird Folgen haben“ – Verbandsvertreter und unabhängige Therapeuten treffen Gesundheitsminister Spahn in Berlin

vom: 14.09.2018
Illustration eines Meetings mit bunten Sprechblasen

Nachdem die Therapeuten seit Monaten ihren Unmut in Brandbriefen, bei Demonstrationen, durch Petitionen und mit Kreidebotschaften auf der Straße deutlich gemacht haben, konnten Vertreter der Berufsverbände und einige unabhängige Therapeuten nun auch endlich persönlich mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprechen. Hier ein erster Überblick über die Reaktionen der Teilnehmer und einige der Inhalte des Treffens.

Bevor das Gespräch mit dem Gesundheitsminister anstand, übergab Tim Maller, selbständiger Physiotherapeut, eine von ihm initiierte Online-Petition an den Bundestagsabgeordneten und Physiotherapeuten Dr. Roy Kühne. Darin fordern mehr als 225.000 Unterzeichner eine Verbesserung in der Berufssituation für Physiotherapeuten und andere Heilberufe. Konkret erwarten sie vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) unter anderem die flächendeckende Einführung der Schulgeldfreiheit und des Studiums zum Bachelor of Science Physiotherapie, die Anhebung der Kassensätze und Erhöhung der Behandlungszeiten.

Positives Feedback der Teilnehmer

Die Themen der Petition kamen dann auch im Gespräch mit dem Bundesgesundheitsminister auf den Tisch. Etwa drei Stunden sprach Spahn mit den 17 Vertretern der Heilmittelverbände und vier unabhängigen Therapeuten, die er nach Berlin eingeladen hatte. Wenn man sich die ersten Berichte der Teilnehmer betrachtet, scheinen sie mit dem Gespräch zufrieden. Der VBD-Physiotherapieverband e.V. (VDB) spricht auf seiner Facebook-Seite von einer „konstruktiven Arbeitsatmosphäre“. Der Minister habe sich gut informiert und handlungsbereit gezeigt. Auch beim Bundesverband Selbständiger Physiotherapeuten – IFK e.V., dem Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) und dem Deutschen Verband der Ergotherapeuten e.V. (DVE) lautet das Fazit: „Es hat sich gelohnt.“

Jenny Eisbach, Ergotherapeutin aus Rheinland-Pfalz, berichtet in der Facebook-Gruppe der Therapeuten am Limit Rheinland-Pfalz: „Wer etwas sagen wollte wurde gehört und jeder hatte die Möglichkeit zu sagen, was er für wichtig hielt.“ Sie bewertet den Tag als sehr positiv. „Die Kollegen von Herrn Spahn haben fleißig mitgeschrieben und er hat versprochen in ca. 2 Wochen erste Ideen zu präsentieren“, so Eisbach. Die Verbände hätten viele Zahlen und Fakten vorgelegt, seien sich aber bei manchen Themen nicht ganz einig gewesen – etwa bei der Akademisierung und den Blankoverordnungen.

Hoffnungsschimmer bei der Vergütung

Ein Thema, bei dem alle einer Meinung waren, machte direkt den Anfang: die Vergütung. Die Verbände hätten auf das Sofortprogramm von Dr. Roy Kühne verwiesen und deutlich gemacht, dass die Vergütungserhöhungen, wie sie darin gefordert werden, unbedingt zeitnah umgesetzt werden müssen, berichtet Christine Donner von Bundesverband der Ergotherapeuten in Deutschland e.V. (BED) in einem Audiobericht zum Treffen. Spahn sei bei dem Thema sehr offen gewesen. Der Bundesgesundheitsminister habe zwar „nicht wortwörtlich 30 Prozent mehr versprochen“, sei aber nach dem Gespräch sehr optimistisch gestimmt, dass eine Vergütungserhöhung zeitnah erfolgen wird, so Donner.

Ausbildung: Schulgeldfreiheit – ja, Akademisierung – jein

Eine vollständige Akademisierung werde es mit ihm nicht geben, hatte der Gesundheitsminister eine klare Meinung zu diesem Thema. „Da müssen sie auf den nächsten Minister warten“, wird er unter anderem von LOGO Deutschland zitiert. Eine teilweise Akademisierung im Bereich der Lehre, Wissenschaft und Forschung halte er aber durchaus für sinnvoll, berichtet Donner. Beim Thema Schulgeldfreiheit habe er Unterstützung signalisiert. Sie stehe im Koalitionsvertrag und werde auch umgesetzt. Allerdings sei hier die Mitarbeit der Länder erforderlich, die auch ihren finanziellen Beitrag leisten müssten.

Entbürokratisierung – Blankoverordnung – Direktzugang

Als die Entbürokratisierung zur Sprache kam, habe sich der Minister die Probleme angehört und war teilweise überrascht, fasst der VDP zusammen. Es sei jedoch deutlich gewesen, dass der Minister hier noch keine Lösungen habe, berichtet Donner. Sie habe es aber so verstanden, dass der Gesundheitsminister die Blankoverordnung als ein Mittel sehe, um Bürokratie abzubauen. Er habe sich dazu aber nicht genauer geäußert. Beim Thema Direktzugang warf der Minister Bedenken wegen der Mengensteuerung ein und verwies zudem auf die Haftungsfrage seitens der Therapeuten. „Ihnen ist schon klar, dass sie dann auch eine Budgetverantwortung haben“, wies der Minister laut LOGO Deutschland in diesem Zusammenhang auch auf erforderliche Stellschrauben hin.

So geht es weiter

Der Gesundheitsminister will in den kommenden zwei Wochen Vorschläge auf Grundlage des Gesprächs erarbeiten und zum Therapiegipfel am 27. September ein Maßnahmenpaket vorstellen. Zudem solle es nicht bei einem einmaligen Gespräch bleiben. Wie der VDB mitteilt, endete das Treffen mit dem vielversprechenden Satz: „Dieses Gespräch wird Folgen haben…“ Andreas Pfeiffer, Vorsitzender des DVE resümiert: „Ein guter Anfang für einen offenen und ehrlichen Dialog. Wichtige Themen wurden besprochen. Ich freue mich auf die versprochene Fortsetzung.“ Es bleibt nun abzuwarten, welche Lösungsvorschläge Spahn zum Therapiegipfel im Gepäck haben wird.

Bildnachweis: iStock: Rawpixel

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