Ausgabe up 11-2017 | Rubrik Politik

Themenschwerpunkt Heilmittel-Richtlinie: Das Evidenz-Dilemma des Heilmittel-Katalogs

vom: 01.11.2017

Jetzt ist das leidige Evidenz-Thema also wieder auf dem Tisch. Das Konzeptpapier der KBV stellt die Evidenz von zumindest Teilen des Heilmittel-Katalogs in Frage. Doch wer muss sich eigentlich um Evidenz für die Wirksamkeit von Heilmitteln kümmern? Ist das eine Bringschuld der Heilmittelerbringer oder hätte die Forschung dazu nicht gerade von Kassenärzten, Krankenkassen und G-BA vorangetrieben werden müssen?

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Bei der Frage nach der Evidenz von Heilmitteltherapie gemäß HeilM-Katalog bleiben viele Fragezeichen. Denn faktisch gibt es kaum Untersuchungen dazu, ob die Systematik, die angesetzten Mengen im Regelfall, die Methoden und die Zuordnung der Methoden zu den jeweiligen Diagnosengruppen irgendeinen Sinn ergeben.

Geplante Begleitforschung nie angelaufen

Wenn jetzt die KBV in ihrem Konzeptpapier die Frage nach der Evidenz eines 15 Jahre alten Heilmittel-Katalogs stellt, dann wird es dünn bei den Antworten. Wer aber glaubt, fehlende Antworten bedeuten keine Evidenz, der irrt. Fragen nach der Evidenz müssten die Autoren des HeilM-Katalogs beantworten. So war das 2001 – bei der Einführung der HeilM-RL – ursprünglich vorgesehen. Man wollte damals eine Begleitforschung starten, um zu untersuchen, ob das System zu besseren Behandlungsergebnisse führen würde. Dummerweise hat es diese Begleitforschung nie gegeben. Stattdessen wurde immer wieder mal eine Reform der HeilM-RL gestartet, deren Motivation die finanziellen Interessen der Kassen oder der Ärzte waren. Evidenz brauchte dazu niemand.

Für Forschung fehlt das Geld

Das Problem mit der Evidenz ist rein monetär: Niemand will Therapieforschung finanzieren. Die Pharmaindustrie investiert rund 15 Prozent der Medikamentenpreise in Forschung, bekommt diese also von der GKV finanziert. Ärzte können neue OP-Methoden und Verfahren an staatlichen Universitätskliniken erproben, bezahlt vom Staat und durch die Krankenhausfinanzierung der GKV. Doch für Therapieforschung will niemand Geld in die Hand nehmen: Die immer noch knappen Honorare der Heilmittelerbringer lassen eine Forschungsfinanzierung durch die Therapeuten selbst nicht zu. Staatliche Hochschulen sind bei der Therapeutenausbildung Mangelware, geforscht wird an den privaten Hochschulen, so gut das eben ohne Budget geht.

Wenn jetzt eine erneute Reform des HeilM-Katalogs wiederum mit fehlender Evidenz begründet wird, dann müssen sich KBV und andere Protagonisten einer solchen Reform die Frage stellen lassen, wie denn bitte jemals die Evidenz des HeilM-Katalogs nachgewiesen werden soll, wenn immer wieder reformiert wird, bevor irgendjemand auch nur die kleinste Untersuchung vorgenommen hat.

Daten sind vorhanden

Dass es auch anders geht, hat die BARMER in ihren Heilmittelberichten eine Zeit lang gut vorgeführt. Denn schon anhand der Auswertung von Routinedaten findet sich eine Menge an Informationen, die wissenschaftlich verlässliche Aussagen über die Sinnhaftigkeit des Heilmittel-Katalogs zulassen würden. Diese Routinedaten liegen bei den Kassen, dem Wissenschaftlichen Institut der Kassenärztlichen Vereinigungen und den Abrechnungsdaten der KVen vor. Warum werden diese Daten nicht erst ausgewertet, bevor die KBV eine erneute Reform der HeilM-Richtlinie fordert?

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